Wie kaum eine andere zeitgenössische Künstlerin spaltet Björk die Gemüter – auch in unserer Redaktion. Fast zwei Jahre nach dem Erscheinen des letzten Albums Biophilia, ist nun endlich auch die begleitende App zum Gesamtkunstwerk für Android erschienen. Interessant ist die interaktive Begleit-App trotz des zeitlichen Verzugs dennoch, zumindest für Björk-Fans.

 

Android

Facts 

Björk hat ein neues Album herausgebracht – vor knapp zwei Jahren. Warum berichten wir jetzt auf einmal darüber, vor allem da wir doch eine Android-Seite und kein Musik-Blog sind? Ganz einfach, als das letzte Album der isländischen Musikerin, Biophilia, im Oktober 2011 erschien, wurden die Songs nicht nur auf allen erdenklichen Tonträgerformaten veröffentlicht, zudem wurde das Gesamtkunstwerk auch von einer App begleitet, die jeden Song interaktiv gestaltet.

So weit so schön – zumindest für Björk-Fans mit iOS-Geräten, denn wie so oft in der App-Welt wurde auch Biophilia zunächst nur für die Apple-Plattform veröffentlicht. Eine Android-Umsetzung war zunächst in Planung, bis plötzlich vermeldet wurde, dass das Projekt aufgrund des zu hohen Portierungs- und damit verbundenen Kostenaufwands eingestellt wurde. Nach einigem Protest entschied sich Björk für eine Kickstarter-Kampagne, um das nötige Kleingeld für die Android-Umsetzung zu sammeln. Leider erfolglos – im Februar dieses Jahres wurde die Kickstarter-Kampagne nach nur 10 Tagen wieder eingestellt, da das finanzielle Ziel nicht einmal im Ansatz erreicht wurde. Android-Nutzer mussten sich wohl oder übel damit abfinden dass sie App wohl nie auf einem eigenen Gerät nutzen könnten.

Glücklicherweise ist Björk auf das Unternehmen Apportable aufmerksam geworden, die mit deutlich geringerem Zeit- und Kostenaufwand iOS-Anwendungen von einem OS auf das andere portieren können. Nachdem Biophilia kurzerhand in Auftrag gegeben wurde, steht die App seit heute als schöne Überraschung auch im Google Play Store bereit, allerdings zu einem gepfefferten Preis von 9,99 Euro. Ist diese App das Geld überhaupt wert? Die Antwort lautet Jein.

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Der Anspruch hinter dem Album war es, Naturphänomene mit Musik zu verbinden und auszudrücken. Dafür bediente sich Björk im Prinzip einer App-Kompilation, in der jeder Song von einer kleinen eigenen App interaktiv begleitet wird. Neben dem durchaus spannenden Aspekt, dass man so als Fan einen ganz anderen Bezug zu der Musik herstellt, verfolgt Björk mit dem Projekt auch einen Bildungsauftrag. So sollen Kinder und interessierte Erwachsene mittels der interaktiven Inhalte auf bestimmte Naturphänomene aufmerksam werden und diese zudem an Musik und Musikbegriffe herangeführt werden. Die einzelnen Song-Apps variieren dabei stark im Inhalt, von Mini-Games bis hin zu interaktiver Kunst.

In der App zu dem Song Chrystaline zum Beispiel fährt man durch einen Tunnel und sammelt durch Kippen des Telefons oder Tablets verschiedenfarbige Kristalle ein, die sich zu einem komplett neuen Gebilde zusammensetzen. Dabei wird die Musik in unterschiedliche Song-Teile gelenkt, je nachdem welchen Weg der Spieler an einigen Abzweigungen wählt. Man kann den Song also in immer unterschiedlichen Arrangements hören, so lange man nicht immer den gleichen Weg wählt.

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Der Song Mutual Core bietet dagegen deutlich weniger Möglichkeit auf den Songverlauf Einfluss zu nehmen. Die Anfangs gezeigten und miteinander verbundenen Gebilde kann man lediglich über den Bildschirm bewegen, ohne dass dies Auswirkungen hat, beim Wechsel zum Refrain muss man dann allerdings die einzelnen, sich ineinander rotierenden Halbkugeln bewegen, bis man die rote, innerste Kugel berührt.

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Die App zum Song Virus erinnert auf den ersten Blick stark an das Spiel Osmos HD mit mehreren Zellen, die plötzlich von kleinen Viren befallen werden. Deren Abwehr wird schnell sinnlos und so ergibt sich ein schönes Zusammenspiel aus den Lyrics zum Song und dem Inhalt der App.

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Die einzelnen Songs werden quasi von der Biophilia Mutter-App zusammengehalten und in einem dreidimensionalen Universum dargestellt. Nach der Auswahl eines Songs kann man zudem wählen, ob man ihn interaktiv begleiten möchte, oder ihn sich anhören und dabei eine Animation ansehen möchte.

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Aber kommen wir zurück zu der eigentlichen Frage, ob die App den Preis wert ist. Ja, aber tatsächlich nur für Fans der isländischen Sängerin oder für Zeitgenossen, die sich stark für interaktive Kunst interessieren. Für alle, die nicht in diese Kategorien fallen, dürfte die App ziemlich langweilig, die Musik für ungeübte Ohren sicher recht anstrengend ausfallen. Wer aber Björk etwas abgewinnen kann und für interaktive Kunst etwas übrig hat, kann sich sehr lange mit dem Biophilia-Universum beschäftigen. Die Kombination aus Musikalbum und begleitender App geht in diesem Fall voll und ganz auf.

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Einzig der Bildungsanspruch, den Björk mit diesem Projekt verfolgt, darf als gescheitert angesehen werden. Die ursprüngliche Idee war es, die App so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen – für dieses Ziel stellt die Android-Version zwar einen wichtigen Schritt dar, allerdings wird dem Unterfangen durch den Preis im gleichen Atemzug ein Bein gestellt.

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Auf meinem Nexus 4 (Test) kam es beim Verwenden der App leider immer wieder zu Abstürzen, so dass die Erkundung des kleinen Universums zuweilen etwas frustrierend war. Wenn die App dann aber mal nicht abgestürzt ist, liefen die Animationen sehr flüssig und eine Latenz des Audiosignals ist auch nicht spürbar gewesen. Damit dürfte wohl endgültig bewiesen sein, dass Musik-Apps auch unter Android realisierbar sind.

Biophilia kann für 9,99 Euro im Google Play Store heruntergeladen werden. Die App ist stolze 484 MB groß und benötigt mindestens Android 4.0.

Download: Biophilia (9,99 Euro)

Biophilia (9,99 Euro) qr code

[via WSJ]

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