Kommentar zum letzten Apple Black Friday: Extrawurst für deutsche Geizhälse

Sven Kaulfuss 13

Geteilte Welten beim Apple Black Friday – direkte Rabatte vergab Apple dieses Jahr nur in Europa, Mexiko und Brasilien. Kunden aus den USA, Kanada, Australien und Neuseeland mussten sich dagegen mit Gutscheinkarten zufriedengeben. Was steckt dahinter?

Kommentar zum letzten Apple Black Friday: Extrawurst für deutsche Geizhälse

Die Befürchtungen unter den Schnäppchenjägern hierzulande waren sehr groß. Schon im Vorfeld des diesjährigen Black Friday zeichnete sich ein Paradigmenwechsel ab – statt direkter Rabatte sollte es diesmal nur Gutscheine geben. Zumindest galt dies für Australien, Neuseeland, die USA und Kanada. Verwunderlich ist jedoch die Tatsache, dass der Hersteller in Europa, Mexiko und Brasilien auf diesen Wandel in der Vertriebspolitik verzichtete, denn bisher war Apples Vorgehensweise weltweit identisch.

Apples Idee: Gutscheinlösung = Umsatzsteigerung

Wer einen Gutschein erhielt, der kann diesen nur für zukünftige Einkäufe im Apple Online Store und den Ladengeschäften nutzen. Für den Hersteller eine trickreiche Maßnahme, um den Umsatz im Weihnachtsgeschäft nachhaltig zu stärken. Auf Gegenliebe stieß dieses Vorgehen nicht hundertprozentig. Nicht wenige Apple-Fans beschwerten sich darüber auf und in diversen Webseiten und Foren. Es liegt in der Natur des Menschen, einen Vorteil lieber unmittelbar wahrzunehmen, anstatt die „Belohnung“ erst zu einem späteren, unbestimmten Zeitraum einzufordern – der Homo sapiens zählt nicht unbedingt zu den geduldigen Spezies. Die Reaktionen sind demnach nicht wirklich verwunderlich.

Doch zurück zur ursprünglichen Frage: Warum verzichtete Apple auf eine weltweite und somit einheitliche Black-Friday-Gutscheinaktion?

Bilderstrecke starten
20 Bilder
Kostenlose und reduzierte Apps für iPhone, iPad & Mac am Black Friday.

Billig, billiger am billigsten: Nur ein direkter Rabatt ist ein guter Rabatt

Die kurze Antwort: Angst! Apple ist sich der kulturellen Unterschiede in den verschiedenen Märkten durchaus bewusst. Beispielsweise verzichtet man in Japan komplett auf den Black Friday. Stattdessen gibt’s zum neuen Jahr im Land der aufgehenden Sonne traditionell die „Lucky Bags“ – Überraschungstüten mit einem Kaufvorteil beziehungsweise kleinen Geschenken. Hierzulande mag man es dagegen vorzugsweise billig. Insbesondere unser teutonischer Landstrich ist vom „Sparwahn“ gezeichnet. Geiz ist geil und wer freiwillig mehr bezahlt, der gilt als verschwendungssüchtiger Vollidiot. Insofern trifft der amerikanisch geprägte Black Friday auch hierzulande auf nahrhaften Boden – die Hatz nach dem besten Schnäppchen gerät zum Volkssport. Die Belohnung? Am Ende das wohlige Gefühl, dem Kapitalismus an diesem Tag ein Schnippchen geschlagen zu haben. Immerhin hat man doch so viel weniger bezahlt und die Händler haben ihre Waren zum Selbstkostenpreis abgegeben. Was für eine grandiose Fehleinschätzung. Diese Selbsttäuschung funktioniert – zumindest für die Mehrzahl der Bevölkerung – jedoch nur, wenn die Beute (der Rabatt) unmittelbar erlegt wird – siehe hierzu die obige Bemerkung.

Gutscheinaktionen könnten demnach verhaltener aufgenommen werden, vor allem in einem Kulturkreis der Geizhälse und Pfennigfuchser. Apropos Kulturkreis: Eine solche Gutscheinlösung wird dem Marketinginstrument des „Couponing“ zugeordnet. Bis 2001 waren derartige Beigaben durch das Rabattgesetz noch ausgeschlossen, erst mit dem Wegfall desselbigen war der Weg frei. Dennoch: Noch hat in Deutschland das Couponing nicht dieselbe Bedeutung wie in den USA erlangt. Ein weiterer Grund für Apples Zurückhaltung.

Black Friday 2014: Fortsetzung des Vertriebs-Experiments?

Am Ende überwiegten für Apple die Bedenken und man offerierte hierzulande aus „kulturellen Gründen“ die bisher bekannten Direkt-Rabatte. Die Angst vor etwaigen Umsatzrückgängen war schlichtweg zu groß. Ein Persilschein für die Zukunft ist dies jedoch nicht. Apple wird sich die Ergebnisse in den USA, Australien, Neuseeland und Kanada genauestens anschauen. War das Experiment dort erfolgreich, so könnte sich der Hersteller durchaus entschließen, beim Black Friday 2014 auch in den bisher verschonten Regionen die Gutscheinlösung einzuführen.

Bildquelle (Titel): Black Friday sales tag und Closeup portrait of grumpy greedy… von shutterstock

Black Friday in Deutschland – deine Meinung?

Vielen Dank für die Teilnahem an unserer Umfrage, das bisherige Ergebnis findet sich nach der Beantwortung der letzten Frage (Frage 3).

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Weitere Themen

* Werbung