Andy Rubin: Android-Erfinder baut jetzt Roboter statt Androiden

Frank Ritter 7

Die Nachricht, laut der Android-Erfinder Andy Rubin das Android-Team verließe, schockierte im März dieses Jahres viele Android-Fans. Später gab es dann zumindest Informationen darüber, wo die Hintergründe dafür lagen. So soll Rubin nicht die kooperativste Persönlichkeit gewesen sein und gegen das Moto X von Google-Tochter Motorola gewesen sein. Immerhin blieb Rubin bei Google und sollte an einem Geheimprojekt arbeiten. Worum es sich dabei genau handelt, war lange unklar – nun gelangt ein wenig Licht ins Dunkel: Zusammen mit Robotik-Experten aus aller Welt konstruiert Andy Rubin bei Google echte Roboter.

Andy Rubin: Android-Erfinder baut jetzt Roboter statt Androiden

In einem Interview mit der New York Times gibt Andy Rubin einen Einblick in das, was er zurzeit im Auftrag von Google macht: So trat Rubin, der seine Karriere ursprünglich im Bereich der Robotik als Ingenieur beim deutschen Unternehmen Carl Zeiss begonnen hatte, mit einem Plan an die Google-Gründer Sergej Brin und Larry Page heran. Er wolle eine neue Stufe im Bereich der Robotertechnik erreichen – mithilfe der Mittel von Google. Page und Brin genehmigten dieses Unterfangen nicht nur, sie zückten auch das Scheckbuch: So kaufte Google über die letzten sechs Monate im Geheimen nicht weniger als sieben Firmen aus Japan und den USA, deren Personal Rubin in diesem Bereich unterstützen werden – weitere Akquisitionen nicht ausgeschlossen.

Das Projekt läuft interessanterweise nicht im Rahmen der Google X Labs, jenem firmeninternen Ideen-Inkubator, aus dem bereits Google Glass und die ersten Prototypen fahrerloser Autos hervorgegangen sind. Dennoch sieht man das Projekt als „Moonshot“, also einen Versuch der entweder scheitert oder erst in einigen Jahren Ergebnisse hervorbringt – Rubin gibt hier als Zeitrahmen eine Dekade an. Das Feld der Robotertechnik ist, so Rubin, bislang noch weitgehend unbestellt. Dabei gäbe es Analysten zufolge ausreichend Perspektiven für neuartige Robotertechnik, etwa in der Zustellung von Waren oder der Fertigung von Produkten – Rubin selbst schweigt sich aber über konkrete Anwendungsszenarien weitgehend aus. Als Beispiel nennt er lediglich einen Auto-Scheibenwischer, dessen Funktion sich automatisch an die Witterungsbedingungen anpasst. Zu seiner persönlichen Motivation befragt, erläutert Rubin seine Faszination hinsichtlich dieses Forschungsbereiches (Übersetzung von uns):

Ich habe eine Geschichte darin, meine Hobbies in Karriere zu verwandeln. Dies ist der beste Job der Welt. Als Ingenieur und Bastler darüber nachzudenken, was man für sich selbst bauen wollen würde.

Der 50-jährige Rubin denke bereits seit zehn Jahren darüber nach, im Bereich der Robotertechnik Kommerzialisierungsanstrengungen zu unternehmen, jetzt habe die Technik den notwendigen Stand dafür erreicht, auch wenn in puncto Software und Sensorik noch neue Durchbrüche notwendig seien. Google wolle dennoch eher früher als später fertige Produkte verkaufen, ob firmenintern oder als neue Tochterfirma ist bislang allerdings noch nicht geklärt.

Einen kritischen Aspekt lässt der Artikel in der New York Times aus: Dass Roboter, je mehr Aufgaben sie übernehmen, die vorher von Menschenhand erledigt wurden, auch Arbeitsplätze vernichten. Larry Pages optimistische Zukunftsvision ist bekanntermaßen eine, in der Maschinen und Software Menschen repetitive Aufgaben abnehmen und so deren Lebensqualität anheben. Ob diese Vision mit den Realitäten der globalen Arbeitsmärkte kompatibel ist, muss sich aber noch erweisen.

Quelle: New York Times [via Techmeme]

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

* Werbung