Thomas Was Alone: Indie-Jump'n'Run mit Ecken und Kanten im Test

Oliver Janko 2

Was auf dem PC und verschiedenen Konsolen funktioniert, muss nicht unbedingt auch auf der androiden Plattform für Furore sorgen. Mit Thomas Was Alone fand vor wenigen Tagen die nächste Portierung eines bekannten PC-Hits den Weg in den Play Store, die ersten Nutzermeinungen halten sich allerdings noch in Grenzen. Wir haben uns ein Bild des Indie-Plattformers gemacht und verraten, ob das Spiel sein Geld – der Kaufpreis liegt bei momentan 3,59 Euro – Wert ist.

Thomas Was Alone: Indie-Jump'n'Run mit Ecken und Kanten im Test

Wir haben bereits Ende der Arbeitswoche über den Titel berichtet: Uns erschien ein wenig seltsam, dass die Nutzerwertung bei „nur“ 3,9 von 5 möglichen Sternen lag, und wollten wissen, warum der viel gelobte Konsolen- und PC-Hit nicht die vollen Punkte einsacken konnte. Wir sind diesbezüglich nämlich etwas anderer Meinung als die ersten Spieler der Android-Version, in unserem Test konnte der Titel durchaus überzeugen, so viel sei jetzt schon verraten.

Einführendes Tutorial

Thomas ist ein kleines Rechteck, das sich ganz alleine und auf sich gestellt in einer Welt voller gerade Linien, Blöcke und anderer geometrischer Figuren wiederfindet. Er hat nur sich selbst und macht sich daher kurz entschlossen auf, die Geheimnisse seiner Herkunft und der Umstände, in denen er sich wiederfindet, zu erkunden. Der Spieler schlüpft in die Haut des Quadrates und absolviert in den ersten Levels ein Tutorial. Es gilt zu erlernen, wie sich Thomas fortbewegt, wie er springt, welche Hindernisse ihm gefährlich werden und welche Gefahren kein Problem darstellen.

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Simple Steuerung

Gesteuert wird Thomas über virtuelle Tasten, links am Display findet der Spieler die Richtungs-Buttons, mit einem Tap auf die Taste rechts springt das kleine Rechteck. Die Steuerung ist grundsätzlich sauber implementiert, die virtuellen Buttons sind allerdings ein wenig klein gehalten – man muss mit den Daumen schon sehr genau zielen, um nicht unfreiwillig in die falsche Richtung oder gar nicht zu hüpfen. Mit ein wenig Übung ist dieser Makel aber relativ bald in den Griff zu bekommen, vielleicht bessern die Entwickler hier ja auch noch softwareseitig nach. Wer sich mit der Steuerung dennoch nicht anfreunden kann, kann optional auch eine Steuerung über Wischgesten einstellen. Uns gefiel im Test die erste Variante besser – wer das Spiel installiert, sollte aber einfach beide Varianten durchprobieren. Da die Steuerung auch während der Levels geändert werden kann, stellt das kein Problem dar.

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Mit Teamarbeit ans Ziel

Ziel des Spiels ist es, in jedem Level bis an den Ausgang zu gelangen. Dieser wird durch ein weißes Rechteck signalisiert, von Level zu Level ist das Tor allerdings schwerer zu finden beziehungsweise zu erreichen. Wie praktisch, das unser kleiner Hauptprotagonist schon recht bald Hilfe erhält: Christoph, ein kleines Quadrat, gesellt sich an Thomas‘ Seite. Christoph ist leider kein besonders guter Springer, er braucht daher des Öfteren die Hilfe von Thomas, um beispielsweise hohe Vorsprünge zu erreichen. Dafür ist er wiederum sehr klein, Christoph erreicht also allerlei Items, Schaltknöpfe etc., an die Thomas ob seiner Größe nicht heran mag.

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Nicht nur Spiel-Experten erkennen, worum es bei „Thomas Was Alone“ also geht: Der Spieler muss eine Balance zwischen den beiden unterschiedlichen Hauptcharakteren herstellen, es gilt, die jeweiligen Stärken der Formen perfekt auszunützen. Das erfordert vor allem in den späteren Levels jede Menge Hirnschmalz, macht aber gerade dadurch unheimlich Spaß.

Unglaublich stimmiges Setting

Bislang war das alles aber noch Genre-Standard, Fachmagazine und Experten überschlugen sich bislang aber gleichermaßen mit Lobeshymnen auf das Game. Warum? Ganz einfach: Die Entwickler haben unglaublich viel Liebe zum Detail bei der Umsetzung des Spiels einfließen lassen – und setzen zudem auf eine emotionale Komponente: Mit Danny Wallace, einem britischen Komiker und Schauspieler, führt ein unglaublich fesselnder Kommentator durch das Spiel, die textliche Umsetzung ist hervorragend. Wenn Thomas verzweifelt über sein Dasein sinniert, ist das wirklich berührend – was angesichts der Tatsache, dass wir hier von einem virtuellen Rechteck in einem Smartphone-Spiel sprechen, beeindruckend genug ist.

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Grafisch ist „Thomas Was Alone“ ebenfalls wunderbar anzusehen: Die Entwickler setzen auf recht dunkel und visuell einfach gehaltene Welten, die aber mit vielen zauberhaften Detzails, zum Beispiel dynamischen Licht- und Schatteneffekten ausgestattet sind. Unterlegt wird das ganze Szenario von stimmiger Musik, die mit der Zeit allerdings ein wenig anstrengend wird. In diesem Fall reicht ein Blick in die Einstellungen, und der Ton ist aus.

Fazit

Bei Redaktionsschluss lag die Nutzerwertung im Play Store nach wie vor unter vier Punkten – für uns unverständlich. Zahlreiche Kollegen anderer Publikationen überwerfen sich vor Lob, und auch wir schließen uns da an: „Thomas Was Alone“ ist ein beeindruckendes Spiel: Optisch reduziert, einfachste Steuerung, simples Spielprinzip. Dafür ist die Hintergrundgeschichte tiefgängig, der Kommentator hervorragend, das Setting stimmig.

Wer einmal angefangen hat, mit Thomas durch die insgesamt 120 Welten zu streunen, wird sich nicht nur an den Gedanken des kleinen Rechtecks erfreuen, er wird richtig mitfiebern, wie die Geschichte endet – zum Glück hat man das als Spieler selbst in der Hand. Wer sich von der Anziehungskraft des Titels selbst überzeugen möchte: Auf den Link unten klicken, die Kreditkarte zücken, das Spiel herunterladen – im Optimalfall noch dieses Wochenende, immerhin ist „Thomas Was Alone“ momentan noch um 33 Prozent reduziert.

Thomas Was Alone
Entwickler: Bossa Studios Ltd
Preis: 4,59 €
Thomas Was Alone

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