Fail des Tages: Warum (k)ein "Böses Erwachen" beim Kauf von Android-Handys droht

Tuan Le 2

In einem jüngst von Focus Online veröffentlichten Artikel heißt es, man solle sich beim Kauf eines Android-Smartphones auf ein (ja, wortwörtlich) „böses Erwachen“ gefasst machen. Grund dafür: Man könne vorher nicht überprüfen, ob bestimmte Apps mit dem jeweiligen Handy kompatibel sind. Stattdessen solle man lieber zu einem iPhone greifen, weil man da ja schon vorher weiß, woran man ist. Ernsthaft?

Fail des Tages: Warum (k)ein "Böses Erwachen" beim Kauf von Android-Handys droht

In der vergangenen Woche haben wir uns bereits einen Bericht des RTL-Magazins Stern TV über eine angeblich „skandalöse“ Sicherheitslücke in WhatsApp näher angesehen und festgestellt, dass das Ausmaß der Gefahr völlig übertrieben dargestellt minimal überzeichnet worden ist. Focus Online hat sich offenbar ebenfalls der Mission verschrieben, eklatante Gefahren (über die sich - aus unerfindlichen Gründen - offenbar nie jemand vorher Gedanken gemacht hat) in der Smartphone-Welt aufzudecken. In einem just heute veröffentlichten Artikel weist man darauf hin, dass beim Kauf eines Android-Smartphones ein „böses Erwachen“ droht und dass Apple dieses spezielle Problem besser löst als Android.

Geht es um Malware? Bloatware? Nein.

Im ersten Moment denkt man sich als Android-Fan vermutlich: Vielleicht ist ja die Bloatware gemeint, die tatsächlich auf einigen Geräten ziemlich nervig ist. Auch Malware stellt eine ernstzunehmende unter Android dar und aufgrund der anderen OS-Architektur hat iOS hier einige Vorteile gegenüber unserem Lieblings-OS. Ein Artikel darüber wäre zwar sicherlich keine journalistische Sensation gewesen (weil diese Kritikpunkte hinlänglich bekannt sind), aber immerhin einigermaßen nachvollziehbar.

Nun geht es in dem Bericht gar nicht darum, sondern um das „Problem“, dass man ja bei Android-Smartphones ja nie weiß, ob bestimmte Android-Apps mit dem Smartphone kompatibel sind, oder nicht. Das herangezogene Beispiel ist Snapchat: In der Web-Version des Play Stores findet man unter „Erforderliche Android-Version“ lediglich den Hinweis, dass diese je nach Gerät variiert.

snapchat-version
Ganz anders bei Apple: Dort wird im App Store stets angegeben, welche Version von iOS für die jeweilige App notwendig ist. Natürlich ist das eine nützlichere Angabe als die im Play Store, aber völlig unterschlagen wird bei dieser Feststellung, dass es vom iPhone nur eine Handvoll verschiedener Modelle gibt (die obendrein alle im Prinzip mit dem gleichen Betriebssystem laufen) während sich in der Android-Welt abertausende verschiedener Geräte tummeln. Diese unterscheiden sich nicht nur in der OS-Version, sondern haben auch je nach Hersteller eine angepasste Oberfläche: Samsung-Geräte kommen etwa mit TouchWiz, HTC-Geräte mit Sense und LG-Smartphones mit der Optimus UI.

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Snapchat ist nicht mit Gingerbread kompatibel - ein Skandal?

Die Kommunikation könnte Google demnach verbessern, doch ist mangelnde App-Kompatibilität wirklich ein Problem für Android-Smartphones? Muss man sich wirklich immer das neueste Smartphone holen, damit man ein Großteil der Apps im Play Store nutzen kann? Ganz sicher nicht. Snapchat zum Beispiel ist nur mit Geräten mit Android 2.3 Gingerbread oder älter nicht kompatibel - eine OS-Version, die wohlgemerkt 2010 das Licht der Welt erblickt hat.

Abgesehen davon lässt sich innerhalb von Sekunden googeln, welche OS-Version das gewünschte Smartphone hat und welche OS-Version die App benötigt, doch seien wir realistisch: Weder iOS- noch Android-Nutzer googeln vor dem Smartphone-Kauf die Kompatibilität jeder App, sondern gehen einfach davon aus, dass die täglich verwendeten Apps ohnehin funktionieren. Das ist eigentlich auch fast immer der Fall, sofern man sich keine 5 Jahre alten Geräte zulegt.

Dass auch neuere Geräte Probleme mit Snapchat haben, liegt nicht unbedingt an Android selbst: Vielmehr gibt es zahlreiche Module und Modifikationen für Android-Geräte, die unerlaubte Funktionen in der Snapchat-App freischalten. Daher untersagen die Entwickler Geräten mit Root-Zugriff die Nutzung der App. Das ist aber ein ziemlich App-spezifisches Problem und sicherlich kein Argument gegen Android im Allgemeinen - schon gar nicht, wenn man sein Smartphone sowieso nicht rooten will. Mangelnde App-Kompatibilität  ist daher ganz sicher nicht das Killerargument, zu iOS wechseln zu müssen - schließlich gibt es für Android-Nutzer wenigstens noch die Möglichkeit des APK-Sideloads, mit der man Apps auch außerhalb des Play Store installieren kann.

via Focus Online, Foto: Caïn (dt. Kain) von Henri Vidal imJardin des Tuileries (Paris), 1896 - Fotograf: Alex E. Proimos, CC BY 2.0

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