Dark Meadow: Grafikkracher für Horror-Fans

Ade Adebowale 3

Ein Krankenhaus. Ein Held. Eine Stimme aus dem Off und jede Menge Fragen. Dark Meadow: Der Pakt von Entwickler Phosphor ist ein düsteres Game mit einer mehr oder weniger undurchsichtigen Story und einer Prise Action für sammelwütige Hobby-Monsterjäger. Nachdem iOS-Geräte beglückt wurden, kann das Spiel nun auch auf Android-Gerääten ausgeführt werden - zumindest solchen mit Tegra 3-Chipsatz.

Dark Meadow im Videotest

Dark Meadow: Der Pakt - Game-Review - androidnext.de.

Die Story von Dark Meadow

Wer kennt das nicht? Man wacht auf, ist desorientiert und das Bett in dem man liegt, ist nicht das eigene – sofort wird klar, dass man so schnell und so unauffällig wie möglich das Feld räumen muss … Im realen Leben geht einer solchen Situation eine Nacht mit viel Alkohol und – geschlechtsunabhängig – fragwürdigen Entscheidungen voraus. In Dark Meadow: Der Pakt verhält es sich dann doch ein wenig anders.

Ihr verkörpert einen namenlosen und im Spiel zunächst auch stummen Helden, der in einem verfallenen Krankenhaus irgendwo in der Wildnis aufwacht. Die einzige Person die ihr nach eurem Erwachen zu sehen bekommt, ist ein alter Mann in einem Rollstuhl, der scheinbar wirr vor sich hinbrabbelt, euch aber vor etwas oder jemandem warnen will, nur, um dann panisch wieder in die Schatten zu verschwinden.

Was ist passiert? Wo befindet ihr euch? Wann befindet ihr euch und warum? Fragen, die ihr euch in Dark Meadow: Der Pakt auf eigene Faust beantworten müsst. Als übergeordnetes Ziel der Story ist es eure Aufgabe, einen Weg aus dem halb verrotteten und heruntergekommenen Krankenhaus zu finden, in dem ihr aufgewacht seid. Außer der Stimme des Alten, die euch im späterer Spielverlauf ständig über die Lautsprecher für die Krankenhausdurchsagen begleitet und stellenweise auch anleitet, gibt es allerdings kaum Anhaltspunkte, wie ihr diesem seltsamen Ort entfliehen könntet und was es überhaupt mit ihm auf sich hat. Die Zeitungsartikel, Tagebücher und Notizen, die ihr in den heruntergekommenen Räumlichkeiten findet, liefern euch allerdings Informationen, die sich mit fortschreitendem Spielverlauf zu einer recht spannenden Geschichte entwickeln … und dann ist da noch dieses hell leuchtende Geisterhafte Wesen – um euch die Auflösung der Story nicht vorweg zu nehmen, belassen wir es einfach bei diesen einleitenden Worten.

Gameplay


Dark Meadow: Der Pakt ist schwer in ein Genre einzuordnen, allerdings kann man es aufgrund der vorhandenen Spielelemente und Gegebenheiten wohl als First-Person-Hack-and-Slay-Game beschreiben, das mit einer Prise Rollenspiel-Adventure abgeschmeckt ist. Angepasst an die Steuerungsmöglichkeiten, die für mobile Geräte gegeben sind, präsentiert sich Dark Meadow: Der Pakt mit einer sehr natürlichen und intuitiven Bedienung, die es relativ leicht macht, einen Einstieg in die etwas morbide Gedankenwelt der Entwickler von Phosphor Game Studio zu finden.

Bewegen könnt ihr euch, indem ihr auf grün leuchtende Kreise auf dem Boden tippt, umschauen mittels Wischen über den Bildschirm, Gegenstände werden eingesammelt und Schubladen und Türen geöffnet, in dem man darauf tippt. Die im Spiel angewandte Steuerungsmechanik bewegt sich trotz oder gerade ob ihrer Simplizität auf einem schmalen Grat: Man hat ständig das Gefühl, dass jede Aktion – sei es vor allem das Laufen oder das Kämpfen – „entschleunigt“ wird. Und so fehlt dem Spiel stellenweise ein bestimmter „Flow“; was nicht wirklich schlimm, aber irgendwie bedauerlich ist.

Auf euren Streifzügen durch die Flure des alten Gemäuers werdet ihr neben Edelsteinen, Schriftstücken und dem sehr seltenen Medikit (in einem Krankenhaus!), unter anderem sehr viel Gold (in einem Krankenhaus?) finden, das auf wunderbare Weise überall zu liegen scheint: in und auf Schränken, außen auf dem Fensterbrett, auf Stützbalken und in staubigen Ecken. Gold ist wichtig, um sich im Shop neue und stärkere Waffen und Amulette zu kaufen. Amulette verleihen euch meist Gesundheits-, Verteidigungs- oder Glücks-Boni, die verfügbaren Waffen – Armbrust und Schwert – verursachen in der Regel einen höheren Schaden, können aber auch mit Attributen wie zusätzlicher Lebensenergie, Block-Boni und ähnlichem gespickt sein.

Nicht weniger wichtig, wenn auch selten zu finden, sind Edelsteine. Wenn ihr zehn von diesen gesammelt habt, bekommt ihr einen ordentlichen Talentpunkte-Boost. Die Talentpunkte könnt ihr dann auf die folgenden Helden-Attribute verteilen, wie euch beliebt: Gesundheit, Verteidigung, Blocken, Nahkampfangriff, Distanzangriff und Neu Laden (vermutlich ausschlaggebend für die Ladegeschwindigkeit der Armbrust). Neben dem Gold und den Edelsteinen wären da noch die sogenannten Sonnenmünzen. Diese erhaltet ihr, wenn ihr eine Kill-Serie erreicht –je höher die Kill-Serie, desto mehr Sonnenmünzen dürft ihr euer eigen nennen. Wer es lieber „schnell und schmutzig“ mag, kann sich Sonnenmünzen gegen echtes Geld kaufen oder eines der angebotenen Games im Menü unter dem Button „kostenlos“ downloaden. Auch hierfür wird euch eine gewisse Anzahl Sonnenmünzen gutgeschrieben.

Bestimmte Ausrüstungsgegenstände, wie Bomben oder Medikits bekommt ihr ausschließlich im Tausch gegen Sonnenmünzen. Bei den Waffen und Amuletten gibt es immer auch Alternativen, die sich mit Gold zahlen lassen. Dafür verpasst ihr allerdings so illustre Waffen wie „Die Wurst am Stiel“ und das „Pappschwert“, oder müsste zumindest ewig darauf hinsparen.

Waffen werden in der Realität und im Spiel meist gebraucht, um etwas oder jemandem auf möglichst unkomplizierte und schnelle Art und Weise die weitere Existenz zu verweigern – Dark Meadow: Der Pakt bildet da keine Ausnahme: Die Kämpfe stellen ein wichtiges Element des Spiels dar und laufen – gefühlt – rundenbasiert ab. Als Spieler stehen euch die Optionen links oder rechts Ausweichen, Blocken oder Angreifen zur Verfügung. Der Angriff mit dem Schwert erfolgt wie beim Umschauen durch Wischen über den Bildschirm. Da die Gegner sich zu Beginn ihrer Attacken langsam bewegen, kann man in der Regel sehr gut einschätzen, in welche Richtung man ausweichen sollte. Als Faustregel gilt: Immer in Richtung des Angriffs lehnen, um dem Schlag auszuweichen. Nach einem erfolgreichen Ausweichen oder Blocken einer gegnerischen Attacke, erhaltet ihr eurerseits die Möglichkeit, dem Gegner ordentlich auf die Mütze zu geben.

Während das natürliche Verhalten eines Gamers, den Spiel-Tod in einer solchen Situation zu vermeiden, absolut nachvollziehbar ist, fiel in Dark Meadow: Der Pakt auf, dass es durchaus Vorteile bringen kann, hier und da in die verrotteten Dielen oder gesprungenen Kacheln der gruseligen Heilanstalt zu beißen – der Grund: Eigentlich kann man im Spiel nicht wirklich sterben und so bleiben Charakter-Level und Attribute sowie Waffen und Inventar nach dem Pixel-Tod erhalten. Die Wiederauferstehung findet zwar immer im gleichen Raum statt, dank eines Transfersystems kann man aber von dort aus direkt zum Beginn des zuletzt besuchten Levels reisen.

So lohnt es vor allem an Stellen, an denen die Gegner zu stark werden zuweilen, die letzten Schritte zu wiederholen und so noch einmal die altbekannten „Verstecke“ nach Gold, Edelsteinen und Story-Fragmenten zu durchstöbern. Gerade Schriftstücke und Edelsteine finden sich immer wieder an Orten, die man bei einem früheren Durchgang bereits durchsucht hat. Mit dem gefundenen Gold lassen sich dann noch stärkere Waffen kaufen, die euch helfen sollten, den vorher unüberwindbaren Gegner zu Feinstaub zu verarbeiten. Um die Balance zu gewährleisten, werden natürlich auch eure Gegner mit jedem Sieg stärker. Insgesamt wirken die einzelnen Elemente des Gameplay gut durchdacht und lassen im Bezug auf Spielbarkeit und Spielfluss kaum Wünsche offen.

Sound und Grafik

Grafisch ist Dark Meadow: Der Pakt wirklich gelungen - wobei die Beschränkung auf den leistungsfähigen Tegra 3-Chipsatz es den Entwicklern auch leichtgemacht haben dürfte. Gerade für einen kostenlosen Download leistet die Unreal Engine 3 ganze Arbeit und weiß mit sehr schönen Licht- Schatten- und Partikeleffekten zu beeindrucken. Die dunklen Gänge und die im fahlen Kunstlicht tanzenden Staubkörner im Gebäude sorgen für eine oft bedrückende Atmosphäre. Begibt man sich jedoch in den Innenhof des Krankenhauses, wird man von strahlendem Sonnenschein begrüßt und fühlt sich auf seltsame Weise fast ein bisschen erleichtert.

Die meisten im Spiel dargestellten Schauplätze weisen viel Liebe zum Detail auf. Dieser Eindruck wird aber stellenweise durch die geringe Vielfalt der Umgebungs- und Interaktionsobjekte in den Räumen und Gängen getrübt. So will das Gruseln gelegentlich nicht so richtig einsetzen, weil aufgrund der generischen Umgebung das Gefühl nicht vermittelt wird, sich in einer gefährlichen Situation zu befinden.

Zwei weitere mögliche Gründe für das fehlende Grusel-Gefühl, sind während des Spielens ebenfalls auffällig: Nicht so schön ist zum Beispiel, dass der Sound einfach abbricht und das Zirpen der Grillen verstummt, sobald ein anderer Sound, zum Beispiel das Klimpern von Goldmünzen abgespielt wird. Das ist nicht wirklich schlimm, wirkt sich aber negativ auf die Atmosphäre im Spiel aus. Alle anderen Sounds, wie das Klirren der Waffen beim Angriff oder die gelegentlichen Hintergrundgeräusche, sind aber qualitativ gut und entschädigen ein wenig für die zuvor genannten Ausfallerscheinungen.

Die zweite Auffälligkeit ist, das die Gegner im Spiel sehr zusammengewürfelt wirken: Keines der Monster scheint eine genuine Kreatur zu sein – ähnlich den sehr limitierten Umgebungsobjekten hat man beim Phosphor Game Studio wohl „Bausteine“ wie Angriffsmuster, Kopf, Rumpf und Extremitäten in gefühlten drei, bis vier Variationen in einen „Topf“ geworfen und durchgeschüttelt. Herausgekommen ist dabei eine Vielzahl von Monstern, die aber alle irgendwie gleich aussehen und für wenig „echte“ Abwechslung an dieser Front sorgen.

Was den Sound angeht, kann der Sprecher des alten Mannes überzeugen. Sein Charakter wirkt im Rahmen des Spiels authentisch und es fällt auf, wie man seinen Erzählungen interessiert lauscht, während man die Umgebung nach Wertgegenständen durchforstet. Leider gibt es diese Erzählungen nur im englischen Original und – auch leider – sind die deutschen Untertitel teilweise so fehlerhaft, dass sie die Inhalte nicht sinngemäß oder schlicht falsch übersetzen.

Grafik und Sound in Dark Meadow: Der Pakt sind trotz ihrer kleinen, oben genannten Schwächen insgesamt vertretbar, weil die positiven die negativen Punkte ausstechen. Insgesamt sorgen beide Komponenten für ein rundes Spielgefühl.

Fazit zu Dark Meadow

Dark Meadow: Der Pakt ist ein gutes Spiel, mit dem man sich mehrere Stunden beschäftigen kann, ohne es langweilig zu finden. Zugegeben – es hat seine Längen, aber die sind angesichts des Gesamtbildes zu vernachlässigen. Das Game hat definitiv einen Suchtfaktor – sofern man eine Schwäche für das Hochleveln von Charakteren und Sammeln von Informationen und Wertgegenständen hat. Auch wenn es sich hier um einen Freemium-Titel handelt, ist das Spiel tatsächlich mit ein wenig mehr Geduld und Zeit völlig kostenfrei spielbar und man ist nicht gezwungen, echtes Geld in die Hand zu nehmen, um das Ende von Dark Meadow zu sehen.

Sound und Grafik sind für ein Spiel, das für mobile Endgeräte entwickelt wurde und (wahlweise) kostenlos ist, mehr als beeindruckend und können sich nahezu mit den aktuellen Konsolen messen. Die tollen Licht-, Schatten- und Partikeleffekte sind genauso imposant, wie die, bis auf Kleinigkeiten (z.B. die geringe Objektvielfalt), sehr detailverliebten Schauplätze der unheimlichen Heilanstalt. Einziger Kritikpunkt am eigentlich sehr guten Sound, sind die Aussetzer, oder dass er stelleweise ganz weg bleibt. Das sorgt leider immer wieder für eine Störung und macht so die Atmosphäre ein wenig zunichte. Auch könnte der Sound insgesamt abwechslungsreicher sein, um die Spannung im Spiel zu erhöhen.

Das ist allerdings eine Mini-Kritik, die das Allgemeinbild kaum beeinträchtigt. Das gleiche gilt für die bereits erwähnte und stellenweise mangelhafte Übersetzung, bei der man sich zum Teil die Haare raufen möchte. Ein Schönheitsfehler, den man mit ein paar Dollar, Euro, Schekel oder Rubel und einem anständigen Übersetzter, durchaus hätte vermeiden können. Schade ist auch, dass die gegnerischen Monster in Dark Meadow: Der Pakt zwar dank der Unreal Engine 3 schön in Szene gesetzt sind, aber leider wirken die meisten dieser Kreaturen eher ein wenig albern als furchteinflößend. Als Gegenargument zu den genannten Negativ-Punkten ist es in Dark Meadow: Der Pakt neben der Grafik vor allem die gute Story, die viele dieser eher kleinen Ärgernisse aufwiegen kann. Sie entwickelt sich langsam im Verlauf des Spiels und stellt erst gegen Ende des virtuellen Abenteuers ein erkennbares Bild der Geschehnisse dar.

Wer sich also fragt, ob sich der 532 MB schwere Download lohnt, kann alle Zweifel fahren lassen und sollte zuschlagen: Alles in allem ist Dark Meadow: Der Pakt ein sehr rundes Game, das trotz kleiner Ecken und Kanten beweist, dass die Entwicklung der mobilen Games mit großen Schritten voranschreitet.

Download: Dark Meadow (kostenlos)

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