Cider: Uni-Projekt führt iPhone- und iPad-Apps auf Android-Geräten aus

Frank Ritter 3

Bislang waren Android-Fans auf den guten Willen der Programmierer zum Portieren angewiesen, wenn sie iOS-exklusive Apps auch auf Android nutzen wollten. Ein neues Tool macht dies – zumindest auf dem Papier – überflüssig: Mit Cider lassen sich Anwendungen für iPad und iPhone nativ unter Android nutzen.

Cider ist ein Projekt von Informatik-Studenten an der Columbia University in New York. Sie haben es geschafft, diverse iOS-Apps, unter anderem Yelp, iBooks und iTunes Remote, auf einem Android-Gerät lauffähig zu machen, wie folgendes Video zeigt.

Das Ganze läuft noch nicht allzu flüssig, wie man an dem Video sieht. Einerseits handelt es sich jedoch zunächst um einen Software-Prototypen, andererseits ist aber auch die Demo-Hardware, ein Nexus 7 (2012), leistungsmäßig nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit.

Cider basiert offenbar weder auf Emulation noch auf einer VM (Virtual Machine). Stattdessen wird iOS-Apps vorgegaukelt, auf einem System mit iOS-Kernel zu laufen, die Libraries und Frameworks beider Betriebssysteme stehen den Apps auf dem Nexus 7 zur Verfügung. Es gibt allerdings Einschränkungen: So können keine iOS-Apps genutzt werden, die auf die Kamera, GPS, mobile Datenverbindungen, Bluetooth und dergleichen zugreifen. Zugriff auf die WebKit-Engine für WebViews ist nur eingeschränkt möglich, außerdem stellt die Inkompatibilität der Sicherheitssysteme von iOS und Android die Entwickler vor große Herausforderungen. Das Team wird jedoch weiter an Cider arbeiten und versuchen, diese Probleme zu lösen.

Dass eine solche Lösung mittelfristig auch in ein kommerzielles Produkt einfließen wird, halten wir jedoch für unwahrscheinlich, da das Projekt Teile des Betriebssystem-Kerns von iOS verwendet, der bekanntermaßen Closed Source und urheberrechtlich geschützt ist. Auch die Übernahme von iOS-Apps und deren Ausführung auf einem „Fremdsystem“ dürfte rechtlich mindestens eine Grauzone sein. Für ein Forschungsprojekt mögen solche Experimente statthaft sein, bei darüber hinausgehenden Ambitionen dürfte Apples Anwalts-Armada jedoch ein Wörtchen mitzureden haben.

Trotzdem ist Cider aus unserer Sicht ein interessantes Projekt. Infos zur Funktionsweise gibt es im Paper bei der University of Columbia.

[via SD Times, reddit]

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