Windows-Dateimanager der 90er: WinFile ist jetzt OpenSource

Marco Kratzenberg

Einige werden ihn gar nicht mehr kennen, andere lieben ihn immer noch: Die Rede ist von „WinFile“, dem originalen Dateimanager von Windows, der von 1990 bis 1999 den Standard darstellte, bevor er vom Windows Explorer ersetzt wurde. Jetzt ist der Quellcode von Microsoft freigegeben worden und die ersten Überarbeitungen tauchen auf.

Der Windows-Dateimanager bis Windows 98 hatte alles, was er brauchte. Links der Verzeichnisbaum, rechts die Dateien. Alle nötigen Datei- und Verzeichnis-Operationen waren möglich und das sogar in mehreren geöffneten Fenstern. Allerdings werden selbst Fans einige modernere Features vermissen…

Das Microsoft-Urgestein Craig Wittenberg hat das Projekt unter seine Fittiche genommen und entwickelt es nun weiter. Von ihm stammt auch der Dateimanager, den ihr hier downloaden könnt.

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Was kann der Windows-Dateimanager – und was nicht?

Wie der Name Dateimanager schon sagt, geht es bei dem Tool um die Arbeit mit Dateien und Verzeichnissen. Das Programm kann sie öffnen, verschieben, löschen, kopieren und umbenennen. Ihr könnt euch durch die Baumstruktur der Verzeichnisse hangeln und euch die Dateien darin ansehen – selbst die Verbindung von Netzwerklaufwerken ist möglich.

Dabei ist WinFile, wie das Programm ursprünglich hieß, ziemlich schmucklos. Man bekommt weder die Dateiicons zu sehen, noch irgendeine Art von Vorschau. Um den Inhalt einer Datei zu kontrollieren, muss man sie doppelt anklicken und sie im verknüpften Programm öffnen.

Datei-Operationen, wie etwa das Verschieben oder Kopieren, werden durch Hotkeys oder über das Menü erledigt. Kopiert wird mit F8, verschoben mit F7.

Dafür ist der Dateimanager allerdings portabel und inklusive Hilfedatei von Windows 98 nur etwa 2 Megabyte groß.

Bei der Hilfedatei und im Menü wird auch gleich klar, wo die Weiterentwicklung des Tools stehen geblieben ist: Es gibt keine deutsche Übersetzung. Der Windows-Dateimanager ist Englisch und das wird sich voraussichtlich auch nicht ändern.

Einige Neuerungen funktionieren nicht perfekt und müssen noch überarbeitet werden. So beschweren sich einige Nutzer unter anderem darüber, dass es Probleme mit dem Drag-and-Drop gibt und außerdem sehr lange Pfade nicht korrekt dargestellt werden.

Was ist neu am Windows-Dateimanager 2018?

Der Quellcode von WinFile ist natürlich nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Das betrifft unter anderem den Entwicklungsstand der Compiler sowie Unterschiede zwischen 32 und 64 Bit. Damit der Windows-Dateimanager auch unter Windows 10 problemlos läuft, hat Craig Wittenberg hier einige Anpassungen vorgenommen. Und wo er schon mal dabei war, hat er WinFile auch gleich ein brauchbares Drag-and-Drop verpasst.

Dateibewegungen werden nun besser unterstützt, da er die Tastenkombinationen dazu eingebaut hat. Also kann man mit Strg + C etwas in die Zwischenablage nehmen und es mit Strg + V an anderer Stelle einfügen.

Ein Kontextmenü gab es früher auch nicht. Jetzt wurde es endlich eingebaut. Zwar ist es statisch und bezieht neuere Windows-Features nicht ein, aber immerhin vereinfacht es die Arbeit mit Verzeichnissen und Dateien.

Neue Hotkeys im Windows-Dateimanager

Hotkey Auswirkung
F12 Ruft eine ausgewählte Datei mit Notepad oder Notepad++ auf.
Strg + K Öffnet eine Kommandozeile.
Strg + G Öffnet ein Suchfenster, in das man Teile eines Pfades eingeben kann, um schnell dorthin zu springen.
Strg + C, Strg + X, Strg + V Etwas in die Zwischenablage kopieren oder ausschneiden und es wieder hervorholen.

Ihr könnt hier den Windows-Dateimanager downloaden, der von Wittenberg als „Current Master“ bezeichnet wird und seine zahlreichen Erweiterungen enthält.

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