Mit Superlativen lässt es sich gerade in unserem Bereich einfach um sich schmeißen. Doch was uns Dolby letzte Woche in den Filmstudios Babelsberg gezeigt hat, lässt sich schwer in normale Worte fassen. Ich war mit Kollege AlexiBexi vor Ort und wir haben uns dieses „3D für die Ohren“ mal genauer angehört.

 

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Die Evolution der Tontechnik sollte allgemein bekannt sein. Mono, Stereo, 2.1, 5.1, 7,1 Dolby Digitial, Dolby Surround und so weiter und so fort. So wirklich bekannt dürfte Dolby vor allem durch laute und bombastische Trailer am Anfang eines Kinofilms sein. Mit der Vorstellung von Dolby Digital wollte man jetzt nicht nur eine einfache Evolution fortführen, sondern eine Revolution starten.

Logo_Dolby_Atmos

Dieses Jahr sah ich Oblivion im Kino. Der Film selbst ist keine Bombe, doch mir hat er wirklich sehr gut gefallen. Ein Grund war unter anderem der Soundtrack, der nahezu perfekt auf diverse Szenen im Film abgemischt wurde. Ich sah den Film im Sony Center am Potsdamer Platz, dort wurde Dolby Atmos schon installiert und mit Oblivion auch das erste Mal angewandt. Diese Technik hat dem Film meiner Meinung nach das i-Tüpfelchen aufgesetzt. Aber was ist so gut an Atmos und was bedeutet 3D für die Ohren?

Das Video erklärt sehr gut, wie Dolby Atmos funktioniert und welche Unterschiede es zu den Techniken vorher gab. Bisher war es nicht möglich, einzelne Töne auf bestimme Boxen/Orte zu legen. Es konnte immer nur eine Reihe oder eine Seite angesteuert werden. Eine genaue Ortsbestimmung der Töne war damit für den Zuschauer nicht möglich.

Dolby Atmos ändert diesen Zustand. Und zwar gewaltig. Mit dem Dolby Atmos Cinema Processor (ACP), können quasi unendlich viele Tonspuren angelegt werden. Wenn ein Film also auf Dolby Atmos gedreht wird, können in der Post Produktion (Nachbearbeitung) einzelne Töne direkt gesteuert und einer Box zugeteilt werden.

Das Faszinierende: Man zeigte uns eine Demoszene in einem Wald. Hier können im Hintergrund Geräusche so gesteuert werden, dass sie das Rascheln der Bäume simulieren. Ein Blatt das fällt und um die Kamera herumschwirrt, kann dank Dolby Atmos akustisch einmal durch den kompletten Raum geführt werden. Dieser eine Ton steuert dann dank unterschiedlicher Meta-Daten von einer Box zur nächsten und wandert akustisch um den Kopf der Zuschauer herum.

Wer also bisher dachte, dass 7.1 das Höchste der Klanggefühle ist, der hat sich geirrt. Mit Dolby Atmos bekommt sogar die Decke zwei Reihen voller Boxen und kann ebenfalls einzeln angesteuert werden. Damit baut sich neben, hinter und über dem Zuschauer ein Klangnetz ab. Da auch bei großen Schlachten oder Actionszenen die Töne unterschiedlich positioniert werden können, erschlägt nun der gewaltige Sound den Zuschauer nicht mehr.

Dolby Atmos hat mich beeindruckt. Akustische Elemente werden für den Zuschauer nicht nur reichhaltiger sondern tatsächlich differenzierbar. Was vorher nur „laut“ war, stellt jetzt eine völlig neue Erzählebene für Filme dar, dessen Möglichkeiten noch ausgeschöpft werden wollen! Ich persönlich freue mich schon auf zukünftige Filme, die bewusst mit dieser Ebene spielen werden. Wie das 3D, dass ich mir schon lange gewünscht habe - nur eben für die Ohren.

Text: Dipl. Kaufm. Exorzist BoA MA HSV Alex Böhm

Interessanter Nebeneffekt: Mit dem Dolby ACP kann eine Soundmischung im aufwendigen Atmos Verfahren erstellt werden und fast ohne Aufwand auf bestehende, ältere Soundsysteme portiert werden. Mit einem Knopfdruck sind 7.1 und 5.1 verfügbar, mit etwas Aufwand können auch ältere Systeme umgesetzt werden. Damit spart sich die Post Production eine Menge Übersetzungsarbeit (DVD/Blue-Ray), die dafür wieder in die aufwändige Sortierung von einzelnen Tönen gesteckt werden kann.

Dieses „3D für die Ohren“ ist also definitiv einen Test wert! Die Liste der aktuellen Kinos, die Dolby Atmos unterstützen, findet ihr hier: Dolby Atmos Kinos. Ich empfehle euch bei kommenden, großen Filmen darauf zu achten, ob der Film mit diesem Soundschmankerl daher kommt. Mich und Alex hat es jedenfalls echt umgehauen.

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Jens Herforth
Jens Herforth, GIGA-Experte.

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