Android: Google droht EU-Kartellverfahren wegen App-Bündelung

Daniel Kuhn 26

Android ist bekanntermaßen ein Open Source-Betriebssystem, das jeder Hersteller kostenlos nutzen kann. Dies gilt allerdings nicht für die Google-Apps, die jeweils im Bundle lizenziert werden müssen. Aus diesem Grund hat die Unternehmenskoalition FairSearch, der auch Microsoft und Nokia angehören, nun eine Beschwerde bei der EU-Kommission wegen angeblicher Ausnutzung der marktbeherrschenden Stellung eingereicht.

Android: Google droht EU-Kartellverfahren wegen App-Bündelung

Android an sich ist ein fantastisches und sehr vielseitiges mobiles Betriebssystem. Jeder der allerdings schon mal ein Gerät in der Hand hatte, das nicht offiziell von Google lizensiert wurde und daher ohne Apps wie den Play Store, Google Maps, YouTube und so weiter ausgestattet ist, merkt schnell, wieviel weniger Spaß die Nutzung macht und versteht, warum die großen Hersteller alle auf diese Apps setzen. Die Nutzung dieser Apps ist im Gegensatz zum eigentlichen Betriebssystem allerdings nicht kostenlos für die Hersteller. An diesem Punkt vermutet die Koalition Fairsearch, der unter anderem auch Microsoft und Nokia angehören, einen möglichen Missbrauch von Googles marktbeherrschender Position und hat daher Beschwerde bei der EU-Wettbewerbskommission eingelegt.

Als Begründung gab ein Rechtsvertreter von Fairsearch zu Protokoll: „Google setzt sein Mobil-Betriebssystem Android als ein Trojanisches Pferd ein, um Partner zu betrügen, den Mobilmarkt zu beherrschen und Daten der Verbraucher zu kontrollieren“. Mit anderen Worten, Dass Android ein kostenloses Betriebssystem ist, sei eine Mogelpackung. Dadurch werden Anbieter anderer Lösungen klar benachteiligt und Google erlangt dadurch zudem einen immer größeren Anteil von Werbeeinnahmen und wichtiger Nutzerdaten, da der Großteil der inzwischen ausgelieferten Smartphones mit Android ausgestattet sind.

Fairsearch befürchtet, dass, wenn die EU nicht schnell einschreitet, Google seine marktbeherrschende Position sowohl im Mobile- als auch im Desktop-Bereich dazu nutzen werde, Konkurrenten vom Markt auszuschließen.

Eine offizielle Stellungnahme von Google gibt es zu der Thematik bisher nicht. Auch die EU-Kommission hat gegenüber der New York Times lediglich erklärt, Android zu beobachten. Derzeit prüft die EU-Kommission übrigens bereits, ob eine Wettbewerbsverzerrung durch Google bei der Online-Suche vorliegt.

Ein pikantes Detail bei der Geschichte ist übrigens, dass gerade Microsoft Fairsearch angehört und das Anliegen vorantreibt – ein Unternehmen also, das sich selber bereits diverse Male wegen ähnlichem Vorgehen, zum Beispiel mit dem Internet Explorer oder dem Windows Media Player, einigen Ärger eingehandelt hatte.

In den USA sah sich Google übrigens bereits mit ähnlichen Vorwürfen konfrontiert, die von der FTC geprüft und mit einer äußerst harmlosen Einigung beigelegt wurde. Ob Google bei der EU-Kommission ähnlich viel Glück hat, bleibt abzuwarten. Im schlimmsten Fall muss Google die Art, wie die Android-Apps mit dem Betriebssystem gebündelt werden, überarbeiten – dass Android allerdings Closed Source werden könnte, wie einige Zeitgenossen befürchten, halten wir für äußerst unwahrscheinlich.

Quelle: New York Times [via Areamobile]

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