Android 4.4: Warum KitKat als Name (vielleicht) keine gute Idee ist [Kommentar]

Frank Ritter 50

Seit gestern Abend steht fest: Die nächste Android-Version 4.4 heißt KitKat. An dieser Tatsache regt sich nun Kritik: KitKat ist eine Marke von Nestlé — einem Konzern, der wegen seiner Geschäftspraktiken seit Jahren auf das Schärfste kritisiert wird.

Google überraschte gestern alle Beobachter, die auf Key Lime Pie als Namen und 5 als Versionsnummer für die neueste Android-Version gesetzt haben — immerhin deuteten diverse Indizien in den vergangenen Monaten auf den offiziellen Kuchen Floridas hin. Nun ist es aber beschlossene Sache, dass die nächste Android-Version 4.4 heißt und die als Codename einhergehende traditionelle Süßspeisenanleihe diesmal mit KitKat durch den Namen eines realen Produktes statt einer generischen Leckerei repräsentiert wird.

Android 4.4 KitKat - ein genialer Werbeträger

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Schauen wir zunächst einmal kurz in die Vergangenheit: Fallen Namen wie Ice Cream Sandwich und Jelly Bean, wecken diese Assoziationen, nicht nur bei Android-Fans, sondern bei nahezu jedem, der sich für Android interessiert. Meistens sind diese Assoziationen positiv, weswegen die fortlaufend durchbuchstabierten Süßspeisen, mit denen Google seine Android-Versionen benennt, prinzipiell fantastische Werbeträger sind. Ein Potenzial, das bislang noch nicht für ein konkretes Produkt genutzt wurde. In dem Zusammenhang sei erwähnt, dass der bekannteste Hersteller von Jelly Beans – Jelly Bean war der Codename für die Android-Versionen 4.1 bis 4.3 – zwar die US-Firma Jelly Belly ist, die Geleebonbons werden aber auch von anderen Firmen produziert – in Deutschland etwa von Haribo.

Die Benennung von Android 4.4 als KitKat ist also schlechterdings ein genialer Werbeschachzug — für Android, aber noch deutlich mehr für den Schokoriegel. Denn es ist absehbar, dass KitKat enorme Verkaufssteigerungen durch diese Aktion erfahren wird; der positive Effekt auf die Wahrnehmung der Marke KitKat wird mutmaßlich auf Jahre hinaus andauern. Ja, auch bei uns in der Redaktion haben heute zwei Redakteure unabhängig voneinander KitKat-Riegel gekauft.

KitKat als Nestlé-Marke

Kommen wir zum Kern des Problems: Während KitKat in den USA eine Marke von Hershey’s ist, wird der Keksriegel international von Nestlé vermarktet. Nestlé ist seit Jahren Ziel der Aktionen von Globalisierungs- und Kapitalismuskritikern. Wirft man einen Blick auf den Abschnitt „Kritik“ im Wikipedia-Artikel zu Nestlé, ahnt man warum. Hier nur eine Auswahl dessen, was an Nestlé kritikabel sein soll:

  • Der Konzern soll in den Siebzigerjahren Babynahrung an Mütter in Entwicklungsländern verteilt haben, die abstillend wirkt und damit indirekt aggressive Verkaufsförderung für die eigenen Produkte betrieben haben.
  • Nestlé soll Kinderarbeit beim Kakao-Abbau in afrikanischen Ländern dulden. Eigene Initiativen zum Ändern dieser Umstände seien nicht ausreichend umgesetzt worden.
  • Der Konzern soll für die Herstellung seiner Süßwaren Palmöl von Zwischenhändlern verwenden, dass unter illegaler Abholzung des Regenwaldes in Indonesien gewonnen wird.
  • Nestlé wird vorgeworfen, bei korrupten Regierungen verschiedener Entwicklungsländer Wasserrechte zu kaufen und deren Bevölkerung in Flaschen abgefülltes Wasser zu verkaufen, das vormals allen als Allgemeingut zur Verfügung stand. Der Film dokumentiert diese Vorwürfe.
  • In Kolumbien wurde ein Nestlé-Mitarbeiter von Paramilitärs erschossen, der sich gewerkschaftlich gegen eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen in einer Nestlé-Milchpulverfabrik engagierte. Der Konzern weist jede Verbindung zu diesem Vorfall zurück.

Wir sind eine kleine Technews-Redaktion in Berlin und haben bei weitem nicht die Ressourcen, diese Vorwürfe in irgendeiner Form zu bestätigen oder zu falsifizieren. Fakt ist aber, dass das Image der Firma Nestlé alles andere als lupenrein ist. Und so regten sich bereits in unserem gestrigen Vorstellungsartikel und anderswo in den Blogs erste kritische Stimmen zu dieser Entscheidung Googles.

Und zugegeben — ein wenig seltsam mutet es an, dass Google einen Konzern als Quasi-Werbepartner für die nächste Android-Version ausgewählt hat, der dem eigenen, zumindest inoffiziellen, Firmenmotto „Don’t be evil“ diametral entgegenzustehen scheint.

Aber vielleicht sollten wir die Namenswahl Googles auch nicht überpolitisieren. Denn wenn wir mal ehrlich sind, dürfte sich kaum jemand, der sich jetzt über den Namen von Android 4.4 echauffiert darüber im Klaren sein, wie viele Marken von Nestlé stammen und welche man davon, allen Protesten zum Trotz, täglich konsumiert. Ein Boykott dieser Produkte ist wahrscheinlich die effizientere Möglichkeit, seinen Unmut gegenüber Nestlé — denn dass Google seine Entscheidung für KitKat als Namen für Android 4.4 zurücknimmt, wird, selbst bei den heftigen Protesten, die wir dennoch erwarten, kaum geschehen.

Was denkt ihr?

An dieser Stelle möchten wir euch zu einer Diskussion auffordern. War die Entscheidung zu Android „KitKat“ eine schlechte? Oder sollte man diese Entscheidung nicht überbewerten? Wir freuen uns auf eure (sachlichen) Kommentare.

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