Android-Forks: 20 Prozent aller Smartphones laufen ohne Google-Apps – Tendenz steigend

Rafael Thiel 13

Google ist bekanntlich ein riesiger Konzern mit zahlreichen Geschäftsmodellen und Diensten, jedoch ist und bleibt die Haupteinnahmequelle die – mitunter personalisierte – Werbung. Demzufolge ist man in Mountain View an einer steigenden Benutzerzahl interessiert. Allerdings nimmt die Anzahl der verkauften Android-Geräte ohne Google-Dienste kontinuierlich zu, so eine jüngst veröffentlichte Studie. Mittlerweile laufen zwar 85 Prozent der Smartphones weltweit mit Android, 20 Prozent basieren jedoch auf der quelloffenen Version des Android Open Source Project (AOSP), der jegliche lizenzpflichtigen Google-Apps fehlen.

Android-Forks: 20 Prozent aller Smartphones laufen ohne Google-Apps – Tendenz steigend

Android OS mag das dominierende Betriebssystem im mobilen Sektor sein, doch ist Android nicht gleich Android. Während die hierzulande bekannten Unternehmen Mitglieder der Open Handset Alliance (OHA) sind und sich den damit verbundenen Regeln und Bedingungen verschrieben haben, bedienen sich diverse Hersteller aus Schwellenländern des Android Open Source Projects (AOSP) und verzichten auf eine zusätzliche Lizenzierung Googles. Bei solchen AOSP-Geräten wird die Google-Software in der Regel komplett aus dem System entfernt und durch alternative vorinstallierte Dienste ersetzt, wodurch man den Regularien und Bestimmungen aus Mountain View entgeht. Denn Google verlangt regelmäßige Angaben, wie etwa Verkaufszahlen und Standorte, zu jedem Gerät zu erhalten.

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Während Android OS nach jüngsten Erhebungen einen Marktanteil von 85 Prozent für sich vereinnahmt, ist die Verbreitung der Google-Dienste demnach also nicht ansatzweise mit dieser Zahl gleichzusetzen. Einem Bericht von ABI Research zufolge basieren mittlerweile 20 Prozent der Smartphones weltweit auf dem AOSP und kommen ohne Software und Dienste aus dem Hause Google aus, für deren Nutzung eine Lizenz erforderlich ist. Das sind 20 Prozent mehr als noch im vorherigen Quartal.

Das prominenteste Beispiel für einen Hersteller, der sich dieser Kontrolle entzieht, dürfte Amazon sein. Der Versandhändler setzt seit jeher bei seinen Tablets und auch dem neuen Fire Phone auf einen Android-Fork namens Fire OS. Doch viel gewichtiger sind wohl diverse kleinere Hersteller aus China und Indien, die aus Kostengründen nur das AOSP verwenden und ihre Geräte somit günstiger anbieten können. Im vergangenen Quartal konnten Hersteller aus diesen Schwellenländern laut ABI Research 51 Prozent der Smartphone-Verkäufe weltweit für sich verbuchen. So hat etwa Xiaomi den globalen Branchenprimus Samsung auf dem Heimatmarkt China jüngst ausgestochen und untermauert so diese Statistik.

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Die Antwort von Google auf diese geschäftsschädigende Marktentwicklung: Android One. Auf der Google I/O 2014 stellte der Konzern eine preiswerte Android-Plattform für Schwellenländer vor – mit integrierten Google-Diensten. Dazu kooperiert man mit den Unternehmen, die ihre Smartphones für weniger als 100 US-Dollar verkaufen und daher bislang auf die Google-Dienste verzichtet haben. Die Software wird dabei nunmehr vom Hersteller nahezu unangetastet belassen, lediglich für den Zielmarkt relevante Anwendungen dürfen vorinstalliert werden. Der geneigte Kunde erhält demnach ein pures Android mit Google-Software zum bezahlbaren Preis.

Quelle: ABI Research [TheNextWeb]

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