Moto Maker: Start in Deutschland – Kraftausdrücke und „androidnext“ nicht als individuelle Signatur möglich, Nazi-Begriffe schon

Tuan Le 18

Der Moto Maker ist in Deutschland gestartet. Mit dem Anbruch des neuen Monats findet das Tool zur Erstellung eines individuell gestalteten Moto X nun auch hierzulande den Weg in die kreativen Hände der Kunden. Wie schon in der US-Version können aber allerlei vulgäre und provokante Ausdrücke nicht als individuelle Signatur für die Rückseite verwendet werden. Dabei sperrt Motorola jedoch nicht nur englische und deutsche Schimpfwörter, sondern auch einige harmlosere Begriffe – unter anderem „androidnext“. Nazi-Vokabular hingegen passiert den Motorola-Filter ungehindert. Wir haben versucht, ein System dahinter zu entdecken.

Moto Maker: Deutschlandstart ab heute, Lieferung in 8 Tagen, Holz-Finish ohne Aufpreis

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Bei dem Moto Maker handelt es sich im Prinzip um das Symbol der modernen Freiheit und Individualität: Damit kann man sein Moto X und zukünftig wohl auch den Nachfolger optisch umfangreich anpassen. Seit gestern Abend können auch deutsche Nutzer auf der Moto Maker-Website ein eigenes Gerät kreieren, die Auslieferung soll innerhalb von 8 Tagen stattfinden. Erworben wird das Gerät schlussendlich über den Händler Phonehouse: Dort erhält man nach dem Kauf des Smartphones einen Code, der nach der Kreation des eigenen Smartphones im Moto Maker eingegeben werden muss. Der Preis für ein individualisiertes Smartphone entspricht mit 349 Euro für die Version mit 16 GB und 389 Euro für die 32 GB-Variante dem gewöhnlichen UVP des Moto X.

Wählen kann man aus unterschiedlichen Rückseiten, angefangen von zahlreichen farbigen Kunststoffcovern bis hin zum exotischen Holz-Finish, welcher im Moment ohne zusätzliche Kosten ausgewählt werden kann. Hier kann der Nutzer zwischen Bambus, Walnuss, Teak oder Ebenholz auswählen und dadurch ein, zumindest optisch, besonders naturbelassenes Smartphone erstehen. Darüber hinaus gibt es die Wahl zwischen einer weißen und schwarzen Front sowie einer Akzentfarbe für Kamera-Ring und Lautstärke-Tasten, sodass laut Motorola insgesamt mehr als 4.000 Kombinationen möglich sind.

Sperre von Schimpfwörtern: Manchmal nachvollziehbar, häufig übertrieben, in einigen Fällen kurios

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Bis dahin klingt der Moto Maker nach einer hervorragenden Idee, es gibt allerdings noch einen vierten Punkt der Personalisierbarkeit, nämlich die Signatur: eine kleine Gravur auf der Rückseite des Smartphones. Diese hat bereits in der Vergangenheit für Gesprächsstoff gesorgt, denn in den USA hat Motorola es den Kunden untersagt, Kraftausdrücke auf der Rückseite des Smartphones zu verewigen. Wer nun die Hoffnung hegt, von derlei Gängelung verschont zu bleiben, liegt daneben. Die Liste der englischen Wörter wurde um zahlreiche deutsche Begriffe erweitert, wie unsere – natürlich im Rahmen der professionellen journalistischen Recherche durchgeführten – Experimente ergeben haben. Andere, problematischere, Begriffe sind hingegen möglich. Hier die Ergebnisse unserer Recherche:

  • Schimpfwörter: Die offensichtlichste Kategorie, denn kein Hersteller sieht auf seinem Smartphone gerne wenig schmeichelnde Bezeichnungen wie „H*rens*hn“, „*rschl*ch“ oder „W*chs*r“. Daher ist diese Entscheidung vielleicht noch nachvollziehbar, aber es werden beileibe nicht nur alle härteren Kraftausdrücke gesperrt, sondern auch vermeintlich harmlosere Varianten wie „Dummkopf“, „Blödian“, „Hirni“ oder „Idiot“. Während Variationen wie „Dumme Kuh“ anstandslos angenommen werden, haben Personen mit dem Namen „Dumm“ wiederum weniger Glück, denn das Wort steht ebenfalls auf der Sperrliste von Motorola. Kritikwürdig: Das Wort „Sp*st“ unterwandert die Sicherheitsvorkehrungen ungehindert, wobei „Sp*sti“ gefiltert wird.
  • Sexuelle & vulgäre Begriffe: Auch in der deutschen Sprache zeigt sich Motorolas Aversion gegen primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale: Wer sein Smartphone liebevoll mit einer Gravur wie „P*nis“, „T*tt*n“ oder „V*gin*“ versehen möchte, stößt hier auf Motorolas Widerstand. Auch das englische Synonym „P*ss*“ ist weiterhin gesperrt, wohingegen Anhänger von „Pussycat Riot“ dies ungehindert zum Ausdruck bringen können. Zum Teil schaffen es auch Kombinationen solcher Begriffe durch die Schleuse wie „S*xyT*tten“. „S*x“ ist hingegen für Motorola ein No-Go. Bei Ausscheidungen zeigt sich ein ambivalentes Bild: „K*cke*“ funktioniert nicht, das vornehmere „K*t“ hingegen schon.
  • L33tsp34k und Markennamen: Viele der vorangegangenen Punkte lassen sich durch L33t, also vereinfacht gesagt dem Ersetzen der Vokale durch entsprechende Zahlen, umgehen. Man muss hier zum Teil schon etwas gewiefter vorgehen, denn „S3X“ nimmt der Moto Maker weiterhin nicht an, wohingegen „S3X M4CHIN3″ funktioniert. Interessant ist, dass in Deutschland Markennamen nun durchaus erlaubt sind: So kann man sein Moto X mit der Aufschrift „Samsung“, „HTC“, oder gar „Apple“ versehen. Vielleicht hat die Rechtsabteilung bei Motorola festgestellt, dass hier doch keine juristischen Probleme zu erwarten sind.
  • Kurioses: Die Latein-Kenntnisse des Moto Makers beschränken sich wohl weiterhin auf akademische Titel wie „Magna cum laude“ und „Summa cum laude“, denn andere Idiome mit dem, englisch gelesen, verwerflichen Drei-Buchstaben-Wort in der Mitte werden weiterhin gesperrt. Kurios wird es dann so richtig bei Webseiten, denn der deutsche Moto Maker weigert sich, „androidnext“ als Gravur auf der Rückseite anzunehmen. Obwohl „Android“ als einzelnes Wort angenommen wird, ist bei allen anderen Wörtern, die in irgendeiner Form „Droid“ enthalten, Schluss mit lustig. Möglich, dass dies mit der Droid-Wortmarke zusammenhängt, unter der zwar schon einige Motorola-Smartphones erschienen sind, die jedoch dem US-Mobilfunkanbieter Verizon gehört.
  • Braune Begriffe: Etwas verstört waren wir ob der Tatsache, dass Begriffe aus dem Nazi-Vokabular alle zu funktionieren scheinen. „Hitler“, „Sieg Heil“, „Waffen-SS“, „KZ“ und derlei sind nicht gesperrt – wobei wir das als durchaus sinnvoll erachtet hätten.

Was sagt ihr zum Moto Maker und zu Motorolas Stoppwort-Liste? Habt ihr andere Begriffe gefunden, die nicht als Signatur angenommen werden? Meldet euch in den Kommentaren zu Wort.

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