Android: Google habe nie Features von Apple kopiert

Tuan Le 20

Im aktuell in den USA ausgetragenen Rechtsstreit zwischen Apple und Samsung wird eine Reihe prominenter Persönlichkeiten in den Zeugenstand gerufen, die die Gunst des Gerichts in die eine oder andere Richtung lenken sollen. Für Samsung sagte nun kürzlich Hiroshi Lockheimer aus, seines Zeichens VP Of Engineering bei Google. Im Zuge seiner Zeugenaussage ging Lockheimer insbesondere auf die Entwicklung von Android ein und verkündete sogar überzeugt, dass Google nie Features vom iPhone beziehungsweise iOS für Android kopiert habe.

So manch einer wird sich vielleicht fragen, weshalb eigentlich der Vizepräsident der Android-Abteilung von Google als Zeuge bei einem Gerichtsverfahren zwischen Apple und Samsung, zwei Hardwareherstellern, gerufen wird. Im Moment haben beide Parteien die Möglichkeit, Zeugen vorzuladen, die die eigene Position vor den Geschworenen noch bestärken - Samsung hat hier gleich ganze 17 Zeugen vorgeschlagen, wurde allerdings zu einer Kürzung der Liste aus Zeitgründen beordert. Mit auf die gekürzte Liste schaffte es wohl Hiroshi Lockheimer, der somit sicherlich zu einer der wichtigsten Figuren in der Verteidigungsstrategie des südkoreanischen Herstellers zu gehören scheint.

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Vornehmlich konzentrieren sich Samsungs Anwälte im Moment wohl darauf, Google mit ins Geschehen einzubeziehen und dadurch Apples Anklage zu untergraben. Tatsächlich entlastete Lockheimer die Vorwürfe der Patentrechtsverletzung gegen Samsung weniger mit technischen Fakten als mit der recht einleuchtenden Argumentation, dass die von Apple patentierten Technologien bereits zuvor von Google entwickelt worden seien, ergo schlecht Grundlage für eine Anklage gegen Samsung sein können.

Lockheimer ist schon seit April 2006 im Android-Team von Google eingestellt gewesen, zu einem Zeitpunkt als es lediglich zwischen 20 und 30 Mitarbeiter in der Abteilung gab. Insbesondere sei er stolz auf die Autonomität des Teams innerhalb des Google-Konzerns gewesen, ebenso allerdings auf die Tatsache, dass man sich auf den eigenen Einfallsreichtum verließ - und sich nicht etwa an den Ideen von der Konkurrenz bediente, wie Apple es Samsung vorwirft. Unter anderem entkräftete Lockheimer die Vorwürfe gegen Samsung bezüglich der Patente für „Quicklinks“, also der Option, Links in einer Applikation direkt anzuklicken sowie der Synchronisation von Daten im Hintergrund - beides sei schon zwischen 2005 und 2006 von Google entwickelt worden. Der wahre Innovator ist in Lockheims Augen also keineswegs Apple, sondern Google.

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Zwar versuchte Apple in der Vergangenheit, Google möglichst aus dem Rechtsstreit herauszuhalten, doch ist das Erscheinen von Lockheimer in Samsungs Zeugenstand eigentlich keine große Überraschung. Schließlich läuft auf den Geräten von Samsung nun einmal Googles OS Android und es ist daher kein Wunder, dass Google die Angriffe von Apple gegen Samsung zum Teil auch durchaus persönlich werten muss beziehungsweise dem Hardwarepartner mit größtem globalen Marktanteil beiseite steht. Aktuell befindet sich Samsung weiterhin in einer denkbar schlechten Situation, nachdem am vergangenen Freitag einer von Apples Zeugen ganze 2,192 Milliarden US-Dollar Schadensersatz als angemessen präsentierte. Erst 2012 wurde Samsung zu einer Strafe in Höhe von 1 Milliarde verdonnert, von der dann nach einigen Korrekturen und einer Nachverhandlung im November 2013 „nur“ noch 890 Millionen US-Dollar gezahlt werden mussten.

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Von dem aktuellen Gerichtsstreit betroffen sind auf Samsungs Seite das Galaxy Nexus, Galaxy Note 1, Galaxy Note 2, Galaxy S II, Galaxy S3, Galaxy Tab 2 10.1 sowie diverse US-Variationen hierzulande bekannter Geräte. Samsung versucht es Apple mit gleicher Münze zurückzuzahlen und versucht mit einem von Hitachi gekauften Patent Apples Facetime zu einem Fallstrick für Cupertino zu machen und zielt hierbei auf das iPhone 4, iPhone 4S, iPhone 5, iPad 2, iPad 3, iPad 4, iPad Mini, sowie den iPod Touch der 4. und 5. Generation. Die Liste der zu vernehmenden Zeugen ist noch recht lang - für Samsung werden in Kürze zwei weitere Google-Mitarbeiter über das Design, die Entwicklung und Funktionweise von Android aussagen. Darunter ist auch Dianne Hackborn, die bereits zuvor einen Bericht über eine Kompletterneuerung von Googles Android nach dem iPhone dementierte.

Haltet ihr Samsungs Strategie für erfolgversprechend oder seht ihr Apple - vielleicht ja auch nur ausnahmsweise - im Recht? Interessiert euch der Rechtsstreit vielleicht gar insgesamt überhaupt nicht? Schreibt es uns in die Kommentare.

Quelle: CNET

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