Kostenpflichtiger Linux Kernel-Sourcecode scheint auf dem ersten Blick ein Widerspruch in sich zu sein - einer der großen Vorteile der Plattform ist es schließlich, dass Unternehmen wie freie Entwickler unter Rücksichtnahme auf grundlegende Regeln frei auf den Code zugreifen, ihn nötigenfalls modifizieren und verbessern können und in der Theorie so stets ein Höchstmaß an Transparenz gegeben ist. Der Chiphersteller MediaTek scheint sich darum allerdings nicht zu kümmern und verlangt für den Zugriff auf den Linux Kernel-Sourcecode eine Gebühr.

MediaTek gehört aktuell zu den Unternehmen, die langsam aber sicher Fuß auf dem internationalen Markt fassen und nicht mehr nur in Asien erfolgreich sind. Während man bislang primär Prozessoren für Smartphones und Tablets aus China fertigte, findet man Geräte mit den preiswerten und energieeffizienten MediaTek-Chips mittlerweile auch in hierzulande erhältlichen Geräten, etwa dem populären ASUS MeMO Pad HD 7 (Test).

Angesichts der massiven Verstöße des Unternehmens gegen die GPLv2 muss man sich allerdings fragen, wie lange das noch gut gehen kann: Obwohl in der zum Linux-Quellcode zugehörigen Lizenz deutlich vereinbart ist, dass eine Erhebung von Gebühren nur unter sehr strengen Richtlinien erlaubt ist, fordert MediaTek von jedem Unternehmen bei Interesse am Quellcode für die MTK-Chips den Erwerb einer entsprechenden Lizenz. Logischerweise wird damit insbesondere der Zugriff für unabhängige Entwickler aus der Community stark erschwert und rechtlich legal ist dieses Vorgehen von MediaTek auch nicht.

Da man ausschließlich für die Kosten der Verteilung eines Linux-Derivates, zum Beispiel die Herstellung von USB-Sticks mit den entsprechenden Abbildern, eine Gebühr erheben darf und bei Verstoß gegen die Lizenzbedingungen jedwede Verwendung strikt untersagt ist, ist die Empörung bei der Entwickler-Community verständlicherweise groß. Zu allem Überfluss ist die ganze Sache überhaupt erst zum Thema geworden, weil diverse MediaTek-Prozessoren für massive Sicherheitslücken im System verantwortlich gewesen sind. Entwickler zeigten sich hier bereitwillig, ohne Entgelt an einer Lösung zu arbeiten, doch nach der Absage durch MediaTek wurde unter anderem eine Petition gestartet, außerdem kursiert ein offener Brief auf Google+, der das Unternehmen zum Umdenken bewegen soll.

Was sagt ihr zu der Haltung von MediaTek? Schreibt uns eure Meinung unten in die Kommentare.

Quelle: XDA-Developers