Apple Pay und Co.: Bezahlverfahren haben in Deutschland keine Chance!

Sven Kaulfuss 17

Und, schon mal mit dem Smartphone an der Kasse bezahlt? Wenn du diese Frage bejahst, gehörst zur absoluten Minderheit in den teutonischen Gefilden. „Mobile Payment“ ist gegenwärtig und auch zukünftig hierzulande kein Thema. Warum nur, frag ich mich diese Woche in meiner Kolumne.

Apple Pay und Co.: Bezahlverfahren haben in Deutschland keine Chance!
Bildquelle: Apple.

Aus der Luft gegriffen beziehungsweise in der Bastelstube von Wolkenkuckucksheim zusammengezimmert ist diese meine Behauptung nicht, denn zu dieser pessimistischen Quintessenz kommt die aktuelle Studie der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman. Die Herren und Damen befragten über 2.000 Teilnehmer zur Akzeptanz des mobilen Bezahlens mit dem Smartphone. Das Ergebnis der Studie lässt den Innovationsstandort Deutschland so richtig schlecht aussehen. 93 Prozent der Befragten nutzen die Möglichkeiten nicht, nur bescheidene 7 Prozent zahlten schon mal am Point-of-Sale (PoS; auf gut deutsch der Verkaufsort) mit ihrem Telefon. Schaut man sich dann noch die Umsätze in 2017 an, offenbart sich ein noch unheilvolleres Bild: 48 Prozent verfallen auf Bargeld, 40 Prozent auf Debit- und Kreditkarten und 0,0 Prozent gerundet am Ende auf mobile Bezahlverfahren. Ergo: Mobile Payment hat in Deutschland keinerlei Relevanz.

Mobile Payment in Deutschland: Geh mir weg damit!

Hinzu kommt eine grundlegende Abneigung gegenüber den neuen Bezahlverfahren. Nur ein Drittel der gegenwärtigen Nichtnutzer würde in Zukunft Verfahren des Mobile Payments nutzen wollen, die Mehrheit von 44 Prozent lehnt dies ab, 23 Prozent sind sich noch unschlüssig.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Im internationalen Vergleich hinkt der deutsche Michel mit dieser Einstellung so ziemlich hinterher. Insbesondere in Nordeuropa und nicht zuletzt in China zahlen Kunden bereits mit Mobile-Payment-Apps fürs Smartphone. Laut Berechnungen der Deutschen Bundesbank wurde 2017 in China bereits 56 Prozent des gesamten Zahlungsvolumens mobil bezahlt, zum Einsatz kamen Messenger Dienste wie Alipay und WeChat.

Mobiles Bezahlen per App: Die 5 Gründe fürs Scheitern

Da stellt sich doch die berechtigte Frage warum dies hier so ist? Die Gründe sind vielfältig:

1. Fragmentierung: Es gibt keinen gemeinsamen Standard fürs mobile Bezahlen, jeder kocht sein eigenes Süppchen – die Kunden sind verwirrt. Des Weiteren lässt der Branchenpionier Apple, der das Zeug hätte, einen allgemeingültigen Standard zu schaffen, noch immer auf sich warten. Auch vier Jahre nach der Vorstellung von Apple Pay ist der Bezahldienst in Deutschland noch immer nicht angekommen, potentielle Interessenten und Kunden werden immer wieder vertröstet. Dabei hält Apple bis zu 90 Prozent Marktanteil für mobile Bezahlverfahren überall dort, wo Apple Pay auch tatsächlich verfügbar ist. Und Apple Pay gibt’s mittlerweile in 21 Ländern, demnächst auch in Norwegen, Polen und der Ukraine.

2. Alternative kontaktlose Kredit- und Girokarten: Immerhin haben 36 Prozent schon die Möglichkeit, diese zu nutzen. 43 Prozent tun dies auch schon, so die Studie von Oliver Wyman.

3. Die Liebe zum Bargeld: Der Deutsche vergöttert seine bedruckten Geldscheine, gibt ihm das offizielle Zahlungsmittel doch ein vermeintliches Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit. Ob dies tatsächlich so ist, sei dahingestellt. Fakt ist: Die Mehrheit aller Transaktionen wird hierzulande noch immer in Cash vorgenommen, wenngleich die Werte leicht sinken – 48 Prozent in 2017, davor noch 53 Prozent. Fakt ist auch: Für Bargeldtransaktionen müssen Einzelhändler keine Gebühren an die Banken abdrücken, für die restlichen Bezahlverfahren obgleich schon. Warum sollte der Handel also „aufrüsten“?

4. Der Teufelskreis der Innovation: Erst wenn die Nachfrage nach Mobile Payments steigt, wird am Ende auch der Handel vermehrt nachrüsten. Allerdings steigt die Nachfrage auch wohl erst dann, wenn mobile Bezahlverfahren verstärkt angeboten werden – der übliche Teufelskreis bei neuen Standards und Innovationen.

5. Instant Payments statt Mobile Payments? Die neuen sekundenschnellen Zahlungen befinden sich in Lauerstellung bei den Banken, ein einheitlicher und sicherer Standard ist in der Zukunft eine ernsthafte Konkurrenz für die derzeitigen Anbieter und ihre Lösungen, die Instant Payments derzeit nicht abdecken. Wer mehr zu den Instant Payments wissen möchte, dem empfehlen wir einen Blick in die folgende Bilderstrecke.

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11 Bilder
Echtzeitüberweisung statt Bargeld: Die „Instant Payments“ kommen dieses Jahr.

Zusammengefasst: Die Zukunft ist derzeit recht ungewiss und echte Standards und eine Zukunftsgarantie gibt’s bei den mobilen Bezahlverfahren noch nicht. Da bleibt sich der Deutsche treu und hält lieber an traditionelle Zahlungsmittel fest. Ich meine, selbst die Kreditkarte hat sich ja noch nicht mal flächendeckend in allen Bereichen hierzulande durchgesetzt. Kann man ihm da wirklich diese Abneigung verdenken?

Bitte zahlen! Aber wie?

Neue und bekannte Zahlungsarten buhlen um die Gunst der Kunden am PoS (Point of Sale) – welchen Erfolg haben sie bei dir?

Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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