Scheeßel, 20. bis 22. Juni - drei Tage lang wurde auf dem Gelände der Motorradrennstrecke Eichenring gerockt. Statt aufgeweichter Pisten und unterwasserstehenden Campingplätzen erwartet die diesjährigen 70.000 Besucher endlich einmal ein eher trockenes, dafür aber staubiges Gelände. Der Wettergott hält zwar durchwachsendes Wetter mit Wind und Stürmen bereit, größere Regengüsse und Unwetter bleiben aber aus. Für die musikbegeisterte Gemeinde spielen über 80 Bands auf drei großen Bühnen (Green, Blue und Red Stage) und in einem Zelt (der White Stage) – da ist vom Rocker bis zum Raver etwas dabei.

Unter allen Festivals, aus denen die Musik-Fans wählen können, ist das Hurricane mit seinem Zwillings-Festival „Southside“, welches im baden-württembergischen Neuhausen ob Eck stattfindet, eines der größten – und bekanntesten. Bereits seit 18 Jahren kann der Veranstalter FKP Scorpio auf eine erfolgreiche Festivalgeschichte zurückblicken. Und trotz angestiegener Ticketpreise sind das Hurricane und das Southside bereits seit April ausverkauft.

Bilderstrecke starten(14 Bilder)
Die besten Festivals 2014 in Deutschland: Musik-Highlights im Sommer

Hurricane 2014: Nachbericht

Die 13 .000-Einwohner-Gemeinde Scheeßel und das Gelände rund um die Rennstrecke verwandeln sich an diesem Wochenende in eine große Musik- und Zeltstadt. Es gibt neben Gastronomieständen und fliegenden Händlern mit Hüten, Gürteln usw. in diesem Jahr einen „Festival-Supermarkt“. LIDL hat mit seinem „Rock Shop“ ein breites Angebot von Grillkohle über Bier und eigentlich allem, was man während eines Festivals so brauchen kann, dabei. Bargeld war gestern - der Camper kann hier sogar mit EC-Karte bezahlen. Auch das Camping muss nicht mehr einfach nur Zelt oder Wohnwagen umfassen. In diesem Jahr gibt es neben dem „Green Camping“ beispielsweise auch etwas Luxus. Das neue „Hurricane Resort“ bietet hier u. a. befestigte Wege, eigene Sanitäranlagen und sogar W-Lan an.

hurricane-2014-1
hurricane-2014-1
hurricane-2014-3
hurricane-2014-3
hurricane-2014-25
hurricane-2014-25
hurricane-2014-25_0
hurricane-2014-25_0
hurricane-2014-26
hurricane-2014-26
hurricane-2014-26_0
hurricane-2014-26_0
hurricane-2014-27
hurricane-2014-27
hurricane-2014-27_0
hurricane-2014-27_0
Freitag, der erste Festivaltag startet mit Bands wie den „Subways“, „The Sounds“, sowie den britischen Rockstars „Elbow“. Aber auch deutsche Sänger rocken die Bühnen. Darunter der nahe Scheeßel aufgewachsene Thees Uhlmann, der sich begeistert zeigt vom Hurricane-Publikum. Wäre er doch früher gern selbst Zuschauer gewesen und habe aufgrund elterlichen Verbots dann Gitarre geübt, um später selbst einmal auf der Hurricane-Bühne zu spielen. Am Abend stiehlt Shootingstar und Rapper Casper mit seinen Hits und krachendem Feuerwerk vor den Massen, den eigentlichen Stargästen des Abends, den Indie-Rockern „Arcade Fire“ aus Kanada, die Show. Dort gibt nur ein überschaubares Publikum vor der großen Green Stage, ein fast intimes Konzert. Des Nachts spielen noch die Punkrock-Urgesteine Bad Religion vor headbangenden Zuschauern und parallel legen „CHVRCHES“ und später House-DJ „Duke Dumont“ vor abtanzenden Partyjüngern im White Stage-Zelt auf. Für das nächtliche Finale ist an diesem Abend US-Hip-Hop-Riese „Macklemore“ zuständig.

Der Festival-Samstag startet mit einem eher gemütlichen Programm. Es gibt u. a. die musikalischen Schmankerl „ln Preatures“ und „To Kill A King“ auf die Ohren. Später liefern die Donots mit Sänger Ingo Knollmann ihre gewohnt rockige Show ab und lassen sich feiern. Und ein Comeback gibt es auch noch: „Fünf Sterne Deluxe“ feiern mit altbekannten Hits auf der Blue Stage ihre Bühnenrückkehr. Im vorabendlichen Programm geben dann die „Broilers“, „Bastille“ oder auch die „Dropkick Murphys“ Vollgas auf den Bühnen.

Hurricane 2014: Public Viewing vs. Festival

Und dann war da ja noch die WM… Der Veranstalter hat sich bewusst gegen ein Public Viewing des Spiels Deutschland gegen Ghana am Samstag Abend entschieden. Es sei ein Musikfestival und da stünden die Bands im Vordergrund. Für viele Besucher ein Grund, sich Fernseher mit auf den Campingplatz zu bringen. Man lädt sich einfach gegenseitig zum gemeinsamen Fußballschauen ein. Wer sich während des Deutschlandspiels auf dem Festivalgelände aufhält, tröstet sich zumindest mit Deutschlandfahnen oder kleinen aufgemalten Deutschlandflaggen. Dennoch sind die Wellenbrecher schon vor Anpfiff bereits überfüllt, denn „Bosse“ spielt auf der Red Stage und parallel rocken „Kraftklub“ die Green Stage. Und dank des krachenden Headlinders, der dänischen Metal-Band „Volbeat“, die an diesem Abend ihr musikalisches aber auch echtes Feuerwerk abfackeln, ist der Fußballfrust schnell vergessen. Wer dann noch Durchhaltevermögen zeigt, schaut sich zum Abschluss die Britin „Lily Allen“ auf der Blue Stage an, bis 2.00 Uhr nachts.

Der Sonntag beim Hurricane 2014

2 Tage lange wurde bereits gerockt. Mit dem Sonntag startet der letzte Festivaltag am Eichenring. Und das Wetter? Es hat sich gehalten. Die Besucher wussten nie so ganz, auf was sie sich einstellen sollen. Man konnte Hot Pants und Gummistiefel, aber auch Bikinis und darüber Winterjacken sehen. Eines sollte aber generell beim Festivalbesuch nicht fehlen: ein Regenponcho. Das musikalische Programm bleibt aber bunt. Brite Mike Rosenberg, besser bekannt als „Passenger“ ist eine Ausnahmeerscheinung auf den Hurricanebühnen, allein mit seiner Akustikgitarre und seiner starken Stimme zieht er das Publikum in seinen Bann. Jennifer Rostock trinkt Wodka mit den Zuschauern, die Berliner Rockband „Bonaparte“ begeistert mit wilder Bühnenpräsenz und die Indie-Rocker „Franz Ferdinand“ legen einen energiegeladenen Auftritt hin. Danach heißt es Bühne frei für Headliner Fettes Brot. Das Hamburger Hip Hop-Trio bringt die Massen mit ihren Hits in Wallung. Das Festival-Finale gehört dann aber den Berliner Reggae/Dance-Hall Jungs „Seeed“. Die elf Musiker, begleitet von den US-Trommlern „Cold Steel“ begeistern wie gewohnt mit Bühnenpräsenz im Big Band-Format und ihren starken Hits. Da fällt der Abschied wirklich schwer.

Der Vorverkauf für das Hurricane-Festival 2015 läuft bereits, also Tickets sichern unter auf der Hurricane Webseite.

Fotos: FKP Scorpio Konzertproduktionen GmbH/Rainer Keuenhof, Christoph Eisenmenger, Michael Gamon, Malte Schmidt; GIGA: Julia Langmaack

Text: Julia Langmaack, Dominik Fiolka

Abstimmung: Smartphone-Verbot an Heiligabend?