Meine gamescom 2017 – Drei Tage totaler Absturz

Lisa Fleischer

Die gamescom: Während Normalverbraucher ewig lange anstehen müssen, um ein einziges Spiel für zehn Minuten anspielen zu dürfen, ist die größte Gaming-Messe Europas für Pressevertreter viel entspannter. Und trotzdem war die Messe für uns – besonders für mich – mehr Absturz als Gamer-Himmel.

Wie uns die gamescom insgesamt gefallen hat, welche Spiele wir besonders empfehlen können und was uns leider enttäuscht hat, das erfährst du in folgendem Video:

gamescom 2017: Unser Fazit zur Messe.
Hinweis: Dieser Artikel ist ein Meinungsartikel, der den Standpunkt unserer Redakteurin widerspiegelt und nicht zwingend der Meinung der gesamten Redaktion entsprechen muss. Er erhebt keinen Anspruch auf eine universell gültige Wahrheit und deckt sich vielleicht nicht mit deinen eigenen Vorstellungen.

Bevor du dir jetzt denkst „Was für eine Schnappsdrossel“ – Nein, natürlich habe ich es mir für diesen Artikel auf den abendlichen Partys in Köln nicht besonders gut gehen lassen, tatsächlich bin ich jeden Abend relativ früh ins Bett, weil die gamescom doch ziemlich anstrengend war. Wie du dir anhand des Titelbildes sicherlich schon denken kannst, geht es in diesem Artikel um abgestürzte Spiele und Gameplay-Präsentationen. Die sind mir in diesem Jahr nämlich besonders häufig untergekommen.

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Von AAA bis Indie – Nichts blieb von Pannen verschont

Während meine Kollegen offenbar Glück hatten, sind bei mir gleich mehrere Titel mitten in der Demonstration abgeschmiert. Bei Devolver Digitals neuem Oldschool-Action-Adventure Sword of Ditto stürzte die PS4 schon relativ am Anfang meines Anspiel-Termins ab. Das erwies sich als gar nicht so schlimm, basiert das Spiel doch auf dem Prinzip, dass die Welt nach jedem Durchspielen neu generiert wird – so konnten mir die Entwickler wenigstens zeigen, wie ich mir dies vorzustellen habe.

Da war es peinlicher, dass EAs neuer Indie-Titel Fe mitten in der Präsentation abstürzte – obwohl wir noch nicht einmal selbst spielen durften, sondern der Entwickler das kleine Tierwesen durch die bunte Welt navigierte. Und auch einem der neuen Familien-Titel von Microsoft war das Glück nicht hold – dieses Spiel brach einfach mitten in der Demo ab, die uns das Microsoft-Team vorspielte.

Selbst AAA-Titel blieben von technischen Problemen nicht verschont. Bei meinem Termin zu Dishonored: Der Tod des Outsiders durfte ich selbst spielen, wollte mich zum nächsten Punkt teleportieren – und landete auf dem Desktop des PCs von Bethesda. Das Spiel war schnell wieder gestartet, ich musste die Demo allerdings von vorne beginnen. Natürlich ein wenig ärgerlich für mich, kam ich doch sowieso nicht so gut mit der Steuerung zurecht und musste mich nun noch einmal mühevoll bis zu dem Punkt vorschleichen, an dem ich zuvor endete – ein bisschen Story habe ich dadurch ganz bestimmt verpasst.

Vor allem peinlich für die Publisher

Trotzdem war ich den Publishern nicht böse dafür, dass ihr Spiel abstürzten und die Demo nicht ganz so gut lief wie gedacht. Sie taten mir leid. Bestimmt hatten sie viel Zeit in ihre Demo gesteckt, die Publisher mühevoll davon überzeugt, dass das Spiel mehr verdient als eine reine Präsentation der Inhalte in Form eines Trailers und auf der Messe angespielt werden kann. Schließlich wird viel eher über ein Spiel berichtet, dass auf der gamescom gezockt werden kann, als über eines, das ohne neues Gameplay daherkommt.

Sicherlich müssen sie sich jetzt, da die Demo eben doch nicht zu 100 Prozent funktioniert hat, vor ihren Chefs rechtfertigen. Vielleicht reagieren diese darauf gar nicht so negativ, trotzdem wird ein mulmiges Gefühl bleiben. Wohin das führen kann, sehen wir schon jetzt: Auf der gamescom waren nur die Titel anspielbar, die in den nächsten Monaten erscheinen, alles andere wurde, wenn überhaupt, vom Entwickler direkt präsentiert; ohne anschließende Anspielmöglichkeit.

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6 Dinge, die sich auf der gamescom 2017 lohnen – abseits von AAA.

Fehler sind menschlich – und machen sympathisch

Jetzt, im Nachhinein der Messe, da ich alles noch einmal Revue passieren lasse, hoffe ich, dass sich die Entwickler von den vielzähligen Abstürzen nicht demotivieren lassen. Für mich macht den Reiz der gamescom gerade aus, dass ich Spiele ausprobieren kann, die noch lange nicht veröffentlicht werden. Und die ich deshalb vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm habe.

Die gamescom-Abstürze haben mir bewusst gemacht, dass unfertige Spiele nicht immer schlechte Spiele sind. Natürlich regst du dich auf, wenn ein Early-Access-Titel ziemlich verbuggt ist oder eine Demo sogar ganz abstürzt. Du darfst aber nicht vergessen, dass es sich dabei um unfertige Spiele handelt, an denen Entwickler noch arbeiten. Und die deshalb auf dein konstruktives Feedback angewiesen sind. Zudem hilft dir die Vorabversion, besser entscheiden zu können, ob ein Spiel wirklich schlecht ist oder doch Potential hat.

Tatsächlich sind mir die Spiele, bei denen etwas schiefgelaufen ist, mitunter am besten in Erinnerung geblieben. Fe liebe ich aufgrund des außergewöhnlichen Stils sowieso schon jetzt. Dass Dishonored nichts für mich ist, wusste ich schon vor der Gameplay-Demo. Und Sword of Ditto hat den Absturz so sympathisch vertuscht, dass es mir gleich noch besser gefällt als vor dem Anspieltermin.

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