Seit 2009 arbeitet das Startup Keyssa heimlich im stillen Kämmerlein an einer womöglich bahnbrechenden Technologie: Ein neuer drahtloser Datenübertragungsstandard lässt Datenkabel und mechanische Anschlüsse überflüssig erscheinen. Mithilfe von „Kiss Connectivity“ lassen sich Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu sechs Gigabit pro Sekunde erreichen – ohne physische Verbindung. Die ersten Produkte für den Endverbraucher sollen schon 2015 auf den Markt kommen.

Es braucht ungefähr eine Minute, um den Film Avatar in Full HD-Auflösung (1080p) von einem USB-Stick auf einen Computer zu kopieren. Das Startup Keyssa schafft das in fünf Sekunden – ohne Datenkabel. Die Kollegen von Bloomberg haben sich dies vom CEO des Unternehmens aus Silicon Valley, Eric Almgren, demonstrieren lassen: Eine mit den entsprechenden kabellosen Konnektoren präparierte Festplatte musste dazu nur wenige Millimeter neben einen ebenso ausgestatteten Tablet von Dell positioniert werden – „Kiss Connectivity“ macht‘s möglich.

Keyssa-Kiss-Connectivity-Datentransfer

Das Unternehmen arbeitet seit nunmehr fünf Jahren an dieser Technologie, die Daten mit bis zu sechs GBit pro Sekunde versenden kann. Das geschieht mithilfe von Millimeterwellen – auch EHF-Frequenzband genannt (Extremely High Frequency) – in einem Abstand von maximal einem Zentimeter. Dadurch müssen entsprechende Geräte lediglich kurz für einen „Kuss“ (engl. „Kiss“) aneinander gehalten werden, um umgerechnet mehr als 750 MB pro Sekunde zu übertragen. Der schnellste WLAN-Standard erreicht bis zu 1,35 Gigabit pro Sekunde, USB 3.0 kommt mit immerhin rund 5 Gigabit pro Sekunde einem „Kuss“ schon ziemlich nahe. Dennoch übertrifft „Kiss Connectivity“ alle aktuell verfügbaren Übertragungsstandards und benötigt dabei nicht mal eine physische Verbindung, der Energieverbrauch soll zudem auch im Rahmen liegen.

Keyssa-Kiss-Connectivity-Download

Das ausgerufene Ziel von Keyssa ist es, mechanische Anschlüsse verschwinden zu lassen. In Kombination dem Qi Wireless-Ladestandard könnte man bei Smartphones komplett auf den USB-Port verzichten. Beim Startup handelt es sich zudem nicht um eine Eintagsfliege; zu den Investoren zählen etwa Samsung und Intel. Im Unternehmen direkt involviert sind unter anderem David Lee, Erfinder der HDMI-Schnittstelle, Tony Fadell, der als „Vater des iPods“ gilt und Chef von Googles Tochterfirma und Hardwareschmiede Nest ist. Darüber hinaus konnten die ersten Hardwarehersteller in den vergangenen 16 Monaten bereits den neuen Standard begutachten – nächstes Jahr sollen derweil schon die ersten Endgeräte erscheinen.

Quelle: Keyssa, Bloomberg Businessweek [via Der Standard]

Hat dir dieser Artikel gefallen? Schreib es uns in die Kommentare oder teile den Artikel. Wir freuen uns auf deine Meinung - und natürlich darfst du uns gerne auf Facebook oder Twitter folgen.