Pro & Contra: Neil Patrick Harris' Perfomance als Oscar-Gastgeber

Daniel Schmidt 1

Kaum sind die Oscars verliehen, die letzte Afterparty zu Ende gefeiert und alle Statuen sicher in Vitrinen und auf Kaminsimse geräumt, beginnt die Diskussion über die Verleihungsshow. In diesem Jahr wurde die Zeremonie von „How I met your Mother“-Star Neil Patrick Harris moderiert, was nicht alle Zuschauer gefreut hat. In unserer Kategorie Pro&Contra stellen sich diese Woche Daniel und Philipp daher die Frage: War die Show Top oder Flop?

Pro & Contra: Neil Patrick Harris' Perfomance als Oscar-Gastgeber
Bildquelle: © ABC.

Pro: Die Show war Top, weil… (Philipp)

Neil Patrick Harris den richtigen Ton in einer doch ernsteren Veranstaltung traf. Die Oscarverleihung ist in jedem Jahr aufgeladen, das wissen wir. Fehl-Nominierungen, fehlende Nominierungen, gepaart mit politischen Kritiken und Anprangerungen machen es halt auch nicht einfach, eine Show auf die Beine zu stellen, die alle Leute zufriedenstellt. Ein Anspruch, den die Oscar-Produzenten auch hoffentlich nicht haben, denn das wäre ihr Untergang. Und jetzt stellt euch vor, ihr seid der Moderator des Abends und müsst durch die Show führen. Ihr werdet im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen und schlechte Oscars bedeuten auch zugleich schlechter Moderator.

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Fies? Ja, richtig! Das wäre ungefähr genauso, als wenn Markus Lanz nun doch sagt, er mache „Wetten, dass…?“ weiter. Man stelle sich mal den Aufruhr vor. Vor solch einem Szenario - nun gut, etwas ähnlich - stand nun Neil Patrick Harris. Der Mann, der der Figur des Barney Stinson Leben einhauchte und uns damit begeisterte, wollte unterhalten und das hat er meiner Meinung nach auch getan! Allein die Eröffnungssequenz: Natürlich hat er sich die nicht selbst ausgedacht, aber er hat sie umgesetzt und das gekonnt.

Flachwitze? Mitnichten! In seinen Zwischenreden waren einige harte, aber durchaus verkraftbare Spitzen gegen die Unterhaltungsindustrie, beziehungsweise politischen Umstände enthalten - eine Anspielung auf Edward Snowden und der „Selma“-Vernachlässigung inklusive. An solch einem Abend muss man auch mal lachen dürfen. Andersrum hätten sich wieder alle aufgeregt, dass die Veranstaltung zu „spießig“ sei.

Mit seinen Einlagen sorgte Neil Patrick Harris für Lacher, verhaltene im Saal, aber ordentliche bei mir! Und seine „Birdman“/„Whiplash“-Hommage? Ja, er stand dann fast nackig auf der Bühne, na und? Erst einmal war die Nachstellung der großartigen Broadway-Szene aus „Birdman“ genial. Dann aber auch noch mit dem Schlagzeug Miles Teller und damit dessen Rolle in „Whiplash“ einzuschließen war großartig! Konsequenz nennt man das, was Neil Patrick Harris schließlich nur in Unterwäsche auf der Bühne stehen ließ.

Kurzum: Neil Patrick Harris war eine tolle Wahl für die Veranstaltung und hat einen guten Job erledigt. Ellen DeGeneres stand dem im letzten Jahr etwas nach und vom Gespann James Franco und Anne Hathaway wollen wir gar nicht erst reden.

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Contra: Die Show war ein Flop, weil… (Daniel)

… das für Neil Patrick Harris einfach eine Nummer zu groß war. Ich sage das nur äußerst ungern, weil ich ein großer, großer Fan von Neil Patrick Harris bin und das nicht nur wegen seiner Rolle als Barney Stinson in „How I met your Mother“. Leider sind die Erwartungen an den smarten Neil im Vorfeld aber einfach eindeutig zu hoch gewesen, und dem entsprechend groß war die Enttäuschung. Klar, das Ganze war schon irgendwie witzig, aber mehr „kicher“ als „WOW“. Und wenn es eine Gelegenheit gibt, zu der man den WOW-Faktor ruhig mal auf 200% hochschrauben kann, dann doch die Oscar-Verleihung. Zwar konnte der diesjährige Oscar-Gastgeber schon einige Preise für seine Moderation der Tony -Awards, dem amerikanischen Musical- und Theaterpreis, einheimsen, doch irgendwie ließ sich das nicht auf die ganz große Bühne übertragen.

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Seine Witze und Showeinlagen waren zwar wirklich cool, aber halt leider nicht genug. Gut, dass Matt Damon und Ben Affleck sich für Ihre Bromance immer mal wieder durch den Kakao ziehen lassen müssen, ist altbekannt, ebenso altbekannt sind aber auch die Sprüche dazu. Auch seine „Birdman“-Anspielung, in der er wie Michael Keaton in dem genannten Film im Gruselschlüpper über die Bühne hopst, wäre auf einer etwas weniger distinguierten Plattform besser aufgehoben gewesen. Wie wollen ja nicht spießig sein, aber nacktes Fleisch frei nach dem Motto „Sex sells“ als Aufreger zu nutzen, schreit doch irgendwie nach Verzweiflung.

Ganz besonders verwirrend fand ich vor allem die übertriebene Aktion, in der der Gastgeber und Hobbyzauberer seine Vorhersagen über die Show in einem Glaskasten von einer sichtlich verwirrten Octavia Spencer bewachen ließ. Als dann kurz vor Ende enthüllt wurde, was Neil Patrick Harris in seiner sprichwörtlichen Kristallkugel gesehen hat, konnte der Gag längst nicht das abliefern, was über die gesamte Sendung hinweg an Spannung aufgebaut wurde.

Schade, dass die einzigen Highlights der Zeremonie nicht den Gastgeber, sondern vielmehr die großen Stargäste im Mittelpunkt hatten. Die zugegebenermaßen wirklich putzige Eröffnungsnummer mit Neil Patrick Harris, Anna Kendrick und Jack Black war nur so lange ein musikalischer Höhepunkt, bis Lady Gaga als Hommage an die fabelhafte Julie Andrews die größten Ohrwürmer zum fünfzigsten Geburtstag des Kultklassikers „The Sound of Music“ präsentierte. Da waren sie dann, die ganz großen Gefühle, die die Oscars zu dem machen, was sie sind. Nur leider ohne Neil Patrick Harris.

Übrigens, der gute Neil war nicht die erste Wahl für die Veranstalter. Bevor er schlussendlich ausgewählt wurde, sagte zunächst die zweifache Oscar Gastgeberin Ellen DeGeneres ab. Außerdem standen noch Chris Rock und Julia Louis-Dreyfuss vor Neil Patrick Harris auf der Wunschliste.

Wie war Neil Patrick Harris als Oscar Host?

 

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