WhatsApp, Skype, iMessage, Facebook? Gebt uns endlich die universelle Messenger-App!

Sven Kaulfuss 4

Wer heute jemandem eine Nachricht schicken möchte, der muss sich zuvor auf einen gemeinsamen Kommunikationsstandard einigen – WhatsApp, Apples Nachrichten-App (iMessage), Facebook Messenger, Skype oder gar Threema, Telegram? Universell ist das nicht, dafür aber ganz schön blöde – wie ich in der aktuellen Ausgabe meiner Wochenendkolumne finde.

WhatsApp, Skype, iMessage, Facebook? Gebt uns endlich die universelle Messenger-App!
Bildquelle: Pixabay.com und Diensteanbieter (Logos).

Wahlfreiheit zu haben ist generell zu begrüßen, im Idealfall fördert dies beim Menschen das kritische Denken und regt zum Hinterfragen an. Doch es macht Dinge auch ungleich komplizierter, bietet es doch für jedes Individuum die Möglichkeit, sich der Masse zu entziehen und der freien Gruppenbildung zu frönen. Mag dies für eine subkulturelle Jugendbewegung noch ausgemachtes Ziel sein, führt dies andererseits bei den unterschiedlichen Kommunikationsmöglichkeiten zur Abgrenzung und Schrankenbildung.

Die wenigsten Anwender dürften wirklich einen Account bei allen Anbietern von Messenger-Diensten haben – maximal zwei, drei Optionen gesteht sich jeder zu, wenn überhaupt. Da werden Exoten wie Threema oder auf eine Plattform beschränkte Dienste wie Apples Nachrichten-App schnell aufs Abstellgleis gestellt – wer nicht im „exklusiven Club“ ist, bleibt außen vor oder aber man muss sich dann doch wieder auf WhatsApp einigen. Natürlich nicht mit dem Aluhutträger, der vor der Allmacht von Facebook und Co. seit Jahren warnt und die Nutzung dieser „Spitzel-Apps“ kategorisch ablehnt. Am Ende bleibt die Aussprache untereinander und die Kategorisierung in Nutzergruppen: Wen erreich ich wie? Dies muss zwangsläufig vor jeder Kontaktaufnahme bedacht und geklärt werden.

Einzige Universallösung seit 25 Jahren: SMS!

Was sind wir „alten Säcke“ da doch verwöhnt von anachronistischer Technik. Da reichte es früher, die Handynummer des Gesprächspartners zu kennen, und schon konnte man ihm eine kleine Nachricht senden. Die SMS (Short Message Service) war zwar – wie der Name schon suggeriert – begrenzt auf wenige Wörter und Zeichen, doch dafür konnte auch ein jeder Handy-Nutzer diese senden und empfangen. Auch heute noch ist die SMS die einzige Universallösung unter den Nachrichtendiensten – ganz schön traurig, wenn man bedenkt, dass die erste Kurznachricht bereits vor über 25 Jahren gesendet wurde und der universelle Ansatz seitdem immer mehr auf dem absteigenden Ast ist.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

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Zum Tag der Deutschen Einheit: Diese 9 Smartphone-Apps haben uns vereint.

Apple macht die Nachrichten-App für den Mac „dicht“

Letztes Beispiel: Apple. Die Nachrichten-App für den Mac (ursprünglich mal aus iChat hervorgegangen) integrierte bisher auch AIM- und Yahoo-Konten. Jedoch quittierte der AOL Instant Messenger bereits Ende 2017 seinen Dienst, Yahoo folgt am 17. Juli 2018. Nachvollziehbar, dass Apple beide Protokolle aus der Nachrichten-App vom kommenden macOS 10.14 Mojave streicht. Weniger verständlich: Apple unterstützt fortan gleichfalls nicht mehr das offene und noch immer aktuelle Jabber-Protokoll. Damit macht Apple die App jetzt noch geschlossener. Letztlich müssen Anwender resignieren: Eine wirklich universelle Nachrichten-App, die alle Protokolle der großen Anbieter vereint, gibt es auf absehbarer Zeit nicht.

Gewünscht: Ein universeller und freier Messenger-Standard

Sehr bedauerlich, denn eigentlich ist die Zeit längst reif für einen neuen, gemeinsamen Messenger-Standard. So universell wie einst die SMS, aber mit den Features des 21. Jahrhunderts (unbegrenzte Textlänge, Fotos, Video, Töne, Emojis etc.). Die Anbieter selbst werden sich darauf aber wohl nicht einigen. Insbesondere Facebook und Co. sehen jeden Account-Inhaber doch als Vermögenswert des Unternehmens, warum also teilen?

Eine echte Lösung gäbe es demnach nur wieder mit einer staatlichen Regulierung – hierzulande auf EU-Ebene. Mit Freiheit hat das dann wieder weniger zu tun, aber vielleicht am Ende mit Chancengleichheit und Verbraucherschutz. Für die SMS brauchte man ja auch kein mit den persönlichen Daten zahlendes Mitglied eines sozialen Netzwerks zu sein, oder?

Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

Wie WhatsApp-süchtig bist du? (Quiz)

An WhatsApp kommt kaum noch jemand vorbei. Zeige uns, ob WhatsApp bei dir zum "täglich Brot" gehört und du ohne den Messenger nicht mehr leben kannst, oder ob WhatsApp dir eigentlich völlig wumpe ist.

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