Matias Duarte: Der Gedanke hinter Androids Designsprache

Lukas Funk

Mit Version 4.0 und dem Holo UI begann für Android die Zeit der strukturierten, designbewussten Präsentation, welche sich in jüngster Vergangenheit mehr und mehr von geraden Linien auf schwarzem Hintergrund hin zu einer hellen, kartenbasierten Darstellung verändert. Matias Duarte, bekannt für seine extravaganten Hemden und als Chef-Designer von Android, erklärt im Interview den Gedanken dahinter.

Bei der grafischen Gestaltung von Android 4.0 „Ice Cream Sandwich“ habe man sich, so beginnt Duarte, bewusst gegen einen exzessiven Skeuomorphismus entschieden, wie ihn Konkurrent Apple bei den Apps für iPhone und iPad bis einschließlich iOS 6 zelebrierte. Skeuomorphes Design, welches digitalen Designs durch grafische Gestaltung den Anschein ihrer Entsprechungen in der physischen Welt verleiht, etwa durch Ledertexturen, Metall- oder Papierstrukturen, verschenke auf dem Bildschirm tendenziell zu viel Platz. In der heutigen Zeit wisse jeder, wie er mit einem Computer umgehen kann, wodurch diese Metapher als funktionale Hilfestellung hinfällig sei.

Doch auch das flache („Flat“) Design, wie es Microsoft mit seiner Modern UI umsetzt, tendiere dazu, viel Platz für Weißraum zu reservieren, wodurch die Informationsdichte entsprechend abnehme. Dennoch orientiere sich Androids Grundsatz an klar strukturiertem Design mit moderner Typographie.

Das neue Karten-Layout, welches sich seit der Einführung von Google Now wie ein roter Faden durch Googles App-Suite zieht, sei aus der Kombination des flachen Designs mit skeuomorphen Ansätzen geboren worden. So beschreibt Duarte, welcher schon als Designer von WebOS seine Vorliebe für kartenbasierte Informationsaufbereitung zum Ausdruck brachte, die Notwendigkeit, dem Benutzer zumindest durch skeuomorphe Ansätze – also beispielsweise die Kartenmetapher – einen Hinweis auf interaktive Elemente zu geben. Auch dies vernachlässige ein komplett flaches Design, während Androids abstrahierte Karten mit ihrer dezenten Abhebung vom Hintergrund durch dünne Ränder und minimale Schlagschatten als Träger abgeschlossener Informationseinheiten erkennbar sind, welche der Benutzer auf dem Bildschirm manipulieren kann.

Daraus resultiere ein aufgeräumtes, flaches Design, welches dennoch zum Berühren einlade und so dem Zeitgeist entspreche, wie Duarte zusammenfasst. Ein Blick auf Apples kürzlich erfolgten Kurswechsel in Sachen Designsprache scheint den Gedanken hinter Duartes Argumentation zu bestärken — ganz leise, versteht sich.

Quelle: Quartz

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