Von null auf One Punch Man: Wie gesund ist die Challenge wirklich?

Lisa Fleischer 5

Geht es um Fitness, nehmen sich immer mehr Leute ein Beispiel an Charakteren aus Videospielen und der Popkultur im Allgemeinen – wie auch am One Punch Man. Das ist nichts neues –  vor wenigen Jahren waren es noch Stars, die einige Menschen dazu inspirierte, an Abnehmkuren und Fitness-Kursen teilzunehmen. Aber ist es überhaupt förderlich, solche extremen Beispiele als Vorbild zu haben?

Von null auf One Punch Man: Wie gesund ist die Challenge wirklich?

Vor kurzem ging ein Vergleichsbild durchs Netz: Auf der einen Seite ein relativ schmächtiger Mann mit kleinem Bäuchlein. Auf der anderen der selbe Mann, aber sichtlich durchtrainiert, inzwischen ist an Stelle der Plauze ein beträchtliches Sixpack zu sehen. Zwischen diesen beiden Bildern sollen nur 30 Tage liegen. Selbst wir in der Redaktion haben nicht schlecht gestaunt: In nur so kurzes Zeit soll ich meinen Traumkörper bekommen können?

Orientiert haben will sich der Mann an dem Workout, dass Saitama, der Protagonist des Anime One Punch Man, seinen stählernen Körper (und übrigens bedauerlicherweise auch den Verlust seines Haupthaares) eingebracht hat. Natürlich alles rein fiktiv – und trotzdem scheint das Menschen zu inspirieren. Besagter Mann, der auf obigem Bild zu sehen ist, fängt also mit demselben Training an. Erst einmal in „niedrigerer“ Frequenz – er macht 50 Liegestützen, 50 Kniebeugen, 50 Sit-Ups und joggt 5 Kilometer.

Wer als Untrainierter jemals versucht hat, aus dem Stegreif zehn Liegestützen zu schaffen, der weiß, wie utopisch selbst die „niedrigere Frequenz“ für Ottonormalverbraucher sind. Innerhalb weniger Tage kämpft er sich dann auch noch auf den doppelten Umfang hoch, wie Saitama macht er jetzt täglich 100 Liegestützen, 100 Kniebeugen, 100 Sit-Ups und rennt anschließend auch noch zehn Kilometer weit. Natürlich schreckt mich das ab – ich bin nicht gerade sportlich, ehrgeizig auch nicht. Stattdessen stellt sich mir die eine Frage: Kann das überhaupt gesund sein?

Jeder Mensch ist anders – Pausen braucht der Körper trotzdem

Also schreibe ich meinen Bekannten Olaf Fries an. Er hat Sport und Leistung an der Deutschen Sporthochschule Köln studiert und als Trainer gearbeitet. Mit ihm gucke ich mir die One Punch Man-Challenge genauer an. Gleich zu Beginn stellt Olaf etwas fest, dass er mir im Interview immer wieder sagen wird: „Es hängt im Sport immer alles vom Sportler und von den Zielen ab.“

Während die einen dank ihrer Veranlagung schneller abnehmen oder Muskeln aufbauen, stellt sich bei anderen der Erfolg erst nach Monaten ein. Einen Einfluss darauf hast du nur bedingt – „ungefähr zu 60 Prozent hängt das von deinen Genen ab“, erzählt Olaf, außerdem auch von deinen sportlichen Vorerfahrungen.

„Gerade für übergewichtige Menschen oder komplette Anfänger ist dieser Trainingsplan komplett ungeeignet.“ Das liegt daran, dass die Last am Anfang viel zu groß ist, alleine schon die fünf bis zehn Kilometer joggen können durchaus schädlich sein. Olaf empfiehlt, stattdessen mit zehn Einheiten und einem Kilometer zu beginnen und sich langsam zu steigern. Dabei musst du noch nicht einmal schnell laufen, Olaf empfiehlt eine Intensität von 60 Prozent. Konkret ausrechnen kannst du das mit Karvonen- oder Lagerstøm-Formel, die dir verraten, wie hoch dein Puls beim optimalen Joggen sein sollte.

Er kann sich aber durchaus vorstellen, dass die One Punch Man-Challenge für trainierte Personen gesund, wenn auch ganz schön anstrengend sein kann. Wichtig ist nur, dass du dich anschließend ausreichend vom Training erholen kannst: „Das Training ist ja nur dafür da, den Körper systematisch zu fordern beziehungsweise zu überfordern, besser werden wir nur durch unsere Erholung.“

Du hast keine Lust auf klassisches Training? Auch mit Videospielen kannst du dich richtig auspowern – wie zum Beispiel bei einer Runde Beat Saber. Redakteurin Kamila hat das Spiel ausprobiert:

Fitness-Training mit Beat Saber?

Erholen ist hierbei nicht unbedingt gleichzusetzen mit einer Trainingspause, erklärt Olaf. Hast du beispielsweise Muskeltraining gemacht, kann sich dein Körper trotzdem regenerieren, fokussierst du dich am nächsten Tag nur auf deine Ausdauer. Von daher könnte es schon gesünder sein, machst du am einen Tag die hundert Einheiten, am nächsten Tag die zehn Kilometer Laufen und immer so weiter.

Die richtige Ernährung ist wichtig

Natürlich gehört auch eine bessere Ernährung zu einem gelungenen Trainingsplan. Während der One Punch Man-Challenge wird empfohlen, auf jeglichen Zucker – ausgenommen Fruchtzucker – zu verzichten sowie Kohlenhydrate drastisch zu reduzieren. Drei Mahlzeiten am Tag werden empfohlen, auf Snack soll verzichtet werden.

Was in dem Plan fehlt: In erster Linie ist es wichtig, seine Ernährung nicht drastisch umzustellen, sondern schrittweise, sagt Olaf. „Wenn man von jetzt auf gleich auf jeglichen Zucker verzichtet, ist es oft so, dass manche Menschen als Nebenwirkung sogar Kopfschmerzen bekommen.“ Wenn du beispielsweise jeden Tag Cola trinkst, sollst du erst einmal auf jeden zweiten Tag runtergehen – ansonsten kann es wie bei jeder Diät sein, dass du in alte Gewohnheiten schnell zurückfällst.

Außerdem ist es wichtig, nicht zu hungern, sondern einen Ausgleich für den eigenen Hunger zu finden. Bei der One Punch Man-Challenge empfiehlt Olaf: „Mehr gute, vor allem natürliche Fette sowie Eiweiße in Form von Hülsenfrüchte oder Fisch, alles auch über den Tag verteilt, weil der Körper die Proteine ansonsten einfach wieder ausscheidet.“

In 30 Tagen zum Traumkörper: Wie realistisch ist das?

Aber selbst wenn du gute Anlagen hast und sportlich bist – innerhalb von 30 Tagen einen solchen Fortschritt zu machen wie auf den Bildern der One Punch Man-Challenge zu sehen sind, ist doch eher unwahrscheinlich. Olaf vermutet sogar, der gute Herr auf den Bildern hätte auf der linken Seite seinen Bauch mit Absicht rausgestreckt.

Natürlich ist es möglich, in 30 Tagen zum Traumkörper zu kommen – gerade bei Schauspielern sind solche Verwandlungen nicht unüblich. Diese können aber auch auf einen eigenen Trainer, Ernährungsberater, Köche und 24 Stunden Zeit am Tag zurückgreifen. Normalverbraucher können das ist der Regel nicht – und genau deshalb funktioniert das in den meisten Fällen auch nicht so schnell. Allgemein ist es aber gar nicht schlecht, dass sich Leute an durchtrainierten Charakteren aus Videospielen und den Medien im Allgemeinen nehmen, sagt Olaf. „An sich ist das ja erst einmal eine Motivation.“

Tatsächlich gibt es konkrete Beispiele von Menschen, die dank Videospielen und auch dank der darin oftmals zu findenden sportlichen Charaktere selbst abgenommen und Muskeln aufgebaut haben:

Bilderstrecke starten
11 Bilder
Gamer, die durch Videospiele richtig fit wurden.

Aber: „Die Menge macht da auch das Gift.“ Willst du mit solch einer Challenge anfangen, muss dir darüberhinaus auch klar sein, dass es durchaus sein kann, dass sich Erfolge oft erst nach einer längeren Zeit einstellen als im Netz beworben. „Davon darf man sich eben nicht demotivieren lassen.“

Außerdem ist es durchaus sinnvoll, langsam anzufangen, sich erst einmal Teile der Challenge vorzunehmen und sich dann erst mit der Zeit zu steigern. Wichtig ist auch, dass die Challenge erstens dein eigenes Ziel unterstützt, dass sie dir also entweder hilft, abzunehmen oder eben Muskeln aufzubauen. Gleiches gilt natürlich auch für die Anzahl der Kalorien, die du täglich aufnimmst. Zum Ausrechnen und im Blick behalten, empfiehlt Olaf die App MyFitnessPal, mit der du deine tägliche Kalorienanzahl grob festhalten kannst.

MyFitnessPal
Entwickler: MyFitnessPal.com
Preis: Kostenlos
Kalorienzähler - MyFitnessPal
Entwickler:
Preis: Kostenlos

Und natürlich kommt es auch darauf an, was dir Spaß macht: Mit einer Sportart, die du gerne machst, kannst du dich natürlich wesentlich langfristiger motivieren. Das heißt für mich persönlich: Auch weiterhin Abstand von fordernden Challanges nehmen und stattdessen ganz in Ruhe weiter Yoga machen, Fahrrad fahren und gesund sowie ausgewogen essen. Zum One Punch Girl werde ich damit zwar nicht mehr, dafür fühle ich mich aber immerhin wohl in meinem Körper. Und das ist ja immer noch die Hauptsache.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Weitere Themen

Neue Artikel von GIGA GAMES

* Werbung