Thomas Hitzlsperger: Sein Video-Statement zum Coming-Out

Peer Göbel

„Jeder Mensch sollte so leben dürfen, dass er wegen seiner Herkunft, Hautfarbe, sexuellen Neigung oder Religion keine Angst haben muss, diskriminiert zu werden.“ Genau so. Thomas Hitzlsperger hat sein Video-Statement veröffentlicht, spricht über seine Homosexualität und Profi-Fußball. Das erste Coming-Out eines Bundesliga-Spielers, wie cool ist das?!

Na endlich. Die statistisch 5 bis 10 Prozent Schwulen unter den Bundesligaspielern und Fußballfans können sich in Zukunft vielleicht irgendwann etwas entspannter ins Stadion begeben, Thomas Hitzlsperger hat einen Anfang gemacht. Und das ist in Zeiten, in denen in Russland das Verbreiten von Informationen zu Homosexualität verboten wurde (auch bei Olympia 2014 in Sotschi drohen Strafen für Sportler und Fans), in denen Katar zur Fußball-WM 2022 „Schwulen-Tests“ bei der Einreise erwägt und Homosexuellen dort 5 Jahre Haft winken, ein gutes Zeichen.

Die bisherigen Coming-Outs im Profifußball sind keine glücklichen Geschichten und lassen sich an einer Hand abzählen, der Premier-League-Spieler Justin Fashanu beging 1998 Selbstmord, der Zweitliga-Profi Marcus Urban beendete gleichzeitig mit seinem Coming-Out Anfang der 90er seine Karriere. Und das war’s im großen und ganzen schon. Erst im vergangenen Jahr machten gleich mehrere Spitzensportler ihre Homosexualität öffentlich, darunter der NBA-Profi Jason Collins, Turmspring-Star Tom Daley und auch US-Fußball-Nationalspieler Robbie Rogers.

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Wo längst schwule Bürgermeister, Außenminister, Musiker, Moderatoren, Schauspieler, Superstars undsoweiter der Öffentlichkeit bekannt sind, wird es höchste Zeit, dass auch der Fußball sich mal entspannt und nicht so tut, als wäre Homosexualität etwas Schlimmes oder gäbe es nicht (das gilt natürlich auch für andere vermeintlich abweichende Identitäten). Es wird höchste Zeit, dass die homophobe Kackscheiße aus den Stadien und Köpfen und Tätlichkeiten verschwindet. Thomas Hitzlsperger in seinem schriftlichen Statement: „Ich hoffe, dass ich mit diesem Schritt in die Öffentlichkeit jungen Spielern und Profisportlern Mut machen kann. Profisport und Homosexualität schließen sich nicht aus, davon bin ich überzeugt.“

Und wirklich ein ziemlich genialer Fußballer: Hitzlsperger war der Mann, der Stuttgart 2007 mit einem Hammer-Tor zur Meisterschaft schoss, war WM-2006-Teilnehmer und Stammspieler bei der EM 2008, Premier-League-Legionär. Hier nochmal ein paar Highlights im Video:

PS. Der Scoop der „Zeit“, die mit dem Hitzlsperger-Interview die Sache ins Rollen gebracht hatte, ist wunderlicher Weise nicht in voller Länge online verfügbar, sondern nur in den Verkaufs-Ausgaben ab heute am Kiosk und digital.

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