Apple Store: Diebstahlschutz hat keine Priorität

Flavio Trillo 6

Apple Stores sind gefüllt mit teurer Technik, hochwertigem Zubehör und mehr. Begehrte Ware, die immer mal wieder zum Ziel von Dieben wird. Große Sorgen macht man sich in Cupertino deswegen aber nicht. Dies brachte ein Gerichtsverfahren ans Licht.

In dem Verfahren klagen zwei Angestellte eines Apple Stores gegen ihren Arbeitgeber. Sie seien nach Ende ihrer bezahlten Arbeitszeit dazu genötigt worden, in langen Schlangen auf Taschenkontrollen zu warten. Dafür hätten sie wöchentlich 90 Minuten ihrer Freizeit aufgebracht und verlangen je 1.000 US-Dollar Ausgleichszahlungen.

Im Rahmen der Vorverhandlung („Discovery“) wurden Vertreter beider Parteien zur Sache gehört. Für Apple sagte Carol Monkowski aus, sie ist Leitende Angestellte und verantwortlich für die Apple Stores. Gary Allen fand in den Aufzeichnungen ein paar interessante Details zu Apples Sicherheitspolitik in den Stores.

Der Diebstahlschutz in den Stores habe nur geringe Priorität. Das gilt sowohl für die Mitarbeiter, als auch den Publikumsverkehr. Taschenkontrollen gebe es nur sporadisch, wenn überhaupt. In jedem Fall führe man keine Kontrollen dieser Maßnahme durch — ob sie also in den Stores geschehen oder nicht, wisse man in Cupertino gar nicht genau.

Statt dessen sei man stets darauf bedacht, dem Kunden das Erlebnis im Store so positiv wie möglich zu gestalten. Dazu gehöre einerseits, den Kunden nicht stets Diebstahlvorsatz zu unterstellen. Das gleiche gilt für Angestellte.

Im Interesse einer angenehmen, positiven Arbeitsatmosphäre trete man den Mitarbeitern mit Vertrauen gegenüber. Dementsprechend gering ist auch der Anteil der Lektionen zu Diebstahlschutz am 80-Stunden-Training eines jeden Mitarbeiters. Nur 30 Minuten, also etwa 0,6 Prozent der Ausbildung, werden auf dieses Thema verwendet.

„Wir haben keinen großen Schwund und keine großen Verluste in den Stores“, erklärt Monkowski. Bemerkt werden Diebstähle durch Mitarbeiter oder Kunden (jedenfalls solche im kleinen Stil) nur im Rahmen einer halbjährlichen Inventur. Doch offenbar sind die Fehlbeträge regelmäßig kein Grund zur Besorgnis.

Ein ähnliches Bild bot sich uns auch während der Eröffnung des Berliner Apple Stores im Mai 2013. Dort erfuhren wir, dass Sicherheitspersonal ausschließlich zur Sicherung der Mitarbeiter vor den Menschenmassen — nicht aber zur Bewachung des Inventars anwesend sei. Zudem gibt es in Berlin keinerlei elektronische Sicherheitsmaßnahmen an den Ausgängen.

„Wir vertrauen unseren Kunden“, teilte ein Mitarbeiter uns mit. Offenbar zahlt sich diese Haltung aus, denn auch wenn wir ab und zu von spektakulären Raubzügen oder Diebstählen in und um Apple Stores hören, hat sich Apples Sicherheitspolitik diesbezüglich nicht geändert.

Im Übrigen ergab sich aus den Gerichtsakten noch die eine oder andere Zahl zu Apples Filialen in den USA. Hier arbeiten 42 Prozent aller weltweiten Store-Angestellten. Im Apple Store an der Fifth Avenue in New York City sind 779 Verkäufer und Spezialisten angestellt — mehr als überall sonst. Das Geschäft hat aber auch 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche geöffnet.

Übrigens: Der Ausgang des Prozesses ist noch nicht absehbar. Allerdings lesen sich die Aussagen von Monkowski und der Store-Manager verdächtig ähnlich — als seien sie von Apples Anwalts-Team zuvor auf bestimmte Formulierungen eingeschossen worden. Die Kläger wollen aufgrund der hohen Zahl der potentiell Betroffenen eine Sammelklage erreichen. Dazu müssen sie aber natürlich erst einmal nachweisen, dass die Taschenkontrollen überhaupt stattgefunden und entsprechend lange gedauert haben.

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