Apple Pay nur selten benutzt: Hat der Bezahldienst ein „Siri-Problem“?

Florian Matthey 4

Hat Apple Pay ein Siri-Problem? Eine US-Journalistin zieht nach anderthalb Jahren ein erneutes Resumé: Der Bezahldienst sei ebenso wie Siri praktisch – wenn er denn funktioniert. Wenn er mehrmals nicht funktioniert, benutze man ihn aber nie wieder.

Apple Pay nur selten benutzt: Hat der Bezahldienst ein „Siri-Problem“?
Bildquelle: Apple.

Apple Pay ist in den USA mittlerweile anderthalb Jahre erhältlich; mittlerweile gibt es zwei Millionen Bezahl-Terminals, die das drahtlose Bezahlen mit dem iPhone oder der Apple Watch unterstützen. Das heißt aber nicht, dass Apple Pay an all diesen Orten so reibungslos funktioniert, wie es eigentlich funktionieren sollte. Nach den Erfahrungen von Katherine Boehret von The Verge, die sich mit denen ihrer Kollegen, Familienmitgliedern und Bekannten decken, ist eher das Gegenteil der Fall.

Boehret beschreibt, wie sie kürzlich im Drive Thru von McDonald’s bezahlen wollte. Auf die Frage, ob „Apple Pay“ möglich sei, habe die Mitarbeiterin mehrmals gefragt, ob sie Apfelkuchen („Apple Pie“) wollte. Nachdem Boehret ihr iPhone zeigte, wollte die Mitarbeiterin dieses mit in den Laden nehmen, um die Bezahlung durchzuführen. Nachdem ihr Boehret erklärte, dass sie doch ihren Finger auf den Fingerabdrucksensor legen müsste, während die Bezahlung erfolgt, musste die Mitarbeiterin das Bezahlterminal erst zum Schalter holen und aus dem Fenster zeigen. Und dann funktionierte die Bezahlung erst beim zweiten Versuch.

Dieser Vorfall sei alles andere als ein Einzelfall: An zahlreichen Orten wüssten die jeweiligen Mitarbeiter nicht, wie Apple Pay funktioniert – oder die Apple-Bezahlfunktion ist nicht aktiviert, obwohl die jeweiligen Geräte sie eigentlich unterstützen. In der Fastfood-Kette „Pret à Manger“ musste Boehret schon zum Bezahlen mehrmals die Kasse wechseln, um an ein Terminal zu gelangen, das Apple Pay unterstützt.

Letztendlich sei Apple Pay ähnlich wie Siri: Wenn es gut funktioniert, sei es wunderbar. Da dies aber nicht immer der Fall sei, seien Benutzer schnell frustriert und setzten dann wieder auf Altbekanntes – in den USA also vor allem auf Kreditkartenzahlungen. Boehrets Erfahrungen decken sich mit Umfragen: Im Dezember 2015 berichteten 300.000 Benutzer von Apple-Pay-fähigen Geräten gegenüber Marktforschern, dass sie Apple Pay selbst dann kaum benutzten, wenn Läden die Bezahlung unterstützen. Im Vergleich zum Vorjahr war der Anteil derer, die sich für eine Apple-Pay-Bezahlung entscheiden, sogar geschrumpft.

Andererseits ist Apple Pay für Bezahlungen innerhalb von Apps – wenn also keine Bezahlterminals erforderlich sind – mittlerweile sehr beliebt. Hier gibt es keine Probleme in Sachen Funktionalität, so dass Kunden hier offenbar bereit sind, von Altbewährtem – also der Eingabe der Kreditkartendaten – abzurücken.

Apple Pay ist aktuell in den USA, Großbritannien, Kanada und China erhältlich, bald soll es in Frankreich, Spanien, Singapur und Hong Kong starten. Zu Plänen für andere europäische Länder hat sich Apple noch nicht geäußert.

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