Oscars 2016 Host: Chris Rock & der Oscar-Boykott

Kristina Kielblock

Es ist das zweite Jahr in Folge, in dem bei den Oscars ausschließlich weiße Personen nominiert wurden. Dies hat im Vorfeld der Veranstaltung für ausgeprägtes Missfallen, Proteste und Boykott-Ankündigungen gesorgt. Auch Chris Rock wurde aufgefordert, sich solidarisch zu zeigen und von der Moderation der Oscars zurückzutreten. Wissenswertes über den Host Chris Rock und die Hintergründe des Oscar-Boykotts lest ihr hier.  

Chris Rock Oscars Commercial Top 3 Reasons to watch the Oscars.

20 Schauspieler dürfen 2016 auf einen Oscar hoffen, aber keiner von ihnen ist schwarz. Dieselbe Situation gab es bereits 2015 und auch die gesamte Oscar-Geschichte wirft in dieser Hinsicht kein besseres Licht auf die Verleihung. Beste Hauptdarsteller, die nicht mit weißer Hautfarbe ausgestattet waren, aber dennoch einen Oscar bekamen, sind schnell gezählt:

  • Halle Berry
  • Denzel Washington
  • Jamie Foxx
  • Forest Whitaker
  • Sidney Poitier

Fünf PoC (People of Color), die in all den Jahren seit 1929 der glamourösen Auszeichnung der Filmindustrie würdig erschienen. Bei den Nebendarstellern sind es immerhin zehn und im Bereich der Regie gab es drei Nominierungen für Nicht-Weiße, aber nie eine Auszeichnung. Es wundert also nicht, dass die Verkündung der diesjährigen Nominierungen mit ausgeprägtem Kopfschütteln und großem Unverständnis aufgenommen wurde. Dank sozialer Netzwerke kann aus der Aufregung und Wut Einzelner schnell eine Bewegung werden, dies geschah auch nach Bekanntgabe der Nominierten. Via Instagram, Facebook und Twitter formierte sich eine Gegenbewegung, ein Widerstand aus prominenten schwarzen Künstlern, der sich auch an den schwarzen Komiker Chris Rock richtete, der die Oscars 2016 moderiert.

Die Oscars 2016: Die Verleihung im TV und kostenlosen Live-Stream sehen

chris rock ist der host bei den oscars 2016

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Oscars 2016: Wenn Film-Poster die Wahrheit sagen würden.

Wer ist Chris Rock?

Chris Rock ist ein sehr vielseitiger Künstler, der seit 1985 in vielen bekannten Filmen und Serien mitgespielt hat. Freunde des Originaltons kennen seine Stimme zum Beispiel auch von Marty aus Madagaskar oder Mousebloood aus Bee Movie. Chris Rock ist auch Musiker, sein erstes Album hieß und erschien 1991. Der Schauspieler und Komiker trat von 1990 bis 1993 in der Saterday Night Live Show auf und ist seinen Stand-Up-Wurzeln bis heute treu geblieben. Vielen ist wahrscheinlich auch die Serie Alle hassen Chris ein Begriff, die in Anlehnung an Kindheitserinnerungen von Chris Rock geschrieben wurde und in der er im Original die Rolle des Erzählers übernahm.

In einer Hinsicht (aber auch nur in einer) ist Chris Rock auch so etwas wie der deutsche Mario Barth, denn bis zu dessen Zuschauer-Rekord mit 70.000 im Berliner Olympiastadion, war Rock der Guiness-Rekord-Halter im Witze erzählen vor großen Publikumsmengen mit 15.900 Besuchern seiner Comedy-Show in London.

Auch was die Moderation der Oscar-Verleihung angeht ist Chris Rock kein Anfänger. Bereits im Jahre 2005 moderierte er die 77. Oscar-Verleihung. Jetzt kehrt er für die 88. Oscars 2016 zurück auf die ehrenwerte Bühne.

Chris Rock ist der Host bei diesjährigen Oscar Spektakel

Host Chris Rock und der Oscar-Boykott - Kurzer Abriss der Debatte

Kurz nach der Bekanntgabe der Oscar-Nominierungen 2016 begann sich der Ärger über die sozialen Netzwerke unter dem Hashtag #OscarsSoWhite (das schon 2015 aktiv war) zu verbreiten. Kritisiert wurde der Mangel an Nominierungen von Schwarzen für die Auszeichnung der Filmbranche. Der Regisseur, Schauspieler und Produzent Spike Lee stellte in seinem Instagram-Post die rethorische Frage, ob denn Schwarze nicht schauspielern könnten und stellte die Behauptung auf, dass die Verantwortlichen in Hollywood schon im Vorfeld rassistisch agieren und für Oscar-Verdächtige Filmrollen keine PoCs engagieren. Diese Probleme, die schon bei der Besetzung beginnen, resultieren auch daraus, dass es kaum schwarze Entscheidungsträger in der US-amerikanischen Filmindustrie gibt.

Instagram post in dem spike lee seinen oscars boykott erklärt

In der Folge äußersten sich viele Künstler in einer ähnlichen Richtung und kündigten an, die Verleihung der glamourösen Auszeichnung zu boykottieren. Beispielsweise das Hollywood-Ehepaar Will Smith und seine Frau Jada Pinkett Smith, die twitterte, dass bei den Oscars Schwarze gerne die Trophäe (an Weiße) vergeben und dabei das Publikum unterhalten könnten, aber die Auszeichnung selbst eben nicht bekommen. Auf ihrer FB-Seite lud sie ein Video hoch, in dem sie erklärte: „Das Betteln um Anerkennung, auch nur das Bitten darum, vermindert Macht und Würde. Wir sind würdig und wir sind mächtig.“

Der Rapper 50 Cent und der Fast & Furios-Schauspieler Tyrese Gibson forderten dann Chris Rock dazu auf, klar Stellung zu beziehen und die Moderation bei den Oscars abzusagen. Er solle ein Zeichen setzen und seiner bedeutenden Stellung in der Welt des Films gerecht werden. So die Bitte dieser und vieler anderer Kollegen. Eine ganz andere Haltung zu dem Problem nimmt der Rapper Ice Cube ein: Seiner Meinung nach sollte man die Angelegenheit lässiger sehen, das Gejammer seiner Kollegen empfinde er als lächerlich, sagte er in der US-Talkshow The Graham Norton Show. Er sei bislang nie zu den Oscars gegangen und könne somit nichts boykottieren, bei dem er eh niemals war oder sein wollte. Letztendlich ist sein hauptsächliches Argument, dass Filme für Fans und nicht für die Filmbranche gemacht würden und es einem daher auch nicht so wichtig sein sollte, ob einem die Branche einen Preis überreicht.

Host Chris Rock schreibt seine Moderation um

Chris Rock hat die Moderation nicht abgesagt, aber sein Anmoderation umgeschrieben. Mit seinem Team hat er sich eingeschlossen und wir können einige OscarsSoWhite-Witze erwarten. Die Academy weiß Bescheid, dass er solches tun wird und dass sie dabei nicht wirklich gut wegkommen werden, aber sie sind einverstanden und begrüßen seine Aktion ausdrücklich. Chris Rock hat sich schon vorher zu Rassismen im Filmgeschäft geäußert, besonders auch über die großen Schwierigkeiten von Schwarzen Frauen in der Branche. In der aktuellen Debatte hatte er sich aber bislang zurückgehalten. Wir dürfen also sehr gespannt sein, wie Rock die Problematik am 28./29.02.2016 darstellen und sprachlich verarbeiten wird - die Erwartungen an ihn sind hoch, er wird sicher die Gelegenheit nutzen, offensichtliche Missstände herauszustellen und seine PoC-Kollegen zu honorieren.

host ist chris rock

Reaktion der Academy of Motion Picture Arts auf den Boykott

Auch die Academy hat auf die jüngsten Diskussionen endlich eine Reaktion gezeigt. Die Präsidentin Cheryl Boone Isaacs gab vor Kurzem bekannt, dass die Mitglieder-Zahl der Frauen und die der Angehörigen von Minderheiten bis zum Jahr 2020 verdoppelt werden soll. Die Akademie reagiert mit diesem Beschluss auf die Kritik, dass sie die mangelnde Vielfalt und die Dominanz weißer Männer in der Filmindustrie widerspiegele. Diese Reaktion wurde bereits auch schon gewürdigt, Jada Pinkett Smith würdigte auf ihrem FB-Profil besonders Cheryl Boone Isaacs: „I would like to express my gratitude to the Academy, specifically Cheryl Boone Isaacs, for such a quick response in regard to the issue at hand. I look forward to the future.“ Die Kommentare unter ihrem Post lassen auf eine intensive Diskussion schließen, die zu diesem Thema sicher auch notwendig ist.

Bilder: Everett Collection / Shutterstock.com; Denis Makarenko / Shutterstock.com

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