Seit Kurzem versucht Intel mit x86-basierten SoCs auch in der Android-Welt Fuß zu fassen. Die erste Medfield-CPU ist allerdings noch ein Single Core-Chip. Macht nichts, verteidigt Mike Bell, Chef von Intels Mobile-und Kommunikations-Sparte das Produkt seines Konzerns: Denn Android mangele es sowieso deutlich an Multi Core-Optimierung.

Anlässlich eines offiziellen Launch-Events zur Medfield-Hardware, die mit einem realen, aber – dank Multithreading – zwei virtuellen Kernen daher kommen, gab Bell an, dass Android Mehrkern-CPUs von Haus aus nicht allzu gut unterstütze. Problem sei der so genannte Thread Scheduler in Android, der Aufgaben an verschiedene Prozessorkerne aufteilt. Dieser sei bei weitem nicht so ausgefeilt, wie er es sein könnte, so Bell. Die fehlenden Optimierungen beim Thread Scheduling und der Thread Affinity führten dazu, dass manche Konkurrenzprodukte sich ironischerweise verlangsamten, sobald ein zweiter Kern hinzugeschaltet werde.

Bell nannte keine spezifischen Konkurrenzprodukte, machte aber deutlich, dass es den Wettbewerbern offensichtlich am Willen fehle, Android bei der Ausnutzung mehrerer Prozessorkerne zu verbessern. Die eigenen Optimierungen hätten gezeigt, dass Android noch Potential nach oben habe; ein Teil der Arbeit könne aber sicherlich auch von Konkurrenzfirmen erledigt, entsprechende Software nachträglich in den Android-Open Source-Code eingepflegt werden.

Intel selbst investiert laut Bell viel Aufwand in Software-Optimierungen, die das Thread Scheduling verbesserten, wohl auch in Hinsicht auf die zukünftig zu erwartenden Multi-Core-Medfields. Einen Teil davon werde man auch in AOSP einpflegen, denn das erforderten ja bereits die Lizenzbedingungen des Android zugrunde liegenden Linux-Kernels. Intel wolle aber auch nicht komplette Arbeit für die Konkurrenz übernehmen, die ihrerseits mit Open Source-Engagement hinter dem Berg halte.

Wir sind geteilter Ansicht über die Behauptungen Intels: Einerseits ist richtig, dass manches Quad Core-Superphone mit Android immer noch nicht so flüssig läuft wie etwa ein Single Core-iPhone oder Windows Phone. Hier herrscht definitiv Luft nach oben, was nicht zuletzt Linaro in der letzten Woche bewies. Wir hoffen daher, dass Google bei der kommenden Android-Version die zur Verfügung stehenden Hardware-Ressourcen besser ausnutzen wird.

Andererseits hat Android aber seit dem Launch von Ice Cream Sandwich bereits große Fortschritte gemacht und zeigt sich mittlerweile auf Hardware jeder Leistungsklasse performant genug – sofern nicht die Oberflächen der Gerätehersteller hineingrätschen. Letzten Endes ist Performance immer ein Zusammenwirken von Hardware und Software.

Dass Intel jetzt auch mobile Hardware entwickelt, ist definitiv ein Vorteil – denn mehr Konkurrenz und mehr Know-how bereichern den Wettbewerb. Wir sind gespannt, wie sich die ersten Medfield-Geräte im Alltag machen und welche mobilen Chips Intel als nächstes aus dem Hut zaubert.

Quellen: WinFuture, The Inquirer

Bild: Smartphone mit Medfield-Referenzdesign von Intel auf der CES 2012