„Multiplayer at its best“: Jährlich grüßt die Bundeswehr – von der gamescom

Daniel Kirschey 3

Jedes Jahr wirbt die Bundeswehr mit immer provokativeren Plakaten auf der gamescom – so auch in diesem Jahr. Diesmal empfinden viele die Plakate als besondern geschmacklos. Wir haben nachgefragt.

„Multiplayer at its best“: Jährlich grüßt die Bundeswehr – von der gamescom

Stefan schaut zu seinem Kameraden. Der liegt auf der Erde, blutet und umgreift sein Gewehr. Ab und zu feuert eine Salve daraus hervor. Auch Stefan liegt geduckt auf dem Boden. Er weint, sein Gewehr liegt neben ihm. Vor ihm spritzt Dreck und Beton hoch, wenn Kugeln ihn verfehlen. Es zischt in der Luft. Irgendwie hatte sich Stefan den Multiplayer anders vorgestellt. Auch dieses Problem mit dem Permadeath wird ihm immer mehr bewusst. Keiner hat ihm gesagt, dass er nicht einfach saven kann. Als eben sein anderer Kamerad von den Medics weggetragen wurde, respawnt er nicht. Am Ende, wenn sie verlieren, wird wohl auch niemand „gg“ kommentieren.

Schluss damit – der offensichtliche Punkt ist wohl herüber gekommen. Echter Krieg ist kein Spiel – und auch kein Spaß. Das sollte eigentlich inzwischen jeder wissen. Trotzdem steht die Bundeswehr auch 2018 wieder auf der gamescom – mit diesen Plakaten:

Assoziiert die Bundeswehr hier Krieg wirklich mit Spielen? Wir haben auf der gamescom nachgefragt; Nils Feldhoff, Hauptmann und Messestandleiter des Bundeswehrstandes, beantwortet unsere Fragen.

Die Sprüche auf den Plakaten sollen an Pressezitate von Gaming-Magazinen erinnern, erklärt Nils Feldhoff uns. Die Werbung sei natürlich auf die gamescom-Messe ausgerichtet, führt er weiter aus. Im „Kleingedruckten“ wird auf die wichtige Kameradschaft der Truppe eingegangen. Doch der Slogan ist es, der zuerst ins Auge springt. „Ich würde es  provokativ sehen. Aber gleichzeitig auch als Einladung, um zu uns auf die gamescom zu kommen, um sich mit uns kontrovers beziehungsweise kritisch über das Thema zu unterhalten.

Das Interessante: Der Slogan „Multiplayer at its best“ wurde vom Bundesministerium der Verteidigung (BMVG) selbst konzipiert, so Feldhoff. Dem BMVG sei es bewusst, dass der Slogan provokant ist.  „Uns ist auch immer bewusst, dass wir immer mit – ich sage jetzt mal Hatern – zu kämpfen haben. Man kann es nicht jedem recht machen.

Einige fragen sich jetzt vielleicht: Was hat die Bundeswehr eigentlich auf einer Videospielmesse zu suchen? Eine durchaus berechtigte Frage! Der Grund, warum sie gerade auf der gamescom um Nachwuchs werben, ist dabei recht banal: Als einer von vielen Arbeitgebern – wie auch Aldi, Daimler und sogar das Bundesamt für Verfassungsschutz – meldet sich die Bundeswehr jedes Jahr als Aussteller an, um unter den IT-affinen, jungen Menschen Arbeitnehmer zu finden. Das erklärte uns schon 2017 der Director der Koelnmesse GmbH Tim Endres:

Die Bundeswehr ist hier, um ihre IT-Berufe zu präsentieren und potenziellen Arbeitnehmern anzubieten. Das ist der ganz klare Fokus der Bundeswehr hier auf der gamescom und das machen viele andere Unternehmen auch, die auch nicht Teil der Gamesc-Branche sind. Und wir als Veranstalter müssen diesen Jobmarkt allen potenziellen Arbeitgebern öffnen.

Zurück zur diesjährigen Werbung. Die soll sich also an ein IT-affines Publikum richten und nur darauf liegt der Fokus? Die Plakate sprechen eine andere Sprache. Eine gewollte Provokation mit Plakaten, die Soldaten und Kriegsgerät zeigen und mit Games-Terminologie versehen sind. Da bleibt am Ende ein Beigeschmack zurück – der langsam aber sicher zur Übelkeit wird.

So lange haben Spieler dafür gekämpft, dass die Gesellschaft Games nicht mehr mit echter Gewalt und echtem Terror in Verbindung bringt – und dann kommt die Bundeswehr daher und rollt über die erarbeitete Akzeptanz mit ihren Panzern hinweg.

Auch in RUSH – Der Gaming-Podcast haben wir über die Plakate gesprochen:

RUSH – Der Gaming Podcast: Highlights & Eindrücke von der gamescom 2018.

In jedem Jahr hat sich die Bundeswehr mit ihren provokativen gamescom-Plakaten gesteigert. Wir haben mal unsere Photoshop-Skills ausgegraben und ein bisschen herumgebastelt. Hier unser Vorschlag für die Steigerung nächstes Jahr 2019 auf der gamescom.

Zum Glück gibt es auch positive Dinge von der gamescom zu berichten. Diese Spiele kannst du dort zocken:

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gamescom 2018: Diese Spiele kannst du auf Europas größter Spielemesse ausprobieren.

Wie ist deine Meinung dazu, dass die Bundeswehr auf der gamescom nach Nachwuchs sucht? Findest du die Plakate ebenfalls geschmacklos oder irgendwie doch in Ordnung? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare.

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