Kamera-Verbesserungen in Android: Google arbeitet an RAW-Support, nativer Gesichtserkennung und mehr

Frank Ritter 4

Bei allem Hype um das Nexus 5 und Android 4.4 KitKat gibt es ein Gebiet, auf dem viele Fans beim Launch der neuesten Hard- und Software aus dem Hause Google ein wenig enttäuscht waren: die Kamera. Nicht nur, dass die Bildqualität des Nexus 5 eher mittelmäßig ist, auch die Kamera-App hat sich nicht maßgeblich weiterentwickelt und stellt keine Konkurrenz zu den Anwendungen von HTC und Samsung dar. Im Quellcode von Android sind nun aber Indizien dafür aufgetaucht, dass Google an einer neuen Kamera-API mit spannenden Features gearbeitet hat, diese allerdings nicht mehr rechtzeitig zum Launch fertig gestellt wurde.

Kamera-Verbesserungen in Android: Google arbeitet an RAW-Support, nativer Gesichtserkennung und mehr

Dass Features es aus Zeitgründen nicht in ein neues Major Release einer Software schaffen und deswegen zurückgeschoben werden, ist ein völlig normaler Vorgang. Auch bei Android 4.4 KitKat war das offenbar der Fall — im Quellcode des AOSP (Android Open Source Project) finden sich Kommentare zu Code-Commits, die Rückschlüsse auf neue, letztendlich jedoch weggelassene Funktionalitäten zulassen; und damit auf Features der nächsten Android-Version.

So wollte Google die Kamera-Features von Android mithilfe einer neuen API (Programmierschnittstelle) deutlich erweitern. Die Arbeiten daran hatten bereits Ende 2012 begonnen, etwa drei Wochen vor dem Release von Android 4.4 KitKat wurden die neuen Funktionalitäten dann jedoch aus dem Quellcode genommen und durch alte ersetzt – davon zeugt aktuell noch folgender Commit:

DO NOT MERGE: Hide new camera API.

Not yet ready.

Bug: 11141002

An anderer Stelle im AOSP finden sich dann Hinweise darauf, welche Features diese neue API Kamera-Apps zur Verfügung gestellt hätte:

Full-capability devices allow for per-frame control of capture hardware and post-processing parameters at high frame rates. They also provide output data at high resolution in uncompressed formats, in addition to compressed JPEG output.

Soll heißen: Geräte mit ausreichenden Hardware-Fähigkeiten können mit der neuen API

  • nativ Fotos im RAW-Format speichern. So gespeicherte Bilder sind (nahezu) unkomprimiert und enthalten deutlich mehr Farbinformationen, wodurch sie für nachträgliche Bildbearbeitung besser geeignet sind als Standard-JPEGs.
  • Gesichter erkennen. Zwar haben diverse Gerätehersteller entsprechende Funktionalität bereits in ihre Kamera-Apps integriert, auf Betriebssystem-Ebene gibt es das aber bislang nicht. Die API kann dabei auch bestimmte Personen auseinanderhalten (so lange sie im Sucher bleiben) und genau erkennen, wo bestimmte Gesichtsteile sind, um Effekte hinzuzufügen.
  • Fotos im Burst-Modus schießen, also mehrere Bilder in kurzem Abstand hintereinander. Auch hier gab es bislang nur „Inselösungen“ der einzelnen Hersteller, in Stock-Android war entsprechende Funktionalität noch nicht integriert.
  • austauschbare Kameras unterstützen, also externe Kameras, die sukzessive hinzugeschaltet werden können. Hierbei sind wohl Linsen wie die Sony Smart-shot QX10 gemeint, die über die API direkt angesprochen werden könnten. Natürlich sind noch zahlreiche weitere Anwendungsfälle denkbar, etwa ein Smartphone als „Second Screen“ für eine DSLR zu benutzen.

Für ältere Geräte gibt es einen rückwärtskompatiblen Modus als Fallback. Für neuere Geräte und die Zukunftssicherheit von Android wäre die neue API großartig. Wir erwarten den Launch der neuen Kamera-Funktionalitäten im Android-Kern dann für das nächste Major-Update …

Quelle: Josh Brown @ G+ [via Ars Technica]

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