gamescom 2015: Spielen verboten! (Kolumne)

Martin Küpper 15

Auf der gamescom 2015 gibt es mit Titeln wie Fallout 4, Halo 5 oder Horizon zahlreiche Highlights zu sehen. Aber selber spielen? Teilweise geht das nur auf dem Showfloor, teilweise gar nicht. Eine bedenkliche Entwicklung, die mir große Sorgen macht.

spielen_verboten

Was habe ich mich im Vorfeld auf die gamescom 2015 gefreut! Gerade auf Titel wie Fallout 4, Halo 5: Guardians, Horizon: Zero Dawn und WWE 2K16 war ich richtig heiß! Dumm nur, dass ich letztlich nicht einen dieser Titel gespielt habe. Teilweise sind diese Spiele auf der Messe überhaupt nicht spielbar und es gibt lediglich Präsentationen. In manchen Fällen wurden uns sogar nur vorproduzierte Videos vorgesetzt – die Entwickler haben also nicht einmal live vor Ort gespielt.

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Das wirft bei Titeln wie WWE 2K16, die in naher Zukunft bereits erscheinen werden, natürlich durchaus Fragen auf. Sollten Spiele in diesem Stadium nicht auch schon in spielbarer Form vorzeigbar sein? Gibt es Probleme bei der Entwicklung? Will man Bugs und Schnitzer im Gamedesign gezielt kaschieren? Ein Blick auf diverse Release-Debakel der jüngsten Vergangenheit, wecken in mir da durchaus Sorgen. Letztes Jahr war WWE 2K15 auf der gamescom übrigens auch spielbar – und das sogar für jeden Besucher der Messe.

WWE 2K16.

Die Presse spielt nicht mit!

Noch seltsamer ist, dass ich diverse Titel, die auf dem Showfloor (also den Entertainment- aka. Besucher-Hallen) durchaus spielbar sind, bei Presseterminen selbst nicht anzocken konnte. Halo 5: Guardians ist so ein Beispiel: Auf dem Showfloor können Besucher das Spiel ohne Probleme im Multiplayer ausprobieren, ich habe bei meinem Termin jedoch nur einer Singleplayer-Mission zusehen dürfen. Wesentlich schlimmer traf es meinen Kollegen Dominic, denn bei Electronic Arts konnte er bei keinem seiner Termine selbst Hand anlegen. Stattdessen wurden ihm einfach ein sogenannter „Fast Pass“ in die Hand gedrückt - mit der ausdrücklichen Anweisung sich die Spiele auf dem Showfloor anzusehen.

Das ist jedoch in der Praxis für uns leider oft nicht umsetzbar. Unser Terminkalender ist voll, die Messe ist voller und die Fast Passes werden keineswegs nur an Vertreter der Presse verteilt, sondern teilweise auch an Publikums-Besucher verlost. Im Endeffekt musste man bei diversen Titeln (wie beispielsweise Mirror’s Edge Catalyst) also auch mit Fast Pass bis zu 45 Minuten warten – was bei unseren vollen Terminkalendern nur selten unterzubringen ist.

Das hat dann zur Folge, dass wir einige Spiele gar nicht spielen können und das ist für eine inhaltsreiche Berichterstattung natürlich pures Gift. Wir gehen ja schließlich gezielt auf die Messe, um den Daheimgebliebenen unsere Eindrücke zu schildern - und entsprechend frustrierend ist es, wenn man dabei solche Steine in den Weg gelegt bekommt.

Mirror's Edge Catalyst: Preview (auf Basis der Präsentation)

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Sinn und Zweck? Ein Rätsel.

Eigentlich sollte es ja auch nicht im Interesse der Entwickler und Publisher sein, die sich natürlich über Berichterstattung grundsätzlich freuen. Wieso erschwert man es Vertretern der Presse also, sich einen guten Eindruck der Spiele machen zu können? Die einzige logische Erklärung scheint da doch, dass man uns etwas verbergen möchte. Das ist möglicherweise nicht überall der Fall, doch den bitteren Beigeschmack werde ich bei all diesen Titeln jetzt einfach nicht mehr los.

Und wenn sich dieser Trend fortsetzt, braucht man auf der nächsten gamescom dann gar keine Presse mehr vor Ort und kann uns die Präsentationen am besten gleich per Stream übertragen. Warum soll ich denn auf die gamescom, wenn ich keine Spiele spielen darf?

An dieser Stelle möchte ich aber auch kurz lobend auf einige Publisher hinweisen, bei denen wir ohne Probleme selbst zum Controller greifen konnten. Bei Nintendo gab es alle präsentierten Spiele zum Antesten, egal ob 3DS oder Wii U. Bei Capcom waren Street Fighter 5 und die HD-Neuauflage von Resident Evil Zero ebenfalls spielbar. 2K konnte WWE 2K16 zwar nicht in spielbarer Form präsentieren, ermöglichte bei Battleborn jedoch sogar das direkte Abgreifen und Aufnehmen des Spiels, obwohl es erst 2016 erscheint!

Warner ließ uns Mad Max und Lego Dimensions selbst spielen und auch Activision und Ubisoft drückten uns ab und zu den Controller in die Hand. Ausnahmsweise gibt es zudem noch Lob für Konami, bei denen zumindest einige Presse-Vertreter neben einer Präsentation auch selbst in die Welt von Metal Gear Solid 5 eintauchen durften (wobei auch das auf dem Showfloor wiederum für ALLE spielbar war).

Besonders positiv fallen uns in diesem Rahmen natürlich auch die Indie-Spiele auf, denn die sind alle spielbar gewesen - was fast unumgänglich ist, um die entsprechende Aufmerksamkeit einzuheimsen. Daran sollten sich einige große Publisher bitte dringend ein Beispiel nehmen. Für sich selbst, für uns und vor allen Dingen für euch - damit wir euch die Inhalte bringen können, die ihr vor Release eines Spiels für eure Kaufentscheidung benötigt.

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