Gestern gab Jean-Baptiste Quéru (JBQ) auf Google+ überraschend bekannt, dass er seinen Posten als Projektleiter des Android Open Source Project (AOSP) niederlegen werde. Zwar gab er keinen expliziten Grund an, hauptverantwortlich dürften aber Lizenzprobleme mit den Grafiktreibern von Qualcomm sein. Denn der Halbleiterhersteller verhindert offenbar eine Veröffentlichung der Treiber selbst im kompilierten Zustand.

 

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Jean-Baptiste Quéru, in der Szene besser bekannt unter seinem Kürzel JBQ, hat gestern Abend auf Google+ verlauten lassen, dass er das Android Open Source Project verlassen werde. Zwar durfte er — wohl aus vertraglichen Gründen — auf die genauen Hintergründe nicht eingehen, doch deuten sein Posting sowie vorangegangene Diskussionen auf Qualcomms Grafiktreiber als Stein des Anstoßes hin. Wörtlich sagte er (von uns übersetzt):

„Es ist sinnlos ein Betriebssystem zu verwalten, das auf seinem Flaggschiff-Gerät nicht einmal bis zum Homescreen hochfährt, da es an GPU-Unterstützung mangelt. Zumal mir die schuld für etwas gegeben wird, das ich in meiner Position nicht ändern kann, obwohl ich es schon vor 6 Monaten vorausgesagt und darauf aufmerksam gemacht hatte.“

Bei dem Flaggschiff-Gerät, von dem Quéru redet, handelt es sich um das neue Nexus 7. Trotz seines Status als Nexus-Gerät kann Android für Googles neuestes Tablet nicht aus dem AOSP kompiliert werden, da Qualcomm sich weigert, die benötigten Grafiktreiber für das Open-Source-Project zur Verfügung zu stellen. Nun sind GPU-Binaries wohl das am besten gehütete Geheimnis mobiler Prozessoren, doch würden die Treiber natürlich in kompilierter Form, also nicht quelloffen, zur Verfügung gestellt werden.

Nun genießt Qualcomm gemeinhin gutes Ansehen unter Entwicklern, da für gewöhnlich benötigte Treiber angeboten werden, was die Entwicklung von Custom-ROMs ungemein vereinfacht. Doch auch beim Nexus 4 (Test), dessen Chipsatz ebenso aus dem Hause Qualcomm stammt, wurde der Quellcode sowie das Factory Image nur mit Verzug zum Download bereitgestellt. Vom Factory Image des Nexus 7 (2013) fehlt weiterhin jede Spur.

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JBQ war sich dieser Lizenzbedingungen bewusst und versuchte wohl schon im Voraus, Google vor den Auswirkungen einer Veröffentlichung unter diesen Bedingungen zu warnen, wurde aber offensichtlich ignoriert. Interessant ist das insofern, als andere Quellen gemutmaßt haben, dass das neue Nexus 7 sowieso schon mit Verzögerung erschien, und eigentlich auf der I/O präsentiert werden sollte. Hoffte man also, durch die Verzögerung bessere Lizenzbedingungen mit Qualcomm aushandeln zu können?

Mit JBQ verliert das Android Open Source Project jedenfalls einen engagierten Leiter, der immer der Community zugewandt war und sich für ein offenes und frei verfügbares Android eingesetzt hatte. Sein Nachfolger hat große Fußstapfen auszufüllen. Welche Position Quéru zukünftig innehaben wird, ist nicht bekannt.

Quelle: JBQ auf Google+ [via reddit]

Lukas Funk
Lukas Funk, GIGA-Experte.

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