Windows-10-Spionage: Welche Nutzerdaten senden Betriebssystem und Cortana an Microsoft?

Robert Schanze

Windows 10 und Cortana standen in heftiger Datenschutz-Kritik mit Spionage-Vorwürfen, trotz angeblich transparenter Datenschutz-Einstellungen. Die Tatsache, dass Microsoft auch in Windows 7 und 8 Dienste per Upgrade nachinstalliert hat, die ebenfalls Nutzerdaten an Micrsoft-Server senden, machen das Datenschutz-Problem nicht besser. Aber welche Nutzerdaten senden das Betriebssystem und Cortana eigentlich an Microsoft? Wie schlimm ist die Windows-10-Spionage?

 

Windows 10: Datenschutz maximal erhöhen (Tutorial-Video).

Tipp: Windows 10: Datenschutz maximal erhöhen & „Nach-Hause-telefonieren“ einschränken

Zwar hat Windows 10 in den Einstellungen einen eigenen Menüpunkt Datenschutz, der Einstellungen zulässt welche Daten das Betriebssystem, Cortana und Apps abfragen und übermitteln dürfen, nach der Webseite ars technica sendet Windows 10 aber weiterhin Anfragen an Microsoft-Server, selbst wenn bestimmte Einstellungen im Menüpunkt Datenschutz deaktiviert wurden. Aber welche Nutzerdaten spioniert und sendet Windows 10, Cortana und Co. an Microsoft?

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Windows-10-Spionage: Welche Nutzerdaten senden Betriebssystem und Cortana an Microsoft?

Zwar nimmt Microsoft laut eigenen Angaben den Datenschutz erst, um das Vertrauen der Nutzer zu gewinnen, drückt sich aber selbst beim Thema sehr allgemein und schwammig aus, was den Spionage-Eindruck nicht verbessert. Die Sätze, dass Daten gesammelt werden, um die Nutzererfahrung zu verbessern, dürfte schon jeder gehört haben. Diese sind auch einleuchtend: Denn damit Cortana beispielsweise nach Restaurants in meinem Umkreis mit meinem Lieblingsessen suchen kann, muss Cortana erst mal meinen Standort und mein Lieblingsessen kennen, klar. Und für eine geräteübergreifende Synchronisation, müssen diese Informationen auch per Server abgeglichen werden. Aber sind das alles nur solche Daten, die über Microsoft-Server laufen? Erst in den Datenschutzbestimmungen von Microsoft wird der Konzern etwas konkreter:

„Microsoft sammelt Daten (…) beispielsweise, wenn Sie ein Microsoft-Konto erstellen, eine Suchanfrage bei Bing einreichen, einen Sprachbefehl an Cortana erteilen, ein Dokument auf Microsoft OneDrive hochladen oder uns für eine Unterstützung kontaktieren. Wir sammeln Teile davon, indem wir aufzeichnen wie Sie mit unseren Dienstleistungen interagieren, indem Sie beispielsweise Technologien wie Cookies verwenden, und Fehlermeldungen oder Nutzungsdaten von Software erhalten, die auf Ihrem Gerät installiert ist. Wir erhalten auch Daten von Drittanbietern (einschließlich anderer Unternehmen).“

Weiter schreibt Microsoft, dass sie die Daten nutzen, um zielgerichtete Werbung anzuzeigen. Allerdings gibt der Konzern an, keine Inhalte aus E-Mails, Chats, Videoanrufen, Voicemails, Fotos oder aus persönlichen Dateien zu nutzen, um solche Werbung zu erzeugen. Des Weiteren heißt es:

„Microsoft verwendet Cookies und ähnliche Technologien, um unsere Dienste anzubieten, um beim Sammeln von Daten zu helfen. Cookies erlauben es uns unter anderem, Ihre Präferenzen und Einstellungen zu speichern; Ihre Anmeldung zu vereinfachen; Ihnen eine interessenbezogene Werbung zu bieten; Betrug zu bekämpfen; und zu analysieren, wie unsere Dienste arbeiten. Microsoft-Anwendungen verwenden weitere Erkennungsmöglichkeiten für ähnlich Prozesse, wie die der Werbe-ID in Windows. Wir verwenden auch Web-Beacons, um Cookies zu liefern und um Nutzungs- und Leistungsdaten über unsere Dienste zu sammeln. Diese können Web Beacons und Cookies von Drittanbieterdienstleistern enthalten.“

Microsoft überträgt also nicht bloß die reinen Nutzerdaten, die für das Funktionieren der Dienste benötigt werden, sondern auch „Nutzungs- und Leistungsdaten der eigenen Dienste“. Leider erläutert Microsoft auch nicht die „ähnlichen Technologien“ und die „weiteren Erkennungsmöglichkeiten“. Dahinter können sich Belanglosigkeiten verbergen, oder eben auch handfeste Spionage.

Außerdem steht im Microsoft-Servicevertrag, dass der Konzern berechtigt ist, „die Version der Software automatisch zu überprüfen.“ Diese Textstelle sorgte unter anderem für Aufregung, da sie sich so interpretieren lässt, dass Windows 10 auf dem PC nach illegaler Software und Software-Piraterie sucht und solche gefundenen Programme deaktivieren kann.

Alle Microsoft-Informationen zum Thema lest ihr in den zugehörigen Datenschutzbestimmungen und in Windows 10 und Datenschutz.

Windows 10: Das solltet ihr VOR dem Upgrade wissen – FAQ

Welche Nutzerdaten sendet Cortana an Microsoft?

Nachdem Cortana aktiviert ist, erfasst sie unter anderem folgende Daten auf dem Gerät:

  • Standortinformationen und Standortverlauf
  • Kontakte
  • Spracheingaben
  • Suchverlauf
  • Kalenderinformationen
  • Inhalte und Kommunikationsverlauf von Nachrichten und Apps
  • In Microsoft Edge: Browserverlauf
  • Andere Daten auf dem Gerät

Diese Informationen speichert Cortana in Windows 10, im Notizbuch und sendet sie in die Cloud auf das Bing.com-Dashboard. Euren Standort erfasst Cortana „in regelmäßigen Abständen“, auch etwa beim Herstellen oder Trennen von WLAN- oder Bluetooth-Verbindungen. Das erkennt ihr dann auch an dem Kreis-Symbol in der Taskleiste. Bei den Kontakten erfasst Cortana Titel, Zusätze, Name und Firmenname – bei Kommunikation per E-Mail oder SMS auch die E-Mail-Adresse oder Telefonnummer des Kontakts. Leider erläutert Microsoft nicht, was mit „anderen Daten auf dem Gerät“ gemeint ist.

Falls ihr Cortana per Sprachsteuerung bedient, nutzt Microsoft laut eigenen Angaben die Sprachdaten, um eure Aussprache besser zu verstehen. Auch nutzt Microsoft diese Nutzerdaten, um andere Microsoft-Produkte und -Dienste mit Spracherkennung zu verbessern. Telefonanrufe hört Cortana allerdings nicht ab.

Cortana sendet aber Daten an andere Microsoft-Apps oder -Dienste weiter: So nutzt sie etwa Daten aus anderen Microsoft-Apps wie der Bing-Sport-App. Umgekehrt können diese Apps auch auf eure Interessen aus Cortanas Notizbuch zugreifen. Wenn ihr mit Cortana auf Drittanbieter-Apps wie etwa Facebook zugreift, leitet Cortana bestimmte Informationen auch an diese weiter „zur zusätzlichen Personalisierung“.

Ausführliche Informationen zum Cortana-Datenschutz findet ihr auf der zugehörigen Microsoft-Webseite.

Windows-10-Spionage: Senden von Nutzerdaten verhindern

Falls euch etwa stört, dass Microsoft neben den eigentlichen Nutzerdaten auch Nutzungs- und Leistungsdaten seiner Dienste überträgt, bleibt im Grunde nur, die Dienste nicht zu nutzen. Auch wer die oben erwähnten Punkte bei Windows 10 und Cortana als Spionage betrachtet, muss die Microsoft-Dienste nicht verwenden. Alternativ könnt ihr versuchen die Datenschutz-Einstellungen anzupassen und mit Datenschutz-Tools wie Win10 SpyStop das Nach-Hause-Telefonieren zu verhindern. Bei Bedarf lässt sich zudem Cortana komplett deinstallieren.

Was ihr zu Windows 10 wissen solltet:

Was haltet ihr von der Namensänderung von Windows 9 auf Windows 10?

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