iPhone 8 und Pixel 2 beweisen: Der Kopfhöreranschluss muss sterben

Johann Philipp 18

Samsung verbaut im Galaxy S8 noch einen Klinkenanschluss, Apple und Google gehen schon einen anderen Weg und setzen auf Bluetooth. Wann stirbt der Kopfhöreranschluss und was bedeutet das für uns Kunden? Ein Kommentar.

iPhone 8 und Pixel 2 beweisen: Der Kopfhöreranschluss muss sterben
Bildquelle: GIGA.

Am Mittwoch stellte Google sein neues Smartphone vor. Das Pixel 2 hat eine beeindruckende Kamera, ein knackscharfes Display aber keinen Anschluss für einen Kopfhörer. Apple verbannte den 3,5 mm Anschluss bereits beim iPhone 7. Die einen sagen: Wie soll ich denn jetzt meinen voll funktionsfähigen teuren Kopfhörer an mein neues Smartphone anschließen? Die anderen sagen: Endlich ist dieses nervige Kabel weg, ich wollte mir sowieso schon lange neue Kopfhörer kaufen. Was man aber bei der Debatte vergisst: Die Hersteller basteln schon jetzt an den eigenen Monopol-Diensten.

Bluetooth hat Schwächen

Früher funktionierten alle Kopfhörer gleich. Egal ob am iPhone, einem Samsung Galaxy oder an der Stereoanlage – Einstecken und Musik genießen. Da die Kopfhörerbuchse jetzt verschwindet, ist der offensichtliche Ersatz nicht ein weiteres Kabel mit einem proprietären Anschluss wie Apples Lightning oder die vielen inkompatiblen und seltsamen USB-C-Lösungen. Es ist Bluetooth. Und Bluetooth hat seine Schwächen wie eine geringe Reichweite und Störanfälligkeiten.

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Apple und Google versuchen, Schwächen auszugleichen und erzeugen neue Abhängigkeiten

Um die Funktechnik zu verbessern, greifen Apple und Google zu eigenen maßgeschneiderten Lösungen und grenzen damit andere Anbieter aus. Apple hat in die AirPods – die kleinen Bluetooth-Stöpsel, einen stromsparenden Chip namens „Apple W1“ eingebaut, damit sie bestmöglich mit einem iPhone funktionieren und auch Siri aktivieren können.

Google hat auf seinem Event neben den Smartphones auch neue Kopfhörer vorgestellt: Die Pixel Buds, sie integrieren Googles Sprachassistenten Google Assistant und können sogar simultan die Sprache einer Person gegenüber übersetzen – vorausgesetzt, sie sind mit einem neuen Pixel-Smartphone (Übersetzung) oder einem Android-Smartphone (Google Assistant) verbunden. All diese Funktionen sind Teil der eigenen Plattform und haben nichts mit dem offenen Bluetooth-Standard zu tun: Sie funktionieren nicht, wenn die Kopfhörer etwa mit einem iPhone oder einem älteren Android-Smartphone verbunden sind.

Fazit: Die Unternehmen nutzten die Gelegenheit, um ihre eigenen Systeme zu bevorzugen. Tolle Zusatzfunktionen gibt’s nur unter den passenden Umständen. Das ist gut für die Unternehmen, aber wie so häufig schlecht für die Verbraucher. AirPods und Pixel Buds sind super – aber nur innerhalb des vorgesehenen Ökosystems. Diese Modelle dürften nur der Anfang einer langfristigen Entwicklung sein.

Google Pixel Buds im Hands-On: Bluetooth-Kopfhörer als Universalübersetzer.

Wie reagieren Kopfhörer-Hersteller?

Wie konkurrieren Bowers & Wilkins, AKG, Teufel, Shure und Co., die diese Anbindung nicht bieten können und damit zu zweitklassigen Lösungen degradiert werden? Bose hat die Entwicklung erkannt und sein beliebtes Quiet Comfort 35-Modell mit dem Google Assistant ausgestattet. Aber auch sie werden niemals denselben Zugriff auf die Geräte erhalten, wie es Apple- oder Google-Kopfhörer bekommen. Warum sollte ein Kunde etwas anderes kaufen, als den kabellosen Kopfhörer, der garantiert am besten mit seinem Handy funktioniert?

Das Start-up Pebble scheiterte mit seiner Smartwatch unter anderem, weil die Uhr nicht genügend Zugriff auf das Betriebssystem hatte, um mit den Funktionen einer Apple Watch oder Android Wear zu konkurrieren. Diese Zukunft wird auch auf die großen Kopfhörer-Firmen zukommen. Es braucht keine Glaskugel, um den nächsten Smartphone-Kandidaten ohne Kopfhörerbuchse auszumachen: Warten wir die nächste Samsung-Präsentation ab.

Es zeigt sich bereits, dass Firmen wie Google und Apple das „nächste große Ding“ namens Sprachsteuerung mittels eigener Hardware zu besetzen, die auf Bluetooth aufsattelt – um den Benutzer dann aber mit Exklusivitäten an das eigene Angebot zu binden. Am Ende werden wir einen einfachen, universellen Kopfhöreranschluss gegen ein geschlossenes System aus Sprachassistenten und Übersetzungsfunktionen eintauschen und uns das alte Kabel zurückwünschen.

Was meint ihr zu dieser Entwicklung?

Quelle: The Verge

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