Free Your Android: Weltfremde Kampagne der FSFE für ein freies Android [Meinung]

Kaan Gürayer 49

Wie frei ist Android wirklich? Nach Meinung der Free Software Foundation Europe (FSFE) ist das mobile Betriebssystem in den Ketten Googles gefangen. Mit einer Kampagne ruft die FSFE nun zur Befreiung Androids auf und gibt Tipps, wie man das OS gänzlich ohne Google und nur mit freier Software verwenden kann. 

Free Your Android: Weltfremde Kampagne der FSFE für ein freies Android [Meinung]
Wer einen anderen Blickwinkel auf die Aktion der FSFE lesen möchte, sollte die Gegenmeinung von androidnext-Redakteur Lukas ebenfalls lesen.

Andy, der kleine grüne Roboter, der mittlerweile das Markenzeichen Androids geworden ist, sprengt symbolisch seine Ketten. Dazu in großen Lettern zu lesen: „Free Your Android“. Keine Frage, die Free Software Foundation Europe (FSFE) tischt mit ihrer Kampagne ganz groß im Polemik-Menü auf. Zwar sei Android im Kern frei und offen, wie die FSFE zugibt, aber die auf vielen Android-Smartphones vorinstallierten Apps, etwa der Play Store oder Google Maps, eben nicht. Das sieht die FSFE als Problem und gibt Nutzern Tipps, wie sie ihren Androiden mit freier Software nutzen können.

Weniger Auswahl? Egal! Hauptsache „frei“

Zum Anfang empfiehlt die FSFE, sollte man einen Android-Fork wie CyanogenMod oder, noch besser, Replicant installieren. Hier zeigt sich schon das erste Problem: Denn während CyanogenMod dank der Intergration von Closed Source-Software, dort wo es nötig ist, auf vielen Geräten immerhin passabel läuft, ist Replicant ein System, das komplett auf freie Software setzt, inklusive aller Treiber. Open Source-Treiber sind nur leider meist kaum nutzbar, insbesondere für Komponenten wie Baseband-Chips. Wer also aus idelogischen Gründen komplett auf geschlossene Software verzichten will, muss leidensfähig sein.

Eine Liste mit quelloffenen Alternativen für Browser, Kalender und vieles mehr ist ebenso veröffentlicht. Auch der Google Play Store hat in der „freien“ Welt der Open Source-Fetischisten nichts verloren und so wird die Installation des alternativen App Stores F-Droid nahegelegt. Das Besondere an F-Droid ist, dass dort ausschließlich Anwendungen angeboten werden, die kostenlos und frei sind. Das schränkt die Auswahl natürlich erheblich ein, klar. Aber was will man schon mit Apps wie Angry Birds, WhatsApp oder Facebook, wenn man das gute Gewissen hat, auf seinem Smartphone nur freie Anwendungen zu haben? Selbstgerechtigkeit ist schließlich ein so herrliches Gefühl.

Unter dem Motto „Nicht-Freie Apps befreien“ ruft die die FSFE zudem die Community auch auf, mitzumachen und ein wirklich freies Android zu schaffen. Dazu sollen von Entwicklern mehr freie Anwendungen geschrieben werden und Leute, die keine Ahnung vom Programmieren haben, können ebenfalls helfen: Bei App-Entwicklern sollen sie „freundlich fragen“, warum sie ihre Anwendung nicht als Freie Software veröffentlichen. Wenn man keine Probleme hat, macht man sich halt welche.

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FSFE zeigt, wie weltfremd sie ist

So lobenswert der Einsatz für Freie Software im Kern auch ist, schießt die FSFE mit ihrer Kampagne deutlich übers Ziel hinaus. Allein die Tatsache, dass es Custom ROMs wie CyanogenMod oder Replicant gibt, ebenso wie alternative App Store wie F-Droid, stellen deutlich unter Beweis, wie frei Android doch ist und führt die „Free Your Android“-Kampagne ad absurdum. Was kommt denn als nächstes? Vielleicht „Free Your iPhone“, mit dem Ziel, iOS von Apple zu befreien? In ihrem beinahe schon religiösen Eifer zeigt die FSFE, wie wenig sie vom normalen 08/15-Nutzer versteht, der immer noch die überwältigende Mehrheit des Mobilfunkmarkts ausmacht. Ihm ist es egal, ob eine Software nun frei oder nicht frei ist, solange sie funktioniert, einfach und vielseitig ist. Dass man Nutzer allen Ernstes dazu aufruft, sich im Netz ihre freien Anwendungen zusammenzusuchen, ist anno 2014 genauso anachronistisch wie ein Telefon mit Wählscheibe.

Ist Freie Software per se besser, nur weil sie „frei“ ist? Oder sollte nicht viel lieber die Frage im Vordergrund stehen, wie nutzerfreundlich oder sicher sie ist? Eine Kampagne mit dem Titel „Free Your Android“ impliziert, dass Android nicht frei ist. Das ist, so rühmlich der Einsatz für Freie Software auch ist, eine Verdrehung der Tatsache und nicht redlich.

Was haltet ihr vom Aufruf der Free Software Foundation Europe, ein freies Android zu schaffen? Meinungen dazu bitte in die Kommentare.

Quelle: Free Software Foundation Europe [via derStandard]

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