Günther Oettinger: Roaming-Gebühren im EU-Ausland sollen 2017 wegfallen

Rafael Thiel 5

Einem aktuellen Bericht zufolge sollen Roaming-Gebühren innerhalb der EU-Länder in naher Zukunft wegfallen. Das bekräftigt der zuständige EU-Kommissar Günther Oettinger in einem Gespräch mit Journalisten in Bonn. Demnach sei „wahrscheinlich“, dass „ab dem zweiten Quartal 2017“ Schluss mit den teils bizarr hohen Gebühren für Mobilfunkgespräche und Datenverbindungen im europäischen Ausland ist.

Nachdem dem Vorstoß, Roaming-Gebühren abzuschaffen, zunächst vielversprechende Aussichten beschert waren, legten einige europäische Mobilfunkanbieter das für 2016 vorgesehene Vorhaben mittels intensivem Lobbyismus vorerst auf Eis. Der sich nach weiteren Verhandlungen herauskristallisierende Kompromiss: Stattdessen solle Kunden im Ausland ein gebührenfreies Kontingent eingeräumt werden. Anscheinend ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen – zumindest, wenn es nach Günther Oettinger geht.

Roaming-Gebühren werden abgeschafft – „wahrscheinlich“

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Der für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft zuständige EU-Kommissar Günther Oettinger teilte unlängst Journalisten in einem Mediengespräch in Bonn mit, dass „ab dem zweiten Quartal 2017 […] die Roaming-Gebühren in der EU wahrscheinlich wegfallen“ werden. „Darauf werden sich EU-Kommission, die Regierungen der 28 Mitgliedsländer und das europäische Parlament wahrscheinlich schon sehr bald einigen.“, heißt es weiter.

Damit scheint die EU auf betroffene Unternehmen zugehen zu wollen, ohne am letztendlichen Ergebnis für Kunden etwas zu ändern. Somit müssen wir uns lediglich etwas länger gedulden, die Roaming-Gebühren dürften aber schon bald – zumindest in der EU – Geschichte sein. Der EU-Kommissar erklärte:

Wenn das Ende des Roaming jetzt Mitte 2017 kommt, haben die Firmen ein Jahr mehr Zeit gegenüber der alten Planung, um sich auf die neuen Regeln einzustellen. Und die Verbraucher werden bei der Telekommunikation noch mehr sehen, dass sie vom Binnenmarkt profitieren. Schon bisher sind die Auslandsaufschläge ja extrem gesunken.

Europas Wettbewerbsfähigkeit soll durch Firmenzusammenschlüsse gestärkt werden

Das große Ziel in Brüssel: ein geeintes Mobilfunk-Europa anstatt des aktuellen Flickenteppichs. Dafür bedarf es behutsam einen Schritt nach dem anderen zu tätigen. Infolge der wegfallenden Gebühren erhofft sich Oettinger eine Fusionswelle europäischer Provider:

Aktuell haben wir rund 280 Telefonunternehmen in den 28 EU-Staaten – gegenüber vier Spielern in den USA. Um wettbewerbsfähiger zu werden und um ihre Netze zusammenzuschalten, werden sich in den nächsten Jahren viel mehr Unternehmen zusammenschließen. Dies sollte dazu führen, dass Europas Telekommunikationsindustrie auf globaler Ebene eine größere Rolle spielt. Gleichzeitig muss der Wettbewerb gewährleistet bleiben.

Die Marktsituation in den USA und den angeblichen Vorteil von Provider-Fusionen mal außen vor gelassen: Ein Wegfall von Roaming-Gebühren könnte eine völlig neue Wettbewerbssituation provozieren. Denkbar, wäre beispielsweise, als Deutscher einen Mobilfunkvertrag mit einem österreichischen Provider abschließen, denn in Österreich sind die Tarife traditionell deutlich besser für die Kunden. Oettinger argumentiert derweil gar mit selbstfahrenden Autos für einen einheitlicheren Mobilfunkmarkt:

Selbstfahrende Autos werden ein wichtiger Markt für Deutschlands Autokonzerne. Aber solche Wagen brauchen den lückenlosen Kontakt zum Mobilfunknetz, um absolut sicher navigieren zu können. Das setzt einen besseren Ausbau der Mobilfunknetze in Deutschland voraus. Es setzt aber auch voraus, dass der Funkkontakt auch beim Überschreiten der Grenzen ohne Unterbrechung aufrechterhalten wird.

Wir hoffen in dem Zusammenhang, dass selbstfahrende Autos mit Offline-Kartenmaterial ausgestattet und auch ohne Netzanbindung in der Lage sein werden, umliegende Objekte zu identifizieren.

Bislang steht eine finale Einigung zum Roaming noch aus; dass die Mobilfunkunternehmen den Status Quo weiter verteidigen werden, darf aber als gesichert gelten. Wir informieren natürlich über weitere Entwicklungen.

Quelle: RP Online via Caschys Blog

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