Free Your Android: Open Source als Gegengewicht [Meinung]

Lukas Funk 13

Vor gut einem Jahr startete die Free Software Foundation Europe (FSFE) ihre Kampagne Free your Android, die Nutzer dazu anhält, ihre Androiden mit quelloffener Software statt proprietären Apps von Google, Amazon oder anderen Anbietern zu betreiben. Warum dies nicht nur gut, sondern auch wichtig für jeden einzelnen Android-Nutzer ist, zeigt dieser Artikel.

Free Your Android: Open Source als Gegengewicht [Meinung]
In der vergangenen Woche hatten wir einen Meinungsartikel veröffentlicht, der eine Aktion der FSF für die Nutzung von Android komplett ohne proprietäre Software kritisierte. Da wir in der androidnext-Redaktion mitunter unterschiedlicher Meinung sind, veröffentlichen wir mit diesem Artikel eine Gegenrede.

Quelloffene Software ist gut, proprietäre Software ist schlecht – auf diese einfache Formel werden Anhänger der Open Source-Szene gerne reduziert, um sie im nächsten Schritt für ihre radikale Einstellung zu kritisieren. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht.

Die Vorteile von Open Source

Zurecht und immer wieder wird als herausragendster Vorteil quelloffener Software angeführt, dass freier Einblick in den Code Sicherheitslücken vorbeugt und Missbrauch ausschließt – 40 Augen sehen mehr als 2. Zwar ist auch diese Aussage nicht ganz ohne Ausnahme, wie zuletzt Heartbleed unter Beweis stellte, doch täte mobilen Betriebssystemen – allen voran Android – mehr Einblick in die ausgelesenen Daten von Nutzern gut.

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Wie oft schütteln wir Tech-Enthusiasten den Kopf, wenn Muttis Sudoku-App eingehende Anrufe mitzeichnen und SMS versenden möchte? Wie oft müssen wir dem kleinen Cousin noch erklären, dass man bei der Installation von Anwendungen nicht einfach Ja – Ja – Weiter klickt? Dabei geht es nicht nur um die Informationen, die die Big Player Google und Facebook von uns wollen, sondern ganz allgemein um die Unbedarftheit im Umgang mit persönlichen Daten. Würde ein Anbieter einen solchen Mechanismus in quelloffener Software verwenden wäre der Aufschrei groß. In Windeseile würden Entwickler die entsprechenden Code-Zeilen überarbeiten und eine App ohne unsinnige Berechtigungen kompilieren. Dies stellt einen weiteren wichtigen Punkt von Open Source dar – die Anpassbarkeit an eigene Bedürfnisse.

Nicht zuletzt profitiert auch der Entwickler davon, wenn er seine Anwendung quelloffen zur Verfügung stellt. Statt aktiv Mitarbeiter zu beschäftigen, die allesamt bezahlt werden wollen, wird eine App so kostenlos und von Enthusiasten weiterentwickelt, ohne die sie vielleicht nie benutzbar gewesen wäre. Nehmen wir zum Beispiel die CyanogenMod – hätte Steve Kondik seinerzeit die Ergebnisse seines Hobbys nicht frei ins Netz gestellt, würde CM heute womöglich nur auf seinem persönlichen HTC Dream laufen statt als Unternehmen das Interesse von Amazon, Samsung und Microsoft zu wecken.

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Alles heile Welt?

Da wir nicht alle Open Source nutzen muss es doch einen Haken an der Sache geben,oder? Natürlich gibt es den, und er liegt genau in den Punkten, die ich gerade als Vorteil aufgeführt hatte. Warum bietet uns Google seine Dienste kostenlos an? Weil wir im Austausch dafür unsere Daten bieten! Ein Open Source-Modell passt einfach nicht in unser System der kapitalistischen Marktwirtschaft, die für jede Leistung eine Gegenleistung fordert.

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Warum versucht Google derzeit wohl, eine App des AOSP nach der anderen durch Eigenentwicklungen zu ersetzen? Weil AOSP-Apps dahingehend abgeändert werden können, dass sie keine Daten mehr an das Unternehmen übermitteln. Was nützt es Google, wenn ich meinen AOSP-Kalender mit lokalen Einträgen nutze, ohne sie mit dem Google-Kalender zu synchronisieren? Also schnell eine eigene App in dem Play Store gestellt, die nicht ohne Google-Dienste nutzbar ist, aber das AOSP-Äquivalent ersetzt. Unter dem Vorwand der schnelleren Updates werden es die meisten Nutzer schon einsehen.

Und während wir wohl davon ausgehen können, dass Google unsere Daten „nur“ zur eigenen Bereicherung über den Verkauf von Werbung nutzt, sind bei Anbietern wie etwa der oben genannten Sudoku-App böswillige Absichten nicht auszuschließen.

Was hat das jetzt mit der FSFE zu tun? Deren Forderungen nach einem völlig quelloffenen Android mögen hanebüchen klingen, da gebe ich Kollege Kaan schon recht. Doch rufen sie ein nach wie vor bestehendes und sträflich vernachlässigtes Problem ins Bewusstsein: Wir müssen mehr darauf achten, wem wir unsere Daten anvertrauen. Das Benutzen ausschließlich quelloffener Software stellt einen möglichen und für einige Nutzer sogar tatsächlich praktikablen Weg dar. Alle anderen sollten die Aufforderung aber zumindest als Denkanstoß verstehen.

Quelle: Free Software Foundation Europe

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