Viel wird diskutiert über die angebliche Problematik der Android-Fragmentierung, nicht selten von Leuten, die wenig Ahnung von dem Thema haben oder von der konzeptionell anderen Entwicklung für iOS vorgeprägt sind. Es kommt selten vor, dass sich eine Stimme der Vernunft in die Diskussion einmischt. Aktuell erklärt einer der Entwickler der App „Pocket“ für Android, dass der Programmier-Aufwand für Android deutlich geringer ist als zuweilen dargestellt wird - und diese Beschäftigung sogar Spaß macht.

Wir erinnern uns: Pocket ist der neu gestaltete Nachfolge-Dienst von ReadItLater, der Mitte April mit einem Paukenschlag online ging. Mit Pocket kann man Artikel auf Webseiten markieren - mobil und im Desktop-Browser - und erhält diese sofort, von Seitenlayout und Werbung befreit, in einer auf Lesbarkeit bedachten Variante als Offline-Download auf allen mit dem eigenen Pocket-Account synchronisierten Geräten. Das Prinzip ist dasselbe wie bei den vergleichbaren Services Instapaper und Readability, Teil des Relaunchs war eine neu gestaltete Android-App. Mir persönlich gefallen der Dienst und die App so gut, dass ich sie seit dem neuen Design deutlich häufiger verwende als ReadItLater zuvor.

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Die Android-App ist gut programmiert. Man könnte anhand der anhaltenden Diskussion um die Android-Fragmentierung meinen, dass deren Programmierung sehr aufwändig gewesen sein muss. Doch Pustekuchen: Max Weiner vom Android-Entwicklungsteam der Pocket-App erläutert den Prozess in einem Blogposting.

Die kurze Version: Keine Panik.

Die lange Version: Den Entwicklern von Pocket hat es gereicht, auf zwei Android-Geräten zu entwickeln, wenngleich Max einräumt, dass die Entwicklung von Games andere Anforderungen stellt. Stattdessen wurde die ursprüngliche ReadItLater-App im Jahr 2010 zunächst auf einem Samsung Fascinate (abgewandelte Version des Samsung Galaxy S in den USA) und auf einem Nexus One mit Android 2.2 „Froyo“ entwickelt. Bei der Qualitätssicherung wurde die App einem eingeschränkten Kreis von 50 Benutzern mit einer größeren Bandbreite der zu dem Zeitpunkt verfügbaren Devices zur Verfügung gestellt.

Im März 2011 ging die ReadItLater-App dann online und war schnell eine der Top-News-Apps im Android Market. Gerätespezifische Probleme traten dabei nahezu gar nicht auf, man konnte bereits 90% der auf dem Markt befindlichen Geräte erreichen. Zu diesem Zeitpunkt waren Tablets noch kein allzu relevanter Formfaktor - für die heutige Entwicklung mit beschränkten Ressourcen empfiehlt Max allerdings, auch Tablets zu berücksichtigen.

Max lobt, dass mit den Design-Guidelines für die Holo UI von Ice Cream Sandwich, dem verbesserten Emulator, der in der Lage ist, verschiedene Formfaktoren und Bildschirmauflösungen abzubilden sowie Libraries für die Abwärtskompatibilität App-Programmierung für Android viel einfacher geworden ist - nicht zuletzt weil man eine Stilvorgabe hat, an die man sich halten kann und dank der das Erstellen „poliert“ wirkender Android-Apps viel einfacher ist.

Max schließt mit einem Plädoyer, die Möglichkeiten von Android zu „umarmen“. Denn es gibt genug Konzepte, die man als Android-Developer lieben muss, so zum Beispiel Push-Nachrichten, Hintergrund-Dienste, Share-Intents und Widgets. Empfehlenswert ist es, Android zu verwenden und die Plattform so verstehen zu lernen.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt besitzt das achtköpfige Pocket-Team 13 Android-Geräte, mit OS-Versionen zwischen Android 2.1 und 4.0. Zwar gibt es gelegentlich auch Geräte, die den Entwicklern Kopfschmerzen bereiten. Aber als Startpunkt für eine erfolgreiche Android-App, betont Weiner, reiche ein kostenloses Android-Smartphone als Vertragsbeigabe völlig aus.

Quelle: Pocket Blog

[Danke für den Hinweis an Martin B.]

Wie soll die nächste Version von Android heißen?

Frank Ritter
Frank Ritter, GIGA-Experte.

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