Im Gegensatz zu anderen Chatprogrammen kann ich hier nicht nach Nutzern suchen, denn jeder Anwender ist anonym. Um mit jemandem zu chatten, benötige ich seine Nutzerkennung. Die wird beim ersten Start aus zufälligen Zeichen erzeugt und kann nun an potentielle Chatpartner weitergegeben werden.

torchat id
Erst wenn man eine der zufällig erzeugten TorChat-IDs kennt, kann man mit seinem gegenüber Kontakt aufnehmen.
 

TorChat

Facts 

Diese TorChat-IDs verraten nichts über ihren Nutzer und man kann sie problemlos - etwa via E-Mail  - an seine Freunde weiterreichen. Selbst wenn man die ID eines Anwenders kennt, kann man seien Chats nicht mithören und auch die Kontaktaufnahme ist immer abhängig von der Zustimmung der anderen Seite. Da man wildfremden Personen eine Kontaktanfrage stellen kann, sobald man ihre TorChat-ID kennt, sollte man hier vielleicht nur jenen Personen vertrauen, denen man seine ID per E-Mail gegeben hat.

Auch wenn das Programm sehr einfach gehalten ist, bietet es doch die wichtigsten Features eines guten Chatprogramms - zusätzlich zur Anonymität. Wir können Dateien versenden und Chatsitzungen mitloggen. Das Programm selbst ist portabel und speichert alle Daten im eigenen Ordner. Sollte man sich also entscheiden, tatsächlich Mitschnitte eines Chats anzufertigen, dann widerspricht das natürlich jeder vernünftigen Sicherheitsregel. Wenn es also um echte Sicherheit geht, sollte man das Programmverzeichnis selbst innerhalb eines TrueCrypt-Containers verschlüsseln. Das ist vor allem auch deswegen wichtig, weil dort auch eine Datei namens “ private_key“ liegt. Das ist eine Art Ausweis, an dem der Anwender im Chatsystem erkannt wird. Kommt jemand an diese Datei, so kann er Nachrichten empfangen, die eigentlich für den Besitzer dieses Keys bestimmt sind.

Stellt der Chat über Tor eine echte Alternative zu Skype, ICQ und Co dar?

Will man über Alternativen reden, dann muss man eigentlich erst mal die Anforderungen klären. Chats wie Skype und ICQ laufen über zentrale Server bei Anbietern, die damit Geld verdienen. Über Skype ist bekannt geworden, dass sowohl Chats als auch Telefonate aufgezeichnet werden können. ICQ wiederum gehört einer Firma in Russland. Dem Land, das zwar Edward Snowdon Asyl bietet, aber gleichzeitig auf allen Spamversender-Listen ganz oben steht. Angesichts solcher Tatsachen sind diese Chatdienste wenig vertrauenserweckend, was die Sicherheit angeht.

Entscheidend sind also die Anforderungen. Denn der TorChat ist eine Nischenlösung und hat dementsprechend das Problem all solcher Anwendungen: Kaum jemand benutzt sie. Es ist schwer, all seine Freunde zur Nutzung dieses Chat-Programms zu überreden, wenn sich alle auf Skype und Co sehr wohl fühlen. Bewegt man sich hingegen in einer Szene, die auf Sicherheit mehr Wert legt, als auf ein buntes Design und eine weite Verbreitung, dann ist der TorChat konkurrenzlos. Es gibt zwar hier und da mal Versuche, sichere Chatnetzwerke aufzubauen, aber keines funktioniert so sicher und dabei so einfach.

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