Warum interessiert sich (noch) niemand für mobile Payment?

Johann Philipp 6

Es ist schon lange möglich, es macht nur niemand: Bezahlen mit dem Smartphone. Warum interessiert sich niemand für kontaktloses Bezahlen über NFC?

Warum interessiert sich (noch) niemand für mobile Payment?
Bildquelle: iStock (simpson33).

Haben Sie noch zwei Cent? Solche Fragen kennen wir alle vom letzten Supermarkteinkauf. Jedenfalls, wenn man bar bezahlt. Aber warum tun wir uns das an? Lieber stopfen wir unsere Geldbörsen mit Münzen voll, als einfach schnell mit dem Smartphone oder der NFC-Karte zu zahlen. Woran liegt das? Ist es zu unsicher? Kennen wir die Angebote nicht? Warten alle nur auf Apple Pay? Ein Erklärungsversuch:

Ist es unsicher?

Bei einer kontaktlosen Zahlung werden dieselben Daten erhoben wie bei einer normalen Kartenzahlung. Diese werden für die Bank, den Händler und den Kunden gespeichert. Der einzige Unterschied liegt darin, wie die Daten zum Lesegerät übertragen werden. NFC nutzt dabei eine Funkverbindung, die nur bei einem sehr geringen Abstand zwischen Gerät und Karte funktioniert. Bei der normalen Kartenzahlung werden die Daten vom Magnetstreifen gelesen.

Die Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit gibt zu Bedenken, dass die Zahlungsfunktion durch Dritte missbraucht werden kann, personenbezogene Daten wie Kreditkartennummern oder Zahlungshistorien ausgelesen und darüber hinaus Bewegungsprofile der Nutzer erstellt werden können. Das klingt abschreckend, doch diese Gefahren treffen auf alle zu, die per Karte bezahlen – egal ob kontaktlos oder nicht.

In unserer GIGA-Umfrage bewerten 20 Prozent der Befragten kontaktloses Zahlen unsicherer als Bargeld. Der größte Nachteil von kontaktlosem Bezahlen ist laut unserem Ergebnis jedoch, dass man nicht weiß, wo man es nutzen kann. Da muss man sich fragen:

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Kennen wir die Angebote nicht?

Zurzeit gibt es nur ein unübersichtliches Angebot von meist anbieterspezifischen Apps und Konzepten. Selbst wenn man der Technik offen gegenübersteht, ist es schwer einen Überblick zu bekommen. Der größte Schwachpunkt sind die uneinheitlichen Systeme. Dabei könnte es so einfach sein: Es gibt nur drei Methoden, um kontaktlos zu bezahlen. Über eine App, wie etwa boon., über einen QR-Code, wie bei den Apps von Rewe und Edeka, oder über NFC. Letzteres klappt mittlerweile bei allen großen Einzelhändlern. Wer eine passende Kreditkarte hat, kann sofort loslegen und auch mit einem Android-Smartphone lässt sich damit bezahlen, wenn es einen NFC-Chip besitzt. Allein Apple gibt seinen Chip nicht für Drittanbieter frei.

Warten alle auf Apple Pay?

„Ein System wird die Vorreiterrolle einnehmen“, sagt Fachanwalt Markus Feck von der Verbraucherschutzzentrale NRW. Ob es Apple Pay sein wird, oder ein System von den deutschen Banken, müssen wir noch abwarten. Apples Lösung ist in vielen anderen Ländern schon verfügbar und ein intuitives, sicheres und einfaches System. Doch eigentlich müssten alle auf Android Pay warten, denn die Verbreitung des Betriebssystems ist viel höher. Egal welches System als Erstes verfügbar ist, es würde eine breite Öffentlichkeit auf das Thema aufmerksam machen. In anderen Ländern belächelt man dagegen die deutsche Liebe zum Bargeld:

Ein Blick zu unseren Nachbarn

Wer in Schweden mit Münzen und Scheinen zahlt, ist ein Außenseiter. Sogar die Kirche sammelt die Kollekte lieber bargeldlos ein – mit einem Kollektomat. Die Schweden zücken in der Bäckerei genauso selbstverständlich die Karte wie am Kiosk und in der Bar. Laut einer aktuellen Studie von PWC werden dort nur noch etwa 20 Prozent der Transaktionen im Einzelhandel mit Bargeld abgewickelt. In Deutschland sind es noch 78 Prozent. Wo liegt der Unterschied?

Die schwedischen Banken haben ein einheitliches System entwickelt: NFC-fähige Kreditkarten und die App „Swish“ werden überall akzeptiert. Im Supermarkt wird per Karte bezahlt und auf dem Wochenmarkt, wo man bei uns ohne Bargeld aufgeschmissen ist, kommt die App zum Einsatz. Wie WhatsApp und andere Smartphone-Messenger ist Swish an eine Handynummer gebunden. Für Überweisungen benötigt man lediglich diese Nummer. Um Missbrauch zu vermeiden, werden ausgehende Zahlungen über eine elektronische Signatur bestätigt. Um etwas zu bezahlen, gibt man die Telefonnummer des Händlers in die Swish-App ein und der Betrag wird direkt vom eigenen Konto abgebucht und dem Verkäufer gutgeschrieben.

Es ist kein Hexenwerk und funktioniert. Allerdings sind die Schweden auch schon seit langer Zeit nicht so stark aufs Bargeld fixiert, wie die deutsche Bevölkerung. Wann wir hier so weit sind, kann man noch nicht abschätzen. Allerdings sind zwei Faktoren für den Erfolg von mobile Payment wichtig: Wir brauchen ein einheitliches System, das Sicherheit und Datenschutz gewährleistet, einfach zu bedienen ist und einen wirklichen Mehrwert bietet und auch beim Bäcker, auf dem Wochenmarkt und in der Kneipe um die Ecke akzeptiert wird.

Quelle: PWC, Handelsblatt

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