Spionage Apps: Bitte lasst die Finger davon! (Kommentar + Abstimmung)

Kamal Nicholas 7

Nicht nur Geheimdienste wie die NSA haben die Möglichkeit, andere Menschen auszuspionieren. Auch Privatanwender können mit Hilfe von Spionage-Apps andere Personen schnell überwachen. Ich finde die ganze Sache allerdings ziemlich daneben.

Spionage Apps: Bitte lasst die Finger davon! (Kommentar + Abstimmung)

Ganz nach dem Prinzip „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ scheinen sich nicht wenige Menschen dafür zu interessieren, Spionage-Apps auf Mobilfunkgeräten einzusetzen. Diese können zum Beispiel dazu verwendet werden, den Standort einer Person ohne deren Wissen bekannt zu geben. Aber auch das Abgreifen von E-Mails, WhatsApp- und anderen Textnachrichten oder das Überwachen von Facebook-Aktivitäten ist mit Hilfe solcher Software relativ einfach möglich. Ein Smartphone ist nun mal mit jeder Menge Technologie ausgestattet, auf die mit Hilfe einer Anwendung auch aus der Ferne zugegriffen werden kann - ganz ohne, dass die überwachte Person dies merkt.

Beworben werden solche Apps zum Beispiel mit folgenden Aussagen: „Überwachen Sie alle Handyaktivitäten mit der Spionage App. Gründe dafür sind pure Neugier, ein konkretes bis hin zu übersteigertes Kontrollbedürfnis, oder die mehr respektive weniger begründete Eifersucht“. Na dann.

Spionage Apps: Was soll das?

Im Netz finden sich mittlerweile einige solcher Apps, mit deren Hilfe man andere Personen und deren Smartphones/Tablets problemlos ausspionieren kann. Und ich muss mich wirklich fragen, was mit unserer Gesellschaft los ist, dass wir so etwas auch nur in Betracht ziehen.

Klar, Eltern haben Angst um ihre Kinder und wünschen sich, z.B. über deren Standort informiert zu werden. Doch das ist meinem Erachten nach auch mit Konsens möglich, nämlich wenn man sein Kind einfach darum bittet, dies freiwillig zu tun. Ich selbst war auch ein Kind und damals gab es keine Smartphones, mit denen man hätte ausspioniert werden können. Und trotzdem hat alles gut funktioniert. Meine Eltern haben mich gefragt, wo ich hingehe und das habe ich ihnen auch gerne gesagt.

Eltern wären in Sachen Spionage-Apps tatsächlich noch die einzige Gruppe von Menschen, bei denen ich den Einsatz solcher Anwendungen noch ansatzweise nachvollziehen könnte. Dennoch halte ich solche Programme für schlecht und falsch.

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Eifersucht? Dann habt ihr ein Problem

Wer seinem Partner eine Spionage-App unterjubelt, weil er eifersüchtig ist, hat wirklich ein großes Problem. Über Neugier will ich hier gar nicht reden, denn dabei geht es um einen massiven Eingriff in die Privatsphäre aufgrund von reinstem Egoismus. Schlechter geht es kaum.

Wie auch bei vielen anderen Dingen würde bei der Eifersucht vielleicht ein offenes Gespräch mit dem Partner helfen, bei dem man sich über die Gründe der Eifersucht klar wird. Als Resultat kann man geimeinsam daran arbeiten. Das gehört zu jeder guten Beziehung einfach dazu. Und wenn der Partner einem tatsächlich so viel Grund zur Eifersucht bietet, sollte man sich vielleicht überlegen, ob dieser Mensch wirklich der richtige für einen ist. Versteht mich nicht falsch, ich bin auch manchmal eifersüchtig und halte das Gefühl für einen manchmal wichtigen Teil in einer Beziehung. Doch ich würde meiner Frau aber niemals so sehr misstrauen, dass ich sie überwachen würde.

Der schlimmste Eingriff in die Privatsphäre

Das Schlimmste an einer Spionage-App (und natürlich auch an anderen Methoden der Überwachung) ist für mich das Misstrauen, das man damit anderen gegenüber unter Beweis stellt. Ein Staat hat Angst vor einer Bedrohung und beginnt deshalb, einfach alles und jeden zu beobachten. Egal ob Stasi oder NSA, das Konzept ist so ziemlich das Gleiche. Die gefürchtete Gefahr wird damit allerdings überhaupt nicht beseitigt. Stattdessen fühlen sich mehr und mehr Menschen beobachtet und damit immer weniger frei.

Wenn ich herausfinden würde, dass mich mein Partner, wäre das nicht nur ein massiver Vertrauensbruch, sondern tatsächlich sogar ein Trennungsgrund. Und wenn das mein Gefühl gegenüber einem solchen Hintergehen ist, warum sollte ich das dann bei einem anderen Menschen tun? Ich bin mir sicher: Niemand wird gerne unfreiwillig von anderen ausspioniert (auch wenn das heute dank NSA & Co. immer mehr zur Normalität zu werden scheint).

Was so in großem Stil passiert, ist auch in einer Beziehung nicht anders. Und deshalb halte ich Menschen, die andere ausspionieren, erst einmal für schlecht. Wie erwähnt ist ein „Überwachen“ bei beidseitiger Einwilligung etwas anderes („Liebes Kind, wir installieren dir hier eine App, mit der wir sehen können, wo du dich ungefähr aufhältst“). Doch wer andere aufgrund eigener Unsicherheiten und Probleme überwacht, sollte vielleicht lieber mal über eine Therapie nachdenken.

 Artikelbild: Video surveillance and privacy issues via Shutterstock

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