Dokuro: Detailreiches Jump&Run in düsterer Kinderbuch-Optik im Test

Tuan Le

Wenn Tim Burton als Entwickler für ein Jump&Run eingestellt worden wäre, wäre vermutlich Dokuro dabei herausgekommen. Ursprünglich 2012 für die PlayStation Vita veröffentlicht, hat das optisch einzigartige Denkspiel es vor einiger Zeit auch in die Android-Welt geschafft und lockt Kunden aktuell mit einem Sonderverkauf bei Google Play. Ob sich der Erwerb für 75 Cent lohnt, verrät euch unser Testbericht.

Dokuro: Detailreiches Jump&Run in düsterer Kinderbuch-Optik im Test

„Prinzessin wird von Bösewicht entführt“ - ein ziemliches Jump’n’Run-Klischee. Doch wer sich nach dem Lesen der Handlung von Dokuro bereits in bunten Pixelwelten im Stile von Super Mario wähnt, wird gleich zu Beginn des Spiels eines Besseren belehrt. Schließlich handelt es sich beim Protagonisten nicht um den sympathischen italienischen Klempner, sondern um einen der knochigen Handlanger des Entführers, der wie der Rest der Spielwelt vornehmlich in Schwarz und Weiß gehalten ist.

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Von der Kraft der Liebe und den Tränen der holden Maid bewegt, entschließt sich das Skelett mit dem Namen Dokuro (die japanische Bezeichnung für einen Schädelknochen), die Prinzessin aus ihrem Gefängnis zu befreien und ihr den Weg aus dem Schloss des dunklen Fürsten zu zeigen. Doch wie es der Zufall will, wimmelt es unterwegs von zahlreichen kniffligen Rätseln, die gelöst werden müssen, bevor es in die Freiheit geht. Die Steuerung erfolgt mit eingeblendeten Steuerelementen und ist, anders als manch andere Touch-Bedienung, auch für Gelegenheitsspieler ohne Probleme zu bewältigen.

Als Jump’n’Run könnte man Dokuro insofern bezeichnen, als dass man als Spieler definitiv häufig springt und läuft. Und doch handelt es sich um keinen normalen Plattformer. Während die Prinzessin lediglich in eine Richtung läuft, und zwar selbsttätig, solange bis sie auf ein Hindernis trifft, liegt es an Dokuro, den Weg von Fallen und Gegnern frei zu räumen. Dazu steht dem Spieler nicht nur ein Knochen als Waffe zur Verfügung, sondern auch ein Zaubertrank, der die kurzzeitige Verwandlung in einen Prinzen erlaubt. In dieser Gestalt kann Dokuro nicht nur Gegner mit einem Degen zersäbeln, sondern die Prinzessin kurzerhand auf den Arm nehmen, um Hindernisse zu überwinden.

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Hauptaufgabe des Spielers ist es allerdings, Puzzles und Rätsel zu lösen – das Metzeln von Gegnerscharen gehört eher weniger zu den Spezialitäten von Dokuro. Vielmehr werden buchstäblich alle Hebel in Gang gesetzt, um den Weg freizumachen, Kisten geschoben und Schaltflächen betätigt, und auch am virtuellen Steuerrad kurbeln darf der Spieler zur Befreiung der Prinzessin. Zwischendurch müssen dann fehlende Seile vom Spieler mit dem Finger per magischer Kreide nachgezeichnet werden, um ein Puzzle zu vervollständigen und etwa mit einer so konstruierten Abrissbirne Wände niederzureißen. Wie es sich für eine ordentliche Rettungsaktion gehört, gibt es immer wieder Endbosse, die besonders groß und fies sind und sich in der Regel ebenfalls nur mit Köpfchen besiegen lassen.

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Neben einer guten Portion Hirnschmalz ist immer wieder Timing ein wichtiger Faktor. Gerade diese unterschiedlichen Anforderungen machen das Spiel abwechslungsreich und amüsant. Musikalisch untermalt wird das Ganze mit Melodien, die hauptsächlich dominiert werden von Flötentönen, die etwas gewöhnungsbedürftig sind – freundlicherweise stellen die Entwickler den gesamten Soundtrack auf der Website von Dokuro zum Gratis-Download zur Verfügung. Musik und Sound lassen sich ansonsten vom Spieler separat anpassen, sodass man auf Wunsch auch mit eigener oder gar keiner Hintergrundmusik zocken kann.

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Die Grafik von Dokuro wirkt auf den ersten Blick nicht unbedingt hochwertig, man sollte sich jedoch nicht von den unscharfen Screenshots bei Google Play täuschen lassen. Auf dem LG G2 (Test) werden Skelett und Prinzessin ebenso wie die zahlreichen Schergen des dunklen Fürsten knackscharf dargestellt. Natürlich muss man sich mit dem ungewöhnlichen Zeichenstil anfreunden können, um Dokuro wirklich genießen zu können. Fans von Nightmare before Christmas oder allgemein Freunde von verspielter und zugleich obskurer Atmosphäre werden jedenfalls ihre helle dunkle Freude an Dokuro haben.

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Der Großteil der Welt von Dokuro ist zwar monochrom gehalten, doch hin und wieder werden gezielt Farbakzente gesetzt, die das Spiel optisch abwechslungsreicher machen. So ist Dokuros Zaubertrank in strahlendem Blau gehalten und bei Einnahme verfärbt sich der gesamte Hintergrund je nach Level in unterschiedlichen Farben, was die sonst triste Welt angenehm auflockert.

Außerdem sind sämtliche Animationen flüssig und Sprünge oder Kampfbewegungen zum Beispiel wirken authentisch - wenn man mal von der Tatsache absieht, dass man ein liebestolles Skelett durch die Katakomben des dunklen Fürsten steuert. Man merkt dem Spiel an, dass es ursprünglich als Konsolentitel für die PlayStation Vita konzipiert war, denn das Level-Design wirkt wie die Spielmechanik sehr durchdacht und ausgereift. Hinzu kommen die zahlreichen kleinen Details und Zwischensequenzen, die die simpel gehaltene Handlung ansprechend weitererzählen.

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Fazit: Die Portierung von Dokuro von der PS Vita zu Android ist den Machern definitiv gelungen - die Handlung ist zwar nicht bahnbrechend originell, doch die detaillierte Grafik und Atmosphäre machen dies absolut wett. Mit 15 Levels mit jeweils 10 Arealen sollte das Spiel einen für mindestens 10 Stunden beschäftigen, was für den aktuell recht günstigen Preis durchaus akzeptabel ist. Von manchen Rezensenten wurde Werbung beziehungsweise der Kauf von In-App-Gegenständen kritisiert, doch davon konnten wir nach Absolvieren der ersten Levels nichts feststellen. Insgesamt können wir für Dokuro eine Kaufempfehlung an Fans von kniffligen Denkspielen mit detailverliebter Optik geben.

Dokuro
Entwickler:
Preis: 1,99 €

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