"Schande von Gijon" im Video: Der Fußball-Nichtangriffspakt von 1982

Peer Göbel

Die Begegnung zwischen Deutschland und Österreich am 25. Juni 1982 ging als die „Schande von Gijon“ in die Fußball-Geschichte ein. Jetzt könnte sich ein Nichtangriffspakt bei der WM 2014 wiederholen. Hier die historischen Fakten und das berüchtigte WM-Spiel im Video.

"Schande von Gijon" im Video: Der Fußball-Nichtangriffspakt von 1982

Nach 11 Minuten war das Spiel vorbei. Horst Hrubesch hatte für das 1:0 im letzten Gruppenduell zwischen Deutschland und Österreich gesorgt – und mit diesem Ergebnis konnten beide Mannschaften zufrieden sein, bedeutete es doch das Weiterkommen für beide Teams. Daher schoben sich die beiden Nationalmannschaften für die restliche Zeit den Ball entspannt hin und her, ohne den Weg zum Tor zu suchen. In der Halbzeitpause gab es Absprachen zwischen den Spielern, ein „Nichtangriffspakt“ wurde geschlossen. Nur Walter „Schoko“ Schachner hatte nichts mitbekommen und gab sogar noch einen Schuss aufs deutsche Tor ab, worauf Mit- und Gegenspieler wütend reagierten. Die spanischen Zuschauer wedelten wie beim Stierkampf mit weißen Tüchern und riefen „Küsst euch!“, die „Schande von Gijon“ fand vor den Augen aller Welt statt. Hier Ausschnitte aus der Original-Übertragung von 1982 im Video:

Vor dem letzten Gruppenspiel bei der WM 2014 steht Deutschland vor einer ähnlichen Konstellation: Der DFB-Elf und Gegner USA würde ein Unentschieden reichen, um zusammen in die K.O.-Runde einzuziehen. Auch wenn die Beteiligten einen „Nichtangriffspakt“ lautstark dementieren (Klinsmann: „Es ist keine Zeit für Freundschaftsanrufe, jetzt geht es ums Geschäft.“, Hansi Flick: „Wir werden den Teufel tun, und uns auf einem Unentschieden ausruhen.“), werden die Spieler diesen Faktor im Hinterkopf haben, und vielleicht die letzten zehn Minuten nicht mehr ganz so offensiv spielen.

Eine Wiederholung der „Schande von Gijon“ würde dem DFB, dem Team der USA und dem Weltfußball nicht sehr gut zu Gesicht stehen. Im Falle eines Unentschiedens (und sei es ein 2:2) wäre der Makel kaum wegzudiskutieren. Felix Magath, damals in der Elf, verteidigt heute das Verhalten als „taktisch“ – denn ergebnisorientiertes Spiel ist natürlich Teil des Fußballs. Das sehen andere Fußball-Experten anders:

Die Konsequenz aus der „Schande von Gijon“ war die Einführung von Parallelspielen zur EM 1984. Seitdem werden die Begegnungen am letzten Gruppenspieltag gleichzeitig ausgetragen, nicht nacheinander. Auch das garantiert keinen Ausschluss von Manipulationen oder „taktischem“ Ergebnisverhalten. Bei der WM 2010 passierte in den letzten zehn Minuten zwischen Spanien und Chile auch nichts mehr – beide Teams zogen in die K.O.-Runde ein, der Guardian nannte das einen „non agression pact„.

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