Ubuntu für Android: So verschmelzen Smartphone und PC

Frank Ritter 14

Gestern Abend stellte Canonical, die Firma hinter Ubuntu Linux, einen weiteren integralen Bestandteil ihres Plans vor, Ubuntu auf so viele Geräte wie möglich zu bringen. Ubuntu für Android ist aber in erster Linie nicht, wie man vermuten könnte, ein Angebot an Nutzer, sondern an Firmen. Wie versprochen, schauen wir uns Ubuntu für Android genauer an.

Ubuntu für Android: So verschmelzen Smartphone und PC

An sich eine simple Idee: Man kommt ins Büro, legt sein Handy in die Dockingstation, sofort werden der dort stehende Monitor, eine Bluetooth-Maus und -Tastatur aktiviert - man hat ad hoc seinen Rechner verfügbar. Man geht zur Arbeit und auch dort steht eine Dockingstation bereit, in die mein lediglich sein Handy legen muss und schon hat man einen vollwertigen Linux-PC zur Verfügung. Auch sämtliche auf dem Smartphone gespeicherten Daten können eingesehen und abgespielt, Android-Apps direkt und problemlos ausgeführt werden. Abends koppelt man sein Smartphone mit dem Fernseher und sofort steht die Multimedia-Variante UbuntuTV zur Verfügung, mit der man Zugriff auf lokale wie Streaming-Medien hat.

Diese Vorstellung des Smartphones als „Rumpf“ für den Überall-PC wird jetzt Realität, denn mit der offiziellen Vorstellung von Ubuntu für Android bietet Ubuntus Mutterfirma Canonical OEMs an, dass diese Ubuntu Linux direkt in ihre ausgelieferten Android-Smartphones aufnehmen. Da Ubuntu Open Source ist, wird es aber sicher auch Custom ROM-Entwickler geben, die Ubuntu in Smartphones einbauen.

Neu an der gestern vorgestellten Lösung ist, dass Ubuntu Linux nicht als separates installiertes System oder in einer VM, sondern parallel zu Android läuft und sich denselben Linux-Kernel teilt. Die Systemvoraussetzungen von Ubuntu für Android liegen etwa bei der Smartphone-Mittelklasse von 2012: Dual Core-CPU, 512 MB RAM. Erklärt wird das Ganze in diesem kurzen Video:

Wie ist Ubuntu für Android einzuordnen? Motorola hat es mit seinem Lapdock-Konzept vorgemacht, theoretisch möglich ist es mit jedem ICS-Gerät, das Bluetooth und HDMI besitzt, und Gerüchten zufolge will auch Google selbst in der nächsten Android-Iteration „Jelly Bean“ die Unterstützung für Dockingstationen verbessern, in die Android-Geräte für den stationären Einsatz gelegt werden können. Kein Zweifel - Smartphones und Tablets dringen immer stärker in die Sphäre der PCs ein, da passt das Angebot von Canonical sehr gut hinein.

Die Vorteile des per Dockingstation zum PC erweiterbaren Smartphone oder Tablet liegen auf der Hand: Heutige Android-Geräte sind Hardware-seitig potent genug, um auch ein Desktop-Betriebssystem anzufeuern. Mit einer solchen Lösung muss der Kunde sich weniger Hardware kaufen, hat seine Daten, Zugriff auf das Internet, Telefon und SMS immer griffbereit. Dank der offenen Natur von Android und Ubuntu kann die Verbandelung beider Betriebssysteme stetig weiterentwickelt, Unterstützung für neue Hardware schnell implementiert werden.

Canonical will Ubuntu für Android der breiten Öffentlichkeit auf dem Mobile World Congress 2012 in Barcelona nächste Woche präsentieren. Wie würde euch gefallen, einen kompletten PC auf dem eigenen Smartphone zu haben beziehungsweise ein Smartphone direkt in den PC integriert zu haben? Ist das die Zukunft oder nur ein Grund mehr sich vor einem Smartphone-Diebstahl zu fürchten? Eure Meinung in die Kommentare.

Quellen: Canonical: Ubuntu for Android, Presseerklärung, OMGUbuntu (Danke @ Atua!)

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