2 Wochen ohne Internet: Eine echte Wohltat

Kamal Nicholas 9

Die letzten zwei Wochen verbrachte ich in meinen Flitterwochen auf den Seychellen. Dabei nutzte ich gleich die Gelegenheit, mal wieder etwas Abstand vom Internet zu gewinnen. Und das kann ich wirklich nur jedem empfehlen.

2 Wochen ohne Internet: Eine echte Wohltat

Urlaub machen wir alle. Egal ob wir weit wegfliegen oder in der Nähe unseres Wohnortes bleiben, der (mentale) Abstand zu unserer Arbeit tut extrem gut und hilft dabei, neue Energie für die nachfolgende Zeit zu sammeln. Während dieser Abstand zum Alltag manchen etwas leichter fällt (da der Job beispielsweise an einen bestimmten Ort gebunden ist), fällt dies gerade Leuten wie mir schwer, deren Arbeit vor allem vom Internet lebt. Das Smartphone oder ein Tablet hat man meistens dabei, Internet gibt es an den Urlaubsorten oft auch und so ist die Verlockung groß, doch mal schnell wieder zu schauen, was sich so in der (Geschäfts-)Welt tut.

Doch auch hier ist ein echtes Abschalten möglich und genau das habe ich mir für meine letzten zwei Wochen vorgenommen und (bis auf eine ganz kleine Ausnahmen) auch geschafft. Und siehe da: Mir ging es damit extrem gut.

Ab auf die Insel

Vor meiner Reise habe ich noch lange hin- und her überlegt, was genau ich den nun an elektronischen Geräten mitnehmen soll. Meinen neuen Mac? Immerhin muss ich das Ding ja noch etwas besser kennen lernen. Mein Tablet? Oder doch nur mein Smartphone? Ersteres habe ich zuhause gelassen, da ich dafür einfach keine Verwendung sah. Immerhin wollte ich einen möglichst Display-freien Urlaub erleben und nicht die ganze Zeit vor einem Rechner hängen. Tablet und Smartphone wurden dann aber doch eingepackt, um damit bei Bedarf ein wenig seichte Unterhaltung zu ermöglichen. Das Tablet kam dabei vor allem bei der An- und Abreise zum Einsatz, um darauf Filme zu schauen, auch bei meinem Insel-Aufenthalt habe ich tatsächlich einen (aber auch nur einen) Film darauf angesehen, ansonsten lag das Gerät gut verstaut im Safe unseres Zimmers.

Auf mein Smartphone wollte ich ebenfalls nicht verzichten, da dieses auch ohne Internet durchaus zu gebrauchen ist (Kamera, das ein oder andere kurzweilige Spiel, Wecker usw.) Allerdings war ich mir von Anfang an klar darüber, dass ich das Gerät nur möglichst selten nutzen werde und dabei vor allem auf den Anschluss zum World Wide Web verzichten möchte. Natürlich nicht ganz ohne Zweifel, immerhin ist das WWW ein extrem wichtiger Bestandteil meines Alltags.

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Aller Anfang ist schwer. Oder?

Lässt sich das Internet wirklich nach jahrelangem Dauergebrauch einfach so für zwei Wochen abschalten? Meine Antwort lautet ganz klar „jein“. Nach dem Betreten des Fliegers in Frankfurt schaltete ich mein Telefon in den Offline-Modus und hatte nicht vor, diesen bis zu meiner Rückkehr wieder auszuschalten. Bis auf zwei Ausnahmen ist mir das auch tatsächlich gelungen, und das obwohl unsere erste Unterkunft auch kostenloses W-LAN beinhaltete.

Die erste Ausnahme: Nachdem ich mir am zweiten Tage in unserem Pool eine ordentliche Fleischwunde am Schienbein zugezogen habe, war ich sehr unentschlossen, ob ich damit überhaupt ins Salzwasser des indischen Ozeans steigen dürfte. Nach einigem Ringen mit mir selbst wurde dann also doch der digitale Schalter meines Smartphones umgelegt und damit der Zugriff auf das schier unendliche Wissen des Netzes ermöglicht.

Nachdem ich dann allerdings 15 Minuten nach „Salzwasser + Wunde“ gesucht habe, war ich genauso (oder vielleicht sogar weniger) schlau wie vorher. Zu jedem „Für“ findet sich im Netz immer auch ein „Wider“, eine echte klare Antwort gibt es oftmals nicht. „Warum genau habe ich nochmal nachgeschaut? Ach, scheiß drauf, ich geh‘ baden.“ So meine Entscheidung, die ich quasi ganz alleine (mit meiner Frau) für mich getroffen habe. Und siehe da, mein Bein ist noch dran, der Wunde geht es heute gut.

Diese für euch Leser vielleicht wenig aufregende Situation machte mir an einem sehr guten Beispiel deutlich, dass ich doch tatsächlich immer noch sehr gut in der Lage dazu bin, eigene Entscheidungen zu treffen und Probleme lösen kann, ganz ohne das Netz, Foren, Hilfeseiten,soziale Netzwerke, Online-Nachschlagewerke etc.

Ähnlich ging es in den nächsten Tagen weiter. Wo im normalen Alltag schnell das Telefon gezückt wird, um noch so banale Dinge im Netz nachzuschauen, kam in den letzten zwei Wochen einfach mein Gehirn zum Einsatz. Und wenn ich die Lösung zu einem „Problem“ nicht selbst kannte (wo ist hier in der Nähe ein gutes Restaurant, wie kommt man von hier am besten nach dort usw.) fragte ich einfach jemanden, der es wusste. Oder wir probierten es einfach aus. Das Tolle daran: Man entdeckt endlich mal wieder auf eigene Faust Dinge, die man sonst vielleicht verpassen würde. 

Die zweite Ausnahme: Ein Lebenszeichen von uns für Freunde und Familie in Form eines Bildes via Instagram und Facebook. Also schnell ein Foto gemacht, kurz ins Internet, Bild hochladen und sofort wieder ausloggen. Bloß keine Kommentare lesen, auf Likes warten, Facebook-Zeug anschauen oder sonst wie die Zeit mit Unwichtigem verschwenden. Sehr befreiend.

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Und was bring das nun?

Ja, Smartphones und das damit meistens vorhandene Internet sind echte Zeitdiebe. Mit dem Blick auf das Display verfliegt die Zeit, in der man oftmals weder etwas Konstruktives noch Wichtiges macht. Stattdessen verschwendet man Stunden mit häufig Sinnlosem und merkt dabei gar nicht, wie lange man sich schon wieder mit dem Gerät und dem Internet beschäftigt hat. Dies liegt nicht zuketzt daran, das man im Netz schnell von einem Ding zu einem völlig anderen kommt, um das es ursprünglich eigentlich ging „Was macht eigentlich Dennis in Darmstadt, ach das ist ja ein niedliches, niesendes Hundebaby und wer hätte gedacht, dass ich diese Schuhe auch bei Amazon finde?“).

Im Urlaub hatte ich durch meinen „Verzicht“ endlich mal wieder Gelegenheit, ausgiebig in Büchern zu lesen ( 3 Bücher, ca. 1100 Seiten) und mich dabei voll und ganz auf diese zu konzentrieren, ohne blinkende Benachrichtigungen oder andere greifbar nahe Funktionen, die mich wieder ablenken. Außerdem konnte ich meine Gedanken schweifen zu lassen, interessante und vor allem entspannte Gespräche führen und mich einfach mal wirklich erholen. Äußerst empfehlenswert, das Ganze.

Die Rückkehr

Ich gestehe, ich hatte ein wenig Angst davor, meine digitalen Postfächer zu öffnen. Was, wenn mich etwas Schlimmes oder Anstrengendes erwarten würde? Was, wenn ich etwas äußerst Wichtiges verpasst hätte? Am vergangenen Sonntag war es dann also wieder soweit und das Internet hatte mich  nach zwei Wochen zurück. Mein Gmail-Konto erwartete mich mit ca. 250 Mails, meine berufliche E-Mail-Adresse verzeichnete heute (am Montag) ebenso knapp 200 Mails. Doch entgegen meiner Befürchtungen war überhaupt nichts Schlimmes dabei. Ja, mehr noch, kaum eine der Nachrichten war überhaupt als wichtig einzustufen. Und ich rede nicht von den Spam-Ordnern. Die Welt dreht sich also auch ohne mich weiter, auch wenn ich nicht alle Minute, Stunde, jeden Tag oder sogar jede Woche auf Mails, Facebook, Twitter & Co. zugreife. Erstaunlich.

Und jetzt?

Natürlich bin ich ein großer Freund des Internetzes und weiß sehr zu schätzen, was dieses uns heutzutage ermöglicht. Informationen lassen sich schnell abrufen, der Kontakt zu uns wichtigen Menschen ist immer möglich und vieles mehr. Das will ich auf Dauer nicht missen. Doch für die Zukunft habe ich mir vorgenommen, meinen Griff zum Smartphone (zumindest privat) etwas mehr einzuschränken und mich stattdessen wieder öfter mit meiner echten Umwelt zu befassen. Dazu gehören solche Sachen wie im Bett abends auf das Telefon zu verzichten und stattdessen wieder regelmäßig zu einem Buch zu greifen, Leute unterwegs nach Wegen, Tipps etc. zu fragen und einiges mehr. Auch will ich verstärkt darauf achten, dass mein Smartphone in Gesellschaft mit anderen noch weniger zum Einsatz kommt  (auch wenn ich bereits vor meinem Urlaub schon darauf geachtet habe). Dazu noch ein bisschen weniger Facebook & Co. und ich bin mir sicher, dass es mir mit einem solchen Maß besser geht.

Passend zum Thema: Umfrage: Sind Smartphones ein Fluch oder ein Segen?

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