ZOMM: Bluetooth-Leine für Smartphones im Test

Amir Tamannai 1

Wer kennt das nicht: Den ganzen Tag im Café rumgegammelt und dann plötzlich doch noch aufgebrochen oder morgens übereilt das Haus verlassen – und vor lauter Hetze das Smartphone liegen lassen. Der ZOMM-Schlüsselanhänger soll solchen Fauxpas künftig via Bluetooth-Koppelung und lautem Alarm entgegenwirken – und dabei gleichzeitig noch als Freisprecheinrichtung, Panikalarm und Rettungsleine zur Notrufzentrale wirken. Ob und wie das funktioniert, haben wir ausprobiert.

„Alamierend schlau“, ein „must have“ und „von der Familie der Erfinderin/Mutter empfohlen“ – liest man die Lobpreisungen auf der Verpackung des ZOMM, ist man hin- und hergerissen: handelt es sich wirklich um ein tolles Gadget, das nur ein bisschen amerikanisch-lachhaft übertrieben-unglaubwürdig beworben wird oder handelt es sich um ein Stück Plastik, das die übertriebenen Anpreisungen nötig hat?

Konzeptionell klingt eine „unsichtbare Leine“ für ein Smartphone ja ganz praktisch; per Bluetooth mit dem Gerät verbunden schlägt der ZOMM Alarm, sobald sich jenes zu weit entfernt oder die Verbindung abbricht. Und das funktioniert soweit tatsächlich auch ganz gut: In unserem Test begann ZOMM erst mal dezent zu vibrieren und dann energischer zu tönen – und auch erst, als ich das Büro verlassen und mich im Treppenhaus ein paar Stufen nach unten bewegt hatte. Gleiches passierte übrigens auch, als die BT-Verbindung gekappt wurde. Die Distanz zum Smartphone, bei der der Alarm ausgelöst wird, variiert leider je nach Umgebung; eine exakter Sicherheits-Radius lässt sich nicht festlegen.

Weiterer Nachteil, der allerdings BT-systemimmanent ist, ist in diesem Zusammenhang, dass relativ viel Raum zwischen ZOMM und Smartphone gebracht werden muss, bevor etwas passiert. Das sorgt zwar einerseits dafür, dass dem ZOMM nicht immer und ständig lospiept – bedeutet umgekehrt aber auch, dass erst mal nichts passiert, wenn man das Smartphone beispielsweise beim Aussteigen in der U-Bahn liegen lässt; zumindest nicht, bis der Zug sprichwörtlich abgefahren ist.

Was gut funktioniert ist das Koppeln des ZOMM mit dem Smartphone: Einmal gepairt erkennt der kleine Helfer das Smartphone mit eingeschaltetem Bluetooth selbstständig und verbindet sich automatisch – auch wenn man nach verlorener Verbindung wieder zurück in die Nähe des Gerätes kommt.

Selbstredend ist natürlich, dass das alles nur funktioniert, solange sowohl Smartphone- als auch ZOMM-Akku aufgeladen sind. Das ZOMM kommt immerhin mit eigenem Micro-USB-Ladegerät (ach, ein Schlüsselanhänger und ein peinlicher praktischer Gürtelclip sind auch dabei).

Zwischenfazit zum „Kerngeschäft“ des ZOMM, der unsichtbaren Leinenfunktion: Funktioniert soweit, ist praktisch und nicht unclever.

Was kann ZOMM noch? Theoretisch soll das kleine Gadget auch als Freisprecheinrichtung über Bluetooth arbeiten: Einmal gekoppelt, werden eingehende Anrufe optisch wie akustisch auf dem ZOMM angezeigt und können über den großen Button angenommen werden. Soweit so gut, wenn die Sprachqualität nicht so gruselig wäre. Ja, auch das ist teilweise systemimmanent – wer „richtige“ BT-Freisprecheinrichtungen nutzt, weiß, dass diese zuweilen gerne herumspinnen und Sprache manchmal zeitversetzt übertragen. Das ZOMM übertrug das gesprochene Wort in unserem Feldversuch allerdings auf das Gerät des Gesprächspartners sehr abgehackt und so stark verzögert, dass ein flüssiges Gespräch nicht wirklich möglich war – im Prinzip hätte man wie beim Funkverkehr jeden Satz mit „Over“ beenden müssen, damit das Gegenüber halbwegs weiß, wann es sprechen kann. Außerdem ist der kleine Lautsprecher im ZOMM hoffnungslos überfordert und scheppert stark. Wir haben das Ganze im stillen Kämmerlein ausprobiert und unsere Probleme gehabt – im Auto oder gar öffentlichen Räumen dürfte ob der Umgebungsgeräusche gar nichts mehr gehen.

Die zwei weiteren Funktionen „Panikbutton“ und „Notruf“ sind aus zweierlei Gründen halbwegs sinnlos: Der Notruf, den wir aus naheliegenden Gründen nicht ausprobiert haben, verbindet den Nutzer mit einer zuvor definierten Nummer (zum Beispiel 110). Doof nur, dass zum Aktivieren der ZOMM-Knopf solange gedrückt gehalten werden muss, biss erst der Panikalarm losgeht … und dann weiter gedrückt gehalten werden muss, bis dieser wieder aufhört – dann erst wird die Verbindung zur Notrufzentrale hergestellt. Zwar ist die Tatsache, dass der Panikalarm gleichzeitig mit dem Notruf aktiviert wird durchaus sinnig; dennoch wäre es begrüßenswert für jemanden, der gerade einen Herzinfarkt oder ähnliches Schlimmes erleidet, wenn er nicht über 15 Sekunden lang auf den Knopf drücken müsste. Außerdem: Wenn die Verbindung zur Notrufzentrale mit derselben Sprachqualität wie die regulären Freisprech-Konversationen aufwartet (und davon ist auszugehen), könnte das problematisch bis gefährlich werden.

Der eben bereits erwähnte Panikbutton ist auch so ein „Naja“-Feature: Erst muss man wieder ewig auf den Knopf drücken, bis der Alarm losgeht, dieser ist dann nicht gerade ohrenbetäubend – was zwar schonend aber wenig alarmierend ist – und er lässt sich mit einem kurzen Druck auf den einzigen Button des ZOMM wieder abschalten – etwaige Angreifer haben von der Panikfunktion des kleinen „Helfers“ also nicht viel zu befürchten.

Fazit

Was die Erfindung der Mutter von Zachry, Olivia und Madison uns also bietet, ist eine okaye Handysicherung. Und ja, von mir aus sind die vorhandenen Panikbutton-, Notruf- und Freisprechfunktionen besser als gar nichts. Würde der ZOMM nun 10, 15 oder von mir aus auch 20 Euro kosten, hätte ich gesagt: Wer’s braucht, kann’s kaufen. Tut es aber nicht. Das Zomm kostet 79,90 Euro! Und es lässt sich nach meinen Recherchen auch nur direkt auf der ZOMM-Webseite bestellen, auf der die ZOMM-Mum und ihr Husband dem Kunden wenigstens noch eine 30-tägige Rückgabeoption einräumen. In diesem Sinne: Wer’s braucht … schaut sich lieber nach anderen Lösungen um. Oder wartet, bis die Frau ZOMM ein Einsehen hat und den Preis für den Schlüsselanhänger deutlich senkt.

Ich habe jetzt den Rest des Tages übrigens diesen Clip vor meinem geistigen Auge.

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Amir Tamannai
Amir Tamannai, GIGA-Experte.

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