OnLive: Neue Firma, CEO bleibt, Angestellte müssen gehen

Frank Ritter 6

Was macht eigentlich OnLive? Nachdem der innovative Dienst zum Streaming von Games in den letzten Tagen und Wochen einige Negativschlagzeilen verkraften musste, lichtet sich so langsam der Nebel und gibt den Blick auf den Scherbenhaufen frei, der übrig bleibt. Immerhin: OnLive wird wohl weiterleben, allerdings als neue Firma.

Von Anfang an haben wir uns gefragt, wie genau OnLive technisch funktionieren soll. Da sitzt man also vor seinem OnLive-fähigen Fernseher, Tablet, Smartphone oder an einem anderen Gerät (zuletzt sollte als prominentes Beispiel die OUYA mit OnLive-Support ausgeliefert werden), steuert das Spiel, die Eingabe wird an das Rechenzentrum versandt, wo das Spiel remote auf einer Konsole oder einem PC läuft. Die Bildschirmausgabe wird on-the-fly HD-fähig komprimiert und an den Spieler zurückgesandt, wo das Bild es auf dem Endgerät wieder dekodiert wird. Hinter der Problematik, wie das ohne deutliche Verzögerungen und verminderter Bildqualität oder zumindest Schwankungen im Spielerlebnis möglich sein sollte, stand immer ein großes Fragezeichen.

Wir berichteten bereits, dass HTC nach der OnLive-Pleite 40 Millionen Dollar verloren hatte – kein Pappenstiel für die auch sonst derzeit gebeutelten Taiwaner. OnLive selbst besitzt ebenfalls etwa 30 bis 40 Millionen Dollar Schulden und strukturiert sich – euphemistisch gesprochen – derzeit gehörig um. Wie das Technologieblog des Guardian erklärt, unterzieht sich OnLive keinem klassischen Insolvenzverfahren, sondern einer nur in den USA möglichen rechtlichen Prozedur namens „assignment for the benefit of creditors“ (ABC). Dabei werden die Besitztümer einer Firma mit eigenem Wert, so auch der Markenname, an eine andere verkauft. Das erlöste Geld wird an die Schuldner verteilt.

Die neue Firma kann dann – wie ein Phönix aus der Asche – den regulären Betrieb weiterführen, ist aber auch nicht daran gebunden, die alten Mitarbeiter zu übernehmen. Im Falle von OnLive ist der Geldgeber ein Investor namens Lauder Partners, der bereits angekündigt hat, den Dienst wie gewohnt weiterzuführen; offenbar auch unter der alten Leitung: Der alte CEO Steve Perlman wird auch der neue sein.

Klar, dass eine solche Prozedur nicht ohne Opfer bleibt: So soll nicht einmal die Hälfte der rund 200 Beschäftigten einen Job in der neuen Firma erhalten, dem Rest wird eine ominöse Rolle als „Berater“ (Consultant) angeboten. Wie mit diesem beschränkten Personal weiterhin die gesetzten Ziele erreicht und alle Ziel-Plattformen von OnLive unterstützt werden sollen, bleibt offen. Auch ist unwahrscheinlich, dass aus dem Verkauf der Assets der alten Firma genug Geld erlöst wird, um die Schuldner und Geldgeber auszuzahlen - etwa HTC und BT (British Telecom).

Probleme von OnLive bis dato waren das zunächst eingeführte, später aber wieder abgeschaffte Abomodell, das Early Adopters abgeschreckt hatte. Dazu kam das Fehlen eines zeitgemäßen Spieleangebots und Titel großer Publisher wie Activision, Blizzard und Electronic Arts sowie die geringe Fokussierung. OnLive wollte von Anfang an auf so vielen Plattformen wie möglich vertreten sein – möglich dass das zum Genickbruch für die (alte) Firma wurde. Wir sind gespannt, wie es mit OnLive weitergeht – aber noch skeptischer als zuvor, ob sich hinter dem Gamestreaming allgemein und OnLive als Unternehmen im Speziellen ein tragfähiges Geschäftsmodell verbirgt.

Quellen: The Verge, The Guardian

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