Südkorea ist anders: Ein Erfahrungsbericht

Kamal Nicholas 16

Vergangene Woche hatte ich die Möglichkeit, ein paar Tage lang Seoul zu erkunden, um mir ein eigenes erstes Bild der südkoreanischen Metropole zu machen. Meine Erfahrungen mit kleinem Vergleich zu Deutschland möchte ich hier gerne mit euch teilen.

Südkorea ist anders: Ein Erfahrungsbericht

Meine Reise nach Seoul hatte vor allem den Zweck, mich als Android-Redakteur über den aktuellen Stand der Technik in Seoul und Südkorea aufzuklären. Vor allem LTE-A stand dabei im Fokus, natürlich konnte ich aber noch jede Menge andere Sache beobachten, die ich sehr interessant finde. Bevor es aber richtig los geht: Mein eigener Eindruck von Seoul ist nicht als absolut anzusehen, sondern spiegelt meine ganz persönliche (kurze) Erfahrung mit dem Land wieder. Des Weiteren spreche ich generell mehr von Seoul, dennoch konnte ich auch einiges über die südkoreanische Kultur im Allgemeinen Erfahrung bringen.

Jetlag, Monsun und andere Größenordnungen

Um zu beginnen, möchte ich zunächst ein wenige Atmosphäre schaffen: Stellt euch vor, ihr wart 23 Stunden unterwegs und steigt morgens nach kaum Schlaf in einem anderen Land aus dem Flieger, dessen Uhrzeit 7 Stunden später als die in eurer Heimat ist. Dazu kommen ca. 28 Grad Temperatur mit gefühlten 90% Luftfeuchtigkeit. Während der erste Tag es in Sachen Wetter noch gut mit mir meinte, folgte in den nächsten drei Tagen der klassische Monsun: Die Temperatur blieb gleich, auch die Luftfeuchtigkeit blieb, hinzu kamen aber noch anhaltende Regenschauer, wie man ihn in Deutschland nur selten erlebt.

Der große Unterschied in Korea: Nach dem Regen ist es kaum kühler als vorher und dann regnet es weiter. Dass das Wasser vom Himmel ein großer Bestandteil des Lebens in Südkorea ist mir vor allem daran aufgefallen, dass vor Geschäften und Restaurants meistens Ständer mit Regenschirm-Tüten vorhanden sind, damit man das Wasser nicht mit in den Laden bringt.

SAMSUNG CSC

Als eine der ersten Sachen fiel mir sofort auf, wie viel Platz es in Seoul und im Umland gibt. Auf dem Weg vom Incheon-Flughafen (52 km westlich von Seoul) fährt man an weitem Brachland vorbei und passiert zahlreiche Hochhaus-Wohnsiedlungen, bis man endlich das Gefühl hat, in der Stadt anzukommen. Dort erinnerten mich die Straßen oft eher an eine amerikanische Großstadt, als an das Bild einer stark besiedelten asiatischen Metropole. Seoul hat zwar knapp 10 Millionen Einwohner und auf der Straße tummeln sich auch viele Menschen (egal ob es regnet oder nicht), dennoch kommt es einem nie zu voll vor.

Durch das Zentrum führen nicht selten 8- bis 10-spurige Straßen, der Verkehr wirkt dabei aber alles andere als chaotisch. Mein Wohnort Berlin ist zwar bereits sehr großzügig angelegt, Seoul bietet hier aber doch noch einmal ganz andere Dimensionen. Generell hatte ich als Deutscher das Gefühl, dass alles ziemlich gut geregelt ist und dadurch relativ reibungslos funktioniert. Ebenfalls beeindruckt hat mich die Architektur in Seoul, die von kreativ/mutig bis wahnsinnig/hässlich so ziemlich alles zu bieten hat, was man sich nur vorstellen kann. Alte Gebäude stehen neben neuen und das alles irgendwie durcheinander, wodurch ein ganz eigenes Stadtbild entsteht.

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International, aber kaum „bunt gemischt“

Wem es noch nicht aufgefallen ist: Ich bin dunkelhäutig, zwar nicht „schwarz“ aber immerhin offensichtlich ein Mischling. Lustigerweise bemerke ich, dass ich in fremden Ländern doch auch immer darauf achte, welche Hautfarben die Menschen dort haben. Dabei fiel mir in Seoul auf, dass es nur wenige westliche Ausländer zu geben scheint. Ich gebe es zu, ich habe Schwierigkeiten damit, Koreaner, Japaner, Chinesen und andere Asiaten auf den ersten Blick voneinander zu unterscheiden, unterschiedliche Facetten und Hautfärbungen sind mir dennoch aufgefallen.

Dunkelhäutige und auch hellhäutige Menschen habe ich allerdings nur sehr wenige gesehen. Das Gefühl „anders auszusehen“ hatte ich allerdings überhaupt nicht, denn ich wurde nie angestarrt oder unangenehm gemustert. Das man sich in Seoul nicht aufgeschmissen fühlt, liegt zum einen daran, dass so gut wie alle Schilder neben der koreanischen Schrift auch mit Englisch ausgestattet sind, zudem sprechen viele Koreaner zumindest ein wenig Englisch, bei einigen ist dieses auch sehr gut, sodass man das Allernötigste kommunizieren kann. Berührungspunkte sind somit sehr schnell gegeben.

Respekt und Empathie

Im Koreanischen gibt es den Begriff „Kibun“, über den ich im Vorfeld nur gelesen habe, dessen Bedeutung ich aber zumindest in Grundzügen erleben konnte. Kibun beschreibt ein gewisses Grundverständnis für andere Menschen, Durch dieses versucht man, den Standpunkt des anderen einzunehmen, um ihn so besser zu verstehen. Es handelt sich also um eine durchaus emphatische Haltung, die das gemeinsame Zusammenleben deutlich verbessern kann. Davon könnten wir uns in Deutschland definitiv eine Scheibe abschneiden.

Wer schon einmal in Berlin unterwegs war, wird vielleicht wissen, dass Verständnis für andere hier oftmals eine eher seltene Kost ist, für die man eher hart kämpfen muss. Vor kurzem erst gab es hier eine Kampagne, die für mehr Rücksicht unter den verschiedenen Verkehrsteilnehmern sorgen sollte. Bisher habe ich davon noch nicht sonderlich viel gemerkt und es ist eigentlich traurig genug, dass man für so etwas werben muss.

Neben dieser emphatischen Haltung ist aber gleichzeitig auch Respekt  eine sehr wichtige Angelegenheit. So ist es selbstverständlich, dass jüngere Menschen ältere achten. Dies zeigt sich auch in der Sprache (die ich leider überhaupt nicht beherrsche). So wurde mir erklärt, dass es „saloppe Floskeln“ etwa zur Begrüßung gibt, die ältere Menschen zu jüngeren sagen dürfen, anders herum wäre dies allerdings eine Freveltat. Begrüßungen finden unter Koreanern vor allem über dezente Verbeugungen statt, in der Geschäftswelt ist aber durchaus auch Händeschütteln angebracht.

Automatische Toiletten, Smartphones und elektrische Schiebetüren: Technik und Wohlstand

Zum einen sieht man sehr viele Menschen, die ihr großes Smartphone (mehr als 5,3 Zoll) immer in der Hand haben, wenn sie unterwegs sind. Klar, bei einem so gut ausgebauten und wirklich schnellen LTE-Netz möchte man dieses auch viel und oft nutzen. Das multimediale Angebot ist groß, verschiedene Services werden erst durch diese Voraussetzungen ermöglicht. In Deutschland bisher (leider) noch immer Zukunftsmusik, auch wenn hierzulande von einer theoretischen LTE-Abdeckung von über 70% gesprochen wird.

iPhones sieht man nur selten, Apple hat in diesem Bereich einfach keinen großen Stellenwert. Den größten  Anteil des koreanischen Marktes deckt Samsung ab, an zweiter Stelle folgt LG. Platz 3 wird von Pantech eingenommen und erst an vierter Stelle ist Apple zu finden.

Händler-in-Seoul

Ein Fahrt durch die Stadt liefert schnell Beweise, dass das LTE-Netz wirkich so gut ausgebaut ist, wie angepriesen. So sind oftmals Funkzellen zu sehen, die wie elektrische Palmen auf Häuserdächern angebracht sind. Klar, mehr Zellen = mehr LTE-Zugangspunkte  = höhere Datenübertragungsraten für alle. Bei uns gibt es so etwas nicht!

SAMSUNG CSC

Gutes Netz gibt es somit eigentlich immer. Südkorea hat es schon vor einer Weile geschafft, das ganze Land flächendeckend mit LTE zu versorgen, dabei ist es völlig egal, ob man sich nun auf der Straße, in der U-Bahn oder im Bus befindet:

LG G3 LTE-A Speedtest.
Doch der Technikfortschritt und der Wohlstand lassen sich auch an anderer Stelle finden. Kleinwagen habe ich kaum gesehen, dafür sind vor allem Limousinen unterwegs, keine Seltenheit sind Hybridwagen. Geschäfte und Läden sind – egal wie klein – häufig mit elektrischen Schiebetüren ausgestattet . Unterwegs bin ich immer wieder an Fotoautomaten vorbei gekommen, mit deren Hilfe sich digitale Postkarten mit eigenem Bild verschicken lassen. Kostenlos. Ach ja, und die Toiletten sind häufig mit etlichen Zusatzfunktionen ausgestattet, die den Aufenthalt auf dem stillen Örtchen so angenehm wie möglich machen sollen.

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