Mit einem rechenstarken Snapdragon 801, einer 20 MP-Kamera oder einem WQHD-Display sollte man meinen, dass Smartphones sich in den letzten Jahren gehörig weiterentwickelt haben. Doch in puncto Bedienung hat sich seit der Vorstellung des ersten iPhones 2007 nicht viel geändert – nach wie vor wird jedwede Berührung des Bildschirms gleichermaßen interpretiert. Das Startup Qeexo will genau dies ändern und vielfältigere Eingabemethoden ermöglichen: Für den Anfang sollen Fingerknöchel und –nagel herhalten, später könnte etwa auch ein Tisch oder der eigene Arm als erweiterter Touchscreen fungieren.

Als Steve Jobs im Jahr 2007 die Bühne betrat und das erste iPhone voller Stolz präsentierte, staunte die Zuschauerschaft nicht schlecht: Abgesehen davon, dass man mit einem derart kleinen Gerät derart viele Dinge vollbringen konnte, war auch die Bedienung gänzlich neuartig und dennoch auf den ersten Blick intuitiv. Was heute so normal erscheint, musste Steve Jobs damals schrittweise erklären. So sorgte etwa „der Pinch“, also das heute bekannte Pinch-to-Zoom, für euphorischen Jubel im Publikum. Womöglich wurde damit nicht nur ein neues Handy respektive Smartphone vorgestellt, sondern auch gleich eine neue „Sprache“ zur Interaktion mit der Technik eingeführt.

Seitdem sind sieben Jahre vergangen und es hat sich wenig verändert. Noch immer taugt – neben Stylus oder S-Pen – nur der Finger als Eingabemöglichkeit. Das führt unter anderem dazu, dass beim simplen Kopieren eines Textes mehrere Eingabe- und Wischgesten vonnöten sind – äußerst umständlich, dachten sich Sang Won Lee, Chris Harrison und Julia Schwarz. Im Jahr 2012 gründeten sie gemeinsam das Unternehmen Qeexo mit dem selbsterklärten Ziel, die „nächste Dimension der Touchbedienung“ einzuführen. Bislang haben Investoren schon 2,3 Millionen US-Dollar in das Startup mit Sitz in San José gesteckt, denn die Idee überzeugt.

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Mithilfe der Technologie „FingerSense“ soll zukünftig die Eingabe auf mobilen Endgeräten vielfältiger, flexibler und nicht zuletzt schneller vonstatten gehen. Dabei bedient sich die Software der verschiedenen Sensoren eines Smartphones und interpretiert darauf aufbauend das Eingabeobjekt. Der Beschleunigungssensor wertet beispielsweise den Impuls einer Touchberührung aus und ist nach kurzer Lernphase in der Lage, zwischen Fingernagel und –knöchel zu unterscheiden. So könnte beispielsweise bei „Knöchel-Eingabe“ das Kopieren- und Einfügen-Menü geöffnet, beim Wischen mit dem Knöchel über den Text dieser Abschnitt ausgewählt werden. Neben den x- und y-Koordinaten wird jeder Eingabe somit noch eine dritte Information hinzugefügt, die jede Anwendung individuell auswerten kann – ähnlich wie die verschiedenen Mausklicks bei einem Computer.

Das an sich klingt schon äußerst nützlich und vielversprechend, doch Qeexo denkt bereits voraus und arbeitet an einem weiteren Projekt. Denn die Eingabe muss nicht zwangsläufig nur über den Touchscreen erfolgen: Wenn beispielsweise das Smartphone auf einem Tisch liegt, könnte FingerSense die Impulse und Vibrationen des Untergrundes analysieren und interpretieren – im Endeffekt könnte man somit sein Smartphone durch Tippen und Wischen auf dem Tisch steuern. Angesichts des derzeitigen Trends zu Wearables arbeitet man bei Qeexo zudem daran, den eigenen Körper zum Eingabefeld zu machen. So könnte etwa eine Smartwatch Gesten auf dem Arm respektive der Hand erkennen und die Bedienung des kleinen Bildschirms erleichtern. Allerdings bedarf es hierfür besserer Sensoren, die sich noch in der Entwicklung befinden – dennoch ein spannender Ausblick in die Zukunft.

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Während Eingaben auf der Hand noch Zukunftsvisionen sind, könnte FingerSense auf dem Smartphone tatsächlich bald regulär zum Einsatz kommen. Doch zunächst gilt es alle großen Hersteller zu überzeugen, FingerSense gleichermaßen zu implementieren. Denn erst ab einer gewissen Verbreitung können Entwickler von Drittanbieteranwendungen dazu bewegt werden, ihre Apps entsprechend anzupassen. Es könnte demnach durchaus sein, dass ein Konzern wie Apple oder Google diese Idee im großen Stil übernimmt und von Grund auf selber entwickelt – oder Qeexo kurzerhand aufkauft.

Quelle: Qeexo [via Wired]