Aviate: Dynamischer, Kontext-sensitiver Android-Launcher angetestet

Andreas Floemer 8

Die Macher des Launchers Aviate wollen mit ihrem Produkt neue Wege der Smartphone-Nutzung einschlagen: Anstelle eines statischen Homescreens soll dieser je nach Aufenthaltsort und Tageszeit dynamisch relevante Anwendungen einblenden. Wir haben uns diesen neuartigen Launcher, der sich noch in einer geschlossenen Beta befindet und nur mit einem Invite genutzt werden kann, näher angesehen.

Aviate: Dynamischer, Kontext-sensitiver Android-Launcher angetestet

Aviate versteht sich nicht als Launcher im herkömmlichen Sinne, sondern will im Grunde eine Art Google Now-Ersatz sein. Doch anstelle einen gesonderten Screen aufzurufen, um relevante Informationen angezeigt zu bekommen, erscheint alles direkt auf dem Homescreen: So sollen idealerweise Apps wie Mail, Kalender, Google Drive und weitere arbeitsrelevante Anwendungen automatisch eingeblendet werden, sobald man sich in seinem Büro befindet, unterwegs Google Maps, Foursquare, Yelp und andere Apps, die auf Reisen oder beim Pendeln sinnvoll sind – ferner werden unterwegs auch interessante Orte wie Plätze, Restaurants und Geschäfte angezeigt. Und auch zuhause passt der Homescreen sich an – hier können dann zum Beispiel Twitter, der Media-Player oder Apps zur Heimvernetzung und solcherlei zum Tragen kommen. Nicht nur der Ort, sondern auch die Tageszeit spielt bei der App-Dynamik eine Rolle: So bringt Aviate zu Tagesbeginn beispielsweise anstehende Termine, Alarme, das Wetter und weitere Anwendungen, die Bestandteil des morgendlichen Ablaufs sind, auf den Hauptscreen.

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Dieser Wechsel funktioniert an sich recht gut, allerdings muss man anfangs zum Teil selbst Hand anlegen, um seine entsprechenden Anwendungen an Ort und Stelle zu bringen, denn Aviate legt lediglich weit verbreitete Apps in den entsprechenden Ordner auf den Homescreen – Anwendungen, die zu den persönlichen Favoriten gehören, sind oftmals nicht dabei. Etwas kurios ist übrigens der Plus-Button im App-Fenster, mit dem sich neue Apps hinzufügen lassen: Der Nutzer hat über diesen lediglich die Möglichkeit, von Aviate vorgeschlagene Anwendungen zu installieren – die eigenen auf dem Gerät liegenden Apps müssen umständlicher per Drag-and-Drop von einem Homescreen zum nächsten bewegt werden.

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Der Aviate-Launcher besteht aus drei Homescreens, die nicht erweiterbar sind. Der ganz links angesiedelte ist der Hauptscreen – dieser ist im Grunde aus mehreren Elementen zusammengesetzt: Zuoberst wird durch verschiedenfarbige Banner indiziert, welches Orts-, beziehungsweise Tageszeiten-Szenario man derzeit angezeigt bekommt. Hier stehen standardmäßig drei zur Verfügung: „Home“ (Zuhause), „Work“ (Arbeit) und „Going Somewhere“ (Unterwegs) – optional gibt es aber auch beispielsweise „Morning“ (morgens) und „Restaurant“. Diese wechseln entweder automatisch, nachdem man sein Zuhause und den Arbeitsplatz festgelegt hat, oder man ändert sie manuell. Das kann über die Seitenleiste erreicht werden, die mittels einer Wischgeste zur linken Seite erreicht wird. In dieser Leiste gelangt man zudem auch in die weiteren Einstellungen, ebenso werden hier in der Nähe befindliche Orte angezeigt.

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Aviate bietet je nach Ort und Tageszeit verschiedene Szenarien

Zurück zum Hauptscreen. Jener verfügt über zwei Bereiche, in denen man Apps ablegen kann: Einer von ihnen befindet sich am Fuße des Screens, der unabhängig von Ort und Tageszeit stets die gleichen Anwendungen beherbergt, jedoch maximal zehn anzuzeigen in der Lage ist – das Erstellen von Ordnern unterstützt Aviate nicht. Der zweite Bereich befindet sich weiter oben und wechselt dynamisch die Auswahl je nach Location und Zeit – in diesem finden 20 und mehr Apps Platz. Oberhalb des sich wechselnden App-Fensters findet man je nach Ort entweder Buttons zum Verfassen von E-Mails und neuen Terminen, zum Einstellen von Weckzeiten und einer Do-Not-Disturb-Funktionen zum Abstellen des Tons, oder zum Anzeigen des Verkehrs sowie zur Navigation nach Hause beziehungsweise zur Arbeit.

Zwischen den App-Fenstern hat man die Möglichkeit, Widgets und Wallpaper einzufügen. Letzterer wird aber nicht auf dem gesamten Screen angezeigt, sondern wirkt letztlich ein wenig wie ein Widget. Überhaupt ist der Hauptscreen praktisch aus Einzelmodulen zusammengesetzt, welche – je nach gewähltem Farbschema – vom einem weißen oder anthrazitfarbenen Rahmen umgeben sind. Angesichts dieser Konstruktion besteht kein allzu großer Spielraum zur Individualisierung des Homescreens.

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Im Unterschied zu den meisten Launchern wie Buzz, Apex oder Nova Launcher fehlt der Anwendung ein regulärer App-Drawer. Stattdessen stehen dem Nutzer auf der gleichen Ebene wie dem Hauptscreen zwei weitere Homescreens zur Verfügung, auf denen sämtliche auf dem Gerät befindliche Anwendungen in verschiedenen Sortierungen abgelegt sind. Wischt man vom Hauptscreen zur rechten Seite, so findet man alle installierten Anwendungen nach Kategorien wie „Social“, „Work“, „Music“ und vielen anderen sortiert vor, über das Einstellungsrädchen auf dieser Seite lassen sich weitere vorgegebene Kategorien auswählen. Die Zuordnung findet automatisch statt, eine manuelle Sortierung ist nachträglich allerdings möglich. Durch einen weiteren Wisch nach rechts gelangt man auf die zweite App-Übersicht, die über eine alphabetische Sortierung verfügt. Mit einen Wisch über die seitlich angebrachte Buchstabenleiste kann man rasch zur gewünschten App springen – zum schnelleren Finden von Anwendungen wäre jedoch ein Suchfenster sehr wünschenswert.

Fazit zur Aviate-Preview

Aviate ist in der Tat anders: Im Unterschied zu der Vielzahl an Launchern, die im Play Store angeboten werden, hat der Nutzer weit weniger Anpassungsoptionen. Man kann zwar ein paar Widgets auf den Homescreens ablegen, Anwendungen in den verschiedenen App-Fenstern arrangieren und ein Wallpaper festlegen, damit hört es aber beinahe schon auf. Die Stärke dieser Anwendung liegt dann in ihrem dynamischen Wechsel von Nutzungs-Szenarien, abhängig von Ort und/oder Zeit.

Das mag zuerst zwar smart klingen, im praktischen Einsatz sehe ich indes kaum Vorteile zum klassischen Homescreen — denn letztlich kann ich nahezu alle Funktionen mit einem statischen Screen abdecken, sofern der klug angelegt ist. Darüber hinaus habe ich im Laufe des Tests feststellen können, dass es eine unheimliche Umstellung ist, mit dieser Art Launcher zu arbeiten. Zum einen ist es praktisch nicht möglich (allerdings mit Absicht) zu jeder Tages- und Nachtzeit stets den gleichen Screen und damit auch die gleichen Apps griffbreit zu haben, um rasch mit einem routinierten Tap Facebook, Chrome oder Gmail öffnen zu können. Andererseits ist es mehr als nervig, dass Aviate letztlich über zwei Screens mit Apps verfügt, die lediglich unterschiedlich sortiert sind.

Für den erfahrenen User, der sein Smartphone nach eigenen Vorstellungen anpassen möchte, ist Aviate nicht unbedingt die erste Wahl, denn es gibt einfach zu wenige Gestaltungsoptionen. Für Einsteiger und Nutzer, die ohnehin kein Interesse am Basteln haben, könnte der Launcher aber durchaus interessant sein. Das Konzept eines dynamischen Home- oder Lockscreens, wie es auch bei der jüngst angekündigten App Cover der Fall ist, klingt durchaus verlockend — aber nur, sofern es die Anwendung tatsächlich vermag, für den Nutzer relevante Apps und Informationen anzuzeigen. Aviate zeigt zwar schon interessante und viel versprechende Ansätze, ist aber meiner Meinung nach noch nicht ganz dort, wo es sein sollte.

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Die App konnte im App Store nicht gefunden werden.

Informationen zu Aviate und Invite-Beantragung auf getaviate.com.

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